Computerspiele
Ankündigung des FC Basel weckt Freude und Ängste in der E-Sports-Welt

Schweizer Gamer begrüssen das sportliche Schwergewicht aus Basel mit Freude und Ängsten. Einerseits ist man froh um den «Magnet FCB», andererseits könnte ebendieser der hiesigen E-Sports-Szene auch die Vielfalt nehmen.

Samuel Hufschmid
Merken
Drucken
Teilen
Eine Szene aus dem E-Sports-Spiel «Fifa 2017»: Kontrollieren bald echte FCB-Spieler die virtuellen Kicker?

Eine Szene aus dem E-Sports-Spiel «Fifa 2017»: Kontrollieren bald echte FCB-Spieler die virtuellen Kicker?

ea sports

Der FC Basel prüft einen Einstieg in die virtuelle Fussballwelt. Diese Ankündigung löst bei Schweizer Gameverbänden unterschiedlichste Reaktionen aus. Während sich Christian Schlauri, Präsident des Basler Gamervereins Manabar, überschwänglich über das neue Schwergewicht freut, äussert der Präsident des Schweizer
E-Sports-Verbands gewisse Bedenken.

Doch zunächst zur Freude in Basel. «Wir konnten dank der Unterstützung durch die Christoph Merian Stiftung ein eigenes Youtube-Studio für Game-Übertragungen aufbauen und werden bestimmt auch Spiele des FCB übertragen, wenn dieser bei ‹Fifa 17› fussfasst», sagt Schlauri. Bisher habe sein Verein mit grossem Erfolg internationale Finals des populären E-Sports-Spiels ‹League of Legends› übertragen, zuletzt im Sommercasino, aber mit dem «Magnet FCB» würde sicherlich auch das Fussballspiel «Fifa 17» auf die Grossleinwand gebracht.

Computerspiele

Was genau ist E-Sports und wie wird gespielt?

Fälschlicherweise könnte man meinen, dass E-Sports nur aus virtuellen Adaptionen bestehender Sportarten bestehen. Das ist aber nicht der Fall: Die populärsten Titel sind nicht Fussball- oder Tennisspiele, sondern sogenannte «Multiplayer Online Battle Arena»-Spiele. Dabei treten zwei Teams, bestehend aus mehreren Spielern, gegeneinander an. Jeder Spieler steuert ein virtuelles Teammitglied, kommuniziert wird über Kopfhörer und Mikrofone.

Anders als bei Adaptionen bestehender Sportarten sind die populären Games nicht an Einschränkungen aus der Realität gebunden: Die virtuellen Figuren können fliegen, sich von einem Ort auf der Landkarte an den anderen zaubern und beherrschen jede Menge Spezialtricks, um ihre Gegner zu bekämpfen. Auch Regelanpassungen können jederzeit gemacht werden – nicht wie bei Fussball-Computerspielen, wo ein Handsspiel im Strafraum per se einen Elfmeter mit sich bringt. Oder wo die Spieler künstlich geltenden physikalischen Einschränkungen unterworfen werden. Aus diesen Gründen sagen E-Sport-Fans, dass ihre Spiele spannender sind. (huf)

Nicht nur Freude an FCB-Plänen

Genau dieser Effekt macht Verbandspräsident Vinzenz Kögler aber auch Sorgen. «Im E-Sports spielt das Fussballspiel ‹Fifa› momentan eher eine Nebenrolle. Wenn grosse Clubs wie der FCB dazukommen, besteht die Gefahr, dass die bestehenden und beliebten E-Sports-Spiele durch die elektronischen Varianten traditioneller Sportarten ersetzt werden – was aus unserer Optik sehr schade wäre.» Kögler begründet seine Befürchtung damit, dass die Sportclubs mit ihren grossen Budgets Einfluss auf die Turnierorganisatoren nehmen könnten und dies dazu führe, dass nur noch die eigentlich langweiligen virtuellen Klone bestehender Sportarten angeboten würden. «Spiele, die bestehende Sportarten nachahmen, also etwa das Fussballspiel Fifa oder Eishockey- und Tennisspiele, sind per se an die Beschränkungen dieser Sportarten gekoppelt. Regeln können nicht angepasst werden und die virtuellen Spieler sind an die geltenden Bedingungen der realen Welt geknüpft – sie können also rennen, foulen und kicken, aber nicht fliegen, sich von einem zum anderen Ort beamen oder unsichtbar werden.»

Das Sportamt Basel-Stadt, unter anderem zuständig für die Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen, sieht beim neuen FCB-Engagement keine Probleme – obwohl der FCB in Basel unbestritten für viele junge Buben und vermehrt auch Mädchen eine motivierende Wirkung habe, Fussball zu spielen und ergo sich zu bewegen , wie Bereichsleiter Oliver Schwarz sagt. Dass diese Motivation nachlassen könnte, wenn die Buben und Mädchen nicht mehr ihren Vorbildern auf dem echten, sondern auf dem virtuellen Rasen nacheifern, dafür gebe es keine Hinweise. «Im Gegenteil», sagt Schwarz, «im freiwilligen Schulsport verzeichnen wir jährlich einen deutlichen Zuwachs.»

Der FC Basel äussert sich nicht weiter zu seinen E-Sports-Plänen, «weil die Evaluationsphase noch laufe», wie Sprecherin Andrea Roth mitteilt.