Der FC Basel prüft einen Einstieg in die virtuelle Fussballwelt. Diese Ankündigung löst bei Schweizer Gameverbänden unterschiedlichste Reaktionen aus. Während sich Christian Schlauri, Präsident des Basler Gamervereins Manabar, überschwänglich über das neue Schwergewicht freut, äussert der Präsident des Schweizer
E-Sports-Verbands gewisse Bedenken.

E-Sports: Dota 2 Best Of Szenen

E-Sports: Dota 2 Best Of Szenen

Das im Video gezeigte Spiel ist Dota 2. Beim jährlichen «The International» treten die besten Teams der Welt gegeneinander an. Neben den Zuschauern in der ausverkauften Arena verfolgten Millionen weitere den Event via Live-Stream.

Doch zunächst zur Freude in Basel. «Wir konnten dank der Unterstützung durch die Christoph Merian Stiftung ein eigenes Youtube-Studio für Game-Übertragungen aufbauen und werden bestimmt auch Spiele des FCB übertragen, wenn dieser bei ‹Fifa 17› fussfasst», sagt Schlauri. Bisher habe sein Verein mit grossem Erfolg internationale Finals des populären E-Sports-Spiels ‹League of Legends› übertragen, zuletzt im Sommercasino, aber mit dem «Magnet FCB» würde sicherlich auch das Fussballspiel «Fifa 17» auf die Grossleinwand gebracht.

Nicht nur Freude an FCB-Plänen

Genau dieser Effekt macht Verbandspräsident Vinzenz Kögler aber auch Sorgen. «Im E-Sports spielt das Fussballspiel ‹Fifa› momentan eher eine Nebenrolle. Wenn grosse Clubs wie der FCB dazukommen, besteht die Gefahr, dass die bestehenden und beliebten E-Sports-Spiele durch die elektronischen Varianten traditioneller Sportarten ersetzt werden – was aus unserer Optik sehr schade wäre.» Kögler begründet seine Befürchtung damit, dass die Sportclubs mit ihren grossen Budgets Einfluss auf die Turnierorganisatoren nehmen könnten und dies dazu führe, dass nur noch die eigentlich langweiligen virtuellen Klone bestehender Sportarten angeboten würden. «Spiele, die bestehende Sportarten nachahmen, also etwa das Fussballspiel Fifa oder Eishockey- und Tennisspiele, sind per se an die Beschränkungen dieser Sportarten gekoppelt. Regeln können nicht angepasst werden und die virtuellen Spieler sind an die geltenden Bedingungen der realen Welt geknüpft – sie können also rennen, foulen und kicken, aber nicht fliegen, sich von einem zum anderen Ort beamen oder unsichtbar werden.»

E-Sports: Dota 2 Finale

E-Sports: Dota 2 Finale

Am 13. August 2016 fand das Finale des letzten The International statt. Im Finale traten die Teams Digital Chaos (USA) gegen Wings Gaming (China) gegeneinander an. Die Chinesen gewannen das Best-of-Five und somit ein Preisgeld von über 9 Millionen Franken. Insgesamt wurden etwa 20 Millionen Franken an die teilnehmenden Teams ausgeschenkt

Das Sportamt Basel-Stadt, unter anderem zuständig für die Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen, sieht beim neuen FCB-Engagement keine Probleme – obwohl der FCB in Basel unbestritten für viele junge Buben und vermehrt auch Mädchen eine motivierende Wirkung habe, Fussball zu spielen und ergo sich zu bewegen , wie Bereichsleiter Oliver Schwarz sagt. Dass diese Motivation nachlassen könnte, wenn die Buben und Mädchen nicht mehr ihren Vorbildern auf dem echten, sondern auf dem virtuellen Rasen nacheifern, dafür gebe es keine Hinweise. «Im Gegenteil», sagt Schwarz, «im freiwilligen Schulsport verzeichnen wir jährlich einen deutlichen Zuwachs.»

Der FC Basel äussert sich nicht weiter zu seinen E-Sports-Plänen, «weil die Evaluationsphase noch laufe», wie Sprecherin Andrea Roth mitteilt.