Prozess

Anklage gegen 16 FCB-Ultras: Fan-Mob muss vor den Richter

Von den Ausschreitungen auf der Eventplattform hinter dem Joggeli machten hinterher zahlreiche Videos die Runde. (Screenshot: Youtube-Video)

Von den Ausschreitungen auf der Eventplattform hinter dem Joggeli machten hinterher zahlreiche Videos die Runde. (Screenshot: Youtube-Video)

Bald kommt es zum Prozess gegen jene 16 Hooligans, die im April 2016 hinter dem Joggeli übel randalierten.

Die erschreckenden Szenen erinnern mehr an einen Bürgerkrieg als an ein Fussballspiel. Auf der Eventplattform am Ost-Eingang zum St. Jakob-Park attackieren Dutzende Vermummte eine Gruppe Polizisten in Vollmontur. Diese setzen Gummischrot, Tränengas und Schlagstöcke ein. Nach einer kurzen Pause attackiert der Mob die Sicherheitskräfte erneut. Es fliegen Glasflaschen, Pyro-Fackeln und weitere Gegenstände. Ab und zu gelingt es der Polizei, einen der Chaoten zu schnappen. Schliesslich rennt eine Gruppe Fans die Treppe des Stadions hinunter in Richtung Birs und demoliert dort zwei Einsatzfahrzeuge der Polizei.

Unverhohlene Nähe zu rechtsextremem Gedankengut

Die Handyvideos, die nach dem Spiel des FC Basel gegen Zürich am 10. April 2016 im Internet kursierten, sorgten schweizweit für Bestürzung. Die Auseinandersetzung zwischen Fans und Polizei hatte eine neue besorgniserregende Dimension angenommen. Nun hat die Basler Staatsanwaltschaft Anklage gegen insgesamt 16 Anhänger des FC Basel erhoben. Geklagt wird unter anderem wegen Sachbeschädigung, Land- und Hausfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Die Männer im Alter zwischen 23 und 37 Jahren sind offenbar grossteils eingeschworene FCB-Fans, viele aus der Muttenzerkurve. Teilweise sassen die Männer über einen Monat in Untersuchungshaft. Mehrere sind einschlägig vorbestraft oder wegen weiteren Gewaltdelikten im Umfeld von FCB-Spielen angeklagt. Einige haben offenbar auch gegen Stadionverbote verstossen.

Bei den Hausdurchsuchungen haben die Ermittler auch reihenweise szenetypische Gegenstände beschlagnahmt: Schlagringe, speziell präparierte Handschuhe, Schlagstöcke, Zahnschutz sowie jede Menge Pyros und verbotene Feuerwerkskörper. Ein Teil der Angeklagten kann der militanten Ultragruppierung 187 zugerechnet werden. Davon zeugen beschlagnahmte Utensilien. Bei mehreren Anhängern dieser Gruppierung offenbarten die Untersuchungen auch eine unverhohlene Nähe zu rechtsextremem Gedankengut.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zeigt aus Sicht der Behörden auf, wie die Ausschreitungen entstanden. Offenbar befürchtete die Polizei, dass Basler Ultras nach dem Match versuchen könnten, den Bahndamm zu erklimmen und dort den Extrazug mit Fans des Erzrivalen FCZ anzugreifen. Als Verstärkung anrückte, stellte sich den Uniformierten auf der Eventplattform eine Gruppe von 150 FCB-Anhängern entgegen. Diese hätten «lautstark und mit entsprechender Gestik ihren Unmut» kundgetan, wie es der zuständige Staatsanwalt formuliert. Die Eventplattform sei «in absolut irriger Vorstellung» als «eigenes Territorium» betrachtet worden, auf dem die Polizei nichts zu suchen habe.

Unbeteiligter verliert Auge wegen Gummischrot

Mehrere Teilnehmer hätten die Polizisten bedrängt und angegriffen. Ein Unbekannter versetzte einem Polizisten einen gezielten Fusstritt. Ein weiterer Hooligan nahm einen Polizisten von hinten in den Würgegriff und warf ihn mehrere Treppenstufen hinunter. Als Reaktion feuerte ein Polizist von der Treppe unten mit Gummischrot. Dabei wurde ein Unbeteiligter so schwer getroffen, dass er auf einem Auge blind ist. Gegen den Schützen wurde ein Verfahren eingeleitet und später eingestellt. Der Polizist habe in einem Notstand gehandelt, so die Staatsanwaltschaft. Er und seine Kollegen seien an Leib und Leben bedroht gewesen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt eskalierte die Situation. In mehreren Wellen griffen die Fans die Polizeikräfte an. Nur kurzfristig gelang es diesen, den Mob zurückzudrängen. Flaschen, Dosen, Fahnen- und Metallstangen und sogar herbeigeschaffte Container wurden in Richtung der Sicherheitskräfte geschleudert. Zeitweise sei der Beschuss fast im Sekundentakt erfolgt, so die Anklageschrift. Erschwerend kam dazu, dass sich Umstehende mit den Schlägern solidarisierten.

Nach mehrminütigen Ausschreitungen rannte eine Gruppe Krawallbrüder die Treppe hinunter und beschädigte mehrere Polizeifahrzeuge teils massiv. Einen Einsatzwagen brachten die Fans beinahe zum Kippen. Die Auseinandersetzungen verlagerten sich in Richtung St. Jakobshalle. Auf dem Parkplatz hinter der Halle wurde ein ungeschützter Polizist niedergeschlagen und ein Patrouillenfahrzeug in Brand gesetzt. Ein junger Mann wurde in diesem Zusammenhang bereits vom Baselbieter Strafgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.
Der Prozess ist für Anfang 2020 angesetzt. Der Fall kommt vor ein Dreiergericht. Dieses kann Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren aussprechen.

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