Erlenmatt
Anne Frank hat immer noch keine Strasse in Basel

Im neuen Wohnquartier Erlenmatt bleiben die Strassennamen langweilig. «Anne Frank» sei als Strassenname in Basel grundsätzlich möglich, der richtige Ort aber noch nicht gefunden.

Muriel Mercier
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Seit 2007 entsteht auf dem Erlenmatt ein neues Stadtquartier.

Seit 2007 entsteht auf dem Erlenmatt ein neues Stadtquartier.

Martin Töngi

Neue Quartiere brauchen neue Strassen. Neue Strassen neue Namen. So geschehen auf der Erlenmatt im Kleinbasel. Dort ist in den letzten Jahren eine Siedlung entstanden, dessen Bewohner eine Adresse brauchten. Sie sind heute in der Erlenstrasse, in der Erlenmattstrasse oder im Erlenmattweg zu Hause. So ist es also auch für Nicht-Basler kein Kunststück zu realisieren, dass diese Anwohner nur wenige Gehminuten voneinander entfernt wohnen.

Karte der Erlenmatt: Die neuen Strassennamen

Karte der Erlenmatt: Die neuen Strassennamen

ZVG

Einfallsreich sind die Namen nun wirklich nicht – um nicht zu sagen: Sie liegen auf der Hand. Die Namen seien bewusst so gewählt worden, weil Strassennamen in Basel in erster Linie als Orientierungshilfe funktionieren sollen, erklärt Paul Haffner. Er ist Präsident der siebenköpfigen Nomenklaturkommission. Diese entwickelt Vorschläge, wie man neue Strassen und Plätze in Basel benennen könnte, leitet die Ideen an den Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements weiter, wo sie abgesegnet oder abgelehnt werden.

Mehr Menschen würdigen

Der SP-Grossrat Stephan Luethi ist nicht erfreut über die Auswahl von der Erlen- über die Erlenmattstrasse bis hin zum Erlenmattweg. Er plädiert dafür, mehr Menschen, die für Basel Bedeutung haben, mit Plätzen oder Strassen zu würdigen. Nach dem Theologen Karl Barth wurde unter anderem im Gellertquartier ein Platz benannt, an Theodor Herzl wird mit der Strasse neben dem Israelitischen Friedhof erinnert.

In einer Anfrage an den Regierunsrat im 2009 brachte Luethi Anne Frank als Strassennamen ins Spiel – grundsätzlich, aber auch konkret für die Erlenmatt. Ein Kriterium für die Strassennamensgebung ist es, dass die Personen nicht mehr leben. «Strassennamen wirken weit in die Zukunft hinein. Es stellt sich nun die Frage, an wen man sich erinnern können muss und möchte», sagt Luethi. Der Name Anne Frank biete sich für die Erlenmatt nahe des Badischen Bahnhofs an. Annes Vater Otto Heinrich lebte in Birsfelden und ihr verstorbener Onkel Buddy Elias in Basel. Zudem funktionierte der Badische Bahnhof während des Zweiten Weltkriegs als Aussenposten der Nazis, und auf der Erlenmatt befand sich einst der Güterbahnhof; in Güterzügen wurden die Juden in die KZ deportiert. Für Luethi Gründe genug, Anne Frank auf diesem Areal zu würdigen.

Etwas Nachdenkliches für Anne

Anders sieht es die Nomenklaturkommission. Ihnen habe der enge Bezug von Anne Frank zum Quartier gefehlt, sagt Paul Haffner. «Anne Frank» sei als Strassenname in Basel grundsätzlich möglich, der richtige Ort aber noch nicht gefunden. Eine Betonbrache sei nicht passend, der «Platz sollte etwas Nachdenkliches ausstrahlen».

Der Name Erlenmatt ist unter Werner Messmer entstanden, der bis 2005 Haffners Amt innehatte. Bei Gebieten suche man nach Flurnamen, erklärt dieser. Einst waren auf der Erlenmatt nämlich Matten mit Entwässerungskanälen. «Wir orientieren uns an historischen Gegebenheiten und versuchen, daran anzudocken.»

Eine Chance verpasst

Rund um die Erlenstrasse, Erlenmattstrasse und den Erlenmattweg verlaufen zudem die Signalstrasse, in Anlehnung an den Bahnhof und seine Signale, der Goldbachweg, weil über diese Matte früher der Goldbach floss, sowie der Tangentenweg, wegen des Anschlusses an die Nordtangente.

Für Stephan Luethi hat Basel wieder eine Chance verpasst. «Man muss mutiger sein. Wenn man Strassen nach Menschen benennt, kann man den künftigen Generationen etwas mitgeben.» Haffner betont, man sei zurückhaltend mit Personennamen, würde aber immer wieder Strassen nach Persönlichkeiten benennen. Tatsächlich gibt es auf der Erlenmatt den Max-Kämpf-Platz, zur Erinnerung an den Basler Maler. Haffner ist sich bewusst, dass Strassen vor allem nach Männern benannt werden. Beim Dreispitz wurde aber unlängst der Irène-Zurkinden-Platz ins Leben gerufen – ebenfalls eine Basler Künstlerin.

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