Anna Rossinelli, noch zweimal schlafen und dann gehts ab nach Düsseldorf. Der Halbfinal des Eurovision Song Contest 2011 (ESC) findet am 15. Mai statt. Was machen Sie so lange am Austragungsort?

Anna Rossinelli: Wir haben einen dichten Zeitplan erhalten, was in den kommenden zwei Wochen auf uns wartet. Bereits nächsten Sonntag findet die erste Hauptprobe statt. Wir arbeiten dann 45 Minuten lang mit einem Bühnenverantwortlichen, der uns wahrscheinlich zeigt, wie wir unseren Auftritt gestalten sollen. Eine Woche später wird der ganze Halb-
final mehrmals durchgespielt.

Das heisst, Sie können die Choreografie zu «In love for a while» nicht selber gestalten?

Ich denke schon. Aber wir erhalten wahrscheinlich Tipps für den Auftritt. Jeder Schritt muss geplant sein, damit die Kameraeinstellungen stimmen. Wir müssen vor allem die Zuschauer zu Hause überzeugen, damit sie für die Schweiz anrufen. Deswegen muss die Show perfekt sein. Aber ich weiss nicht, wie das abläuft, ich habe so etwas noch nie gemacht.

Nachdem Sie mit Ihrer Band im Dezember vom Publikum gewählt wurden, die Schweiz am ESC 2011 zu vertreten, waren Sie vom Ansturm der Journalisten überfordert. Haben Sie sich nun daran gewöhnt?

Auf jeden Fall. Bis vor fünf Monaten hatte ich nie so viele Interviews gegeben. Kaum wurde in der Entscheidungsshow mein Name als Gewinnerin genannt, wurde ich von Journalisten umzingelt. Ich dachte, ich könnte zuerst noch meine Mami drücken, aber dafür war keine Zeit. In den Gesprächen fand ich dann nicht die richtigen Worte. Heute kann ich differenzierter Antwort geben.

Die Basler Band Lovebugs, Michael von der Heide oder DJ Bobo haben ihr Glück am ESC schon versucht, hatten aber keine Chance. Fühlen Sie sich wegen Ihrer prominenten Vorgänger unter Druck gesetzt?

Wir machen uns selber Druck, denn wir wollen natürlich ins Finale einziehen. Sollten wir es nicht schaffen, werden wir einen Moment lang traurig sein – aber das Leben geht weiter. Wir freuen uns auf den Auftritt und möchten diesen in erster Linie geniessen. Wenn das überhaupt geht.

Wie meinen Sie das?

Ich kann mir vorstellen, dass man als Musiker erst realisiert, was gerade passiert ist, wenn alles vorbei ist. Ich denke, nach der Show wird zuerst eine grosse Last von uns fallen.

Das heisst, Sie haben Angst vor dem Auftritt?

Ich habe nicht Angst davor, dass ich meine Stimme verliere. Aber nach den drei Minuten werde ich mich bestimmt ärgern, warum ich gewisse Dinge nicht anders gemacht habe.

Haben Ihnen die Basler Musikerkollegen von Lovebugs Tipps gegeben, wie Sie sich am Eurovision Song Contest präsentieren sollen?

Wir haben mit dem Lovebugs-Gitarristen Adrian Sieber und auch Michael von der Heide gesprochen. Beide sagten uns, wir sollen die Zeit in Düsseldorf geniessen und einfach Spass haben. Der Auftritt am ESC wird für uns auf jeden Fall einmalig sein.

David Klein, der Komponist von «In love for a while», kam vor einigen Monaten selber mit der Anfrage auf Sie zu, ob Sie sein Lied am ESC singen. Was war das für ein Gefühl?

Er hatte mich und meine Band auf der Strasse singen gehört und rief mich an. Ich habe spontan zugesagt, ohne mir grosse Gedanken über die mögliche Bedeutung dieses Auftrittes zu machen. Schliesslich haben sich für die Schweizer Ausscheidung insgesamt 360 Bands angemeldet. Mein Wunsch war es einfach immer, ein Lied von Klein singen und im Fernsehen vor grossem Publikum auftreten zu können.

Verraten Sie, was Sie auf der Düsseldorfer Bühne anziehen werden?

Ich trage ein schickes Kleid im Rot-Ton mit glitzernden Pailletten. Aber ich habe auch lockere Outfits dabei für andere Konzerte. Wir treten beispielsweise in einem Jazzklub auf.

Sie sind 24 Jahre jung und haben die Ausbildung als Kleinkinderzieherin gemacht. Womit wollen Sie ihr Geld verdienen?

Mein Traum ist, von der Musik leben zu können. Wenn das nach dem Eurovision Song Contest nicht geht, arbeite ich auf meinem Beruf. Denn Sängerin werde ich immer bleiben, das kann mir niemand nehmen. Konzerte werde ich immer spielen.