Tatkräftig, durchsetzungs- und willensstark, dabei stets unterstützend und fördernd: So kann man Annelies Häcki Buhofer in wenigen Worten beschreiben. Damit trifft man aber längst nicht alle Seiten dieser vielseitigen Forscherin, die es sich zur Gewohnheit machte, eine Kiste mit Äpfeln vom Markt für die Mitarbeitenden und Studierenden aufzustellen oder auch regelmässig Blumen fürs Foyer mitzubringen, oft aus dem eigenen Garten. 26 Jahre lang war sie Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Basel, nun wird sie emeritiert, heute findet ihre öffentliche Abschiedsvorlesung statt.

Studiert hat die 1954 geborene Zugerin Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Zürich, wo sie später Assistentin, Oberassistentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin wurde. Auf das Doktorat im Jahr 1980 folgte nur vier Jahre später die Habilitation. Ihre Zeit in Basel begann 1989 als ausserordentliche Professorin, 1997 wurde sie zur Ordinaria ernannt. Seit dem hat sie nicht nur die hiesige Linguistik, sondern die Linguistik schweizweit massgebend mitgestaltet. Bekannt ist ihr Name längst über die Landesgrenze hinaus.

Wenn man den langen Katalog an Publikationen, Herausgeberschaften, Tagungsorganisationen, geleiteten Forschungsprojekten oder Sitzen in Gremien und Kommissionen anschaut, staunt man, woher sie die Zeit für all das her genommen hat. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie auch noch Präsidentin des Ornithologischen Vereins der Stadt Zug ist. Hinzu kam die Lehre und damit die Betreuung von Prüflingen und Doktorierenden.

Baseldeutsches Wörterbuch

Psycholinguistik, Spracherwerb, die Sprachsituation der deutschen Schweiz, Phraseologie, Schriftlichkeitsforschung oder auch die Grammatiktheorie im 18. Jahrhundert gehören zum breiten Interessensfeld von Annelies Häcki Buhofer. Hervorgegangen sind daraus unter anderen die Forschungsprojekte samt Publikation «Wörterbuch der festen Wendungen und Wortverbindungen der deutschen Sprache», das «Neue Baseldeutsche Wörterbuch» oder auch das «Namenbuch der Nordwestschweiz», also das Flurnamenbuch Basel-Stadt, das Flurnamenbuch Basel-Land und das Flurnamenbuch Solothurn. Ausserdem Artikel wie «Literale Alltagspraxis und Private Schreibräume von Jugendlichen», «Unterschiedliches Reden in der gleichen Sprache», «Karl Philipp Moritz’ Kinderlogik: Entwicklungstheorie als leitwissenschaftlich verstandene Sprachlehre» oder auch «Der Zusammenhang von Dialektbewusstsein und Charakteristik der gesprochenen Sprache» – um nur einen sehr kleinen Teil zu nennen.

Woran erinnert sich Annelies Häcki Buhofer besonders aus ihrer Zeit an der Universität Basel? «Forschungsprojekte mit beachtlichen weiterführenden Ergebnissen und die vielen engagierten Mitarbeitenden, die die Projekte zu einem guten und interessanten Ende gebracht haben und dabei auch ihre eigene Qualifikation wesentlich vorangetrieben haben. Das Grossraumbüro im Chemiegebäude am Totengässlein, längere Zeit auch eine Reihe von weiteren Büros im Totengässlein war für viele von uns ein wichtiger sozialer Forschungsort an einer tollen Lage mit Innenhofatmosphäre und dem Charme des pharmaziehistorischen Museums in unmittelbarer Nachbarschaft. Auch das Deutsche Seminar am Nadelberg ist ein wunderbarer und inspirierender Ort mit vielen guten Kontakten», stellt die Professorin fest. Aber auch die Veränderungen, die in den Jahren stattgefunden haben, bleiben ihr in Erinnerung: «Verändert hat sich durch Bologna die Ausprägung der Ausbildungsangebote: Wir hatten früher mehr nordistische Angebote, die auch in die Germanistik integriert wurden. Man konnte Jiddisch wählen sowie Niederländisch. Heute ist die Ausbildung systematischer strukturiert und vor allem die übereinzelsprachliche Verbindung mit den Sprachwissenschaften der weiteren Philologien, die an der Universität Basel vertreten werden, sind wichtig geworden. Der Zusammenschluss der linguistischen Ressourcen, der ja nicht bedeutet, dass man auf die Ausbildung zu den einzelnen Sprachen verzichten kann, sondern vergleichende und allgemeine Fragestellungen ermöglicht, ist ein grosser Gewinn.»

Gefreut hat sie auch die gute Entwicklung des Masters «Sprache und Kommunikation», der neben Basler Studierenden auch Studierende anderer Institutionen aus verschiedenen nationalen und internationalen Kontexten interessiert. «Ebenso ist die Doktorandenausbildung eine sehr positive Neuerung. Kürzer ist das Studium durch die verbesserte Strukturierung allerdings nicht geworden. Dass die Studierenden unserer Fächer sehr oft Teilzeitstellen übernehmen, erschwert zwar einerseits das Vorwärtskommen, ist aber für die Lehrveranstaltungen oft auch ein Gewinn.»

Hat noch viel vor

Für sie selber habe sich durch zunehmende Erfahrung und Verantwortung in Gremien und Institutionen einerseits eine positive berufliche Entwicklung ergeben, anderseits hätten sich die Arbeitstage zunehmend durch forschungsadministrative Arbeit gefüllt und seien ohne die tatkräftige Unterstützung durch sehr gute Mitarbeiterinnen im Sekretariat nicht mehr denkbar gewesen.

Und welche Projekte stehen nach der Emeritierung an? «Da will ich weder mir noch anderen zu viel versprechen, aber es gibt ein, zwei Projekte, die ich nicht abgeschlossen habe, und die nun aktuell werden – und den einen oder anderen Vortrag und Aufsatz, um den ich gebeten wurde. Die Namenbuchprojekte bleiben uns auch noch eine Weile erhalten. Da freue ich mich auf die gut recherchierten, gut geschriebenen und gewichtigen Bände, die noch herauskommen werden. Insbesondere möchte ich mich daran beteiligen, unser Kollokationenwörterbuch in der Lehrerausbildung bekannt zu machen. Daneben habe ich viele andere Aufgaben und Interessen, die nicht direkt mit der Universität Basel zu tun haben.»

Aber bei allem bleibt die Beobachtung und die persönliche Analyse des individuellen und gesellschaftlichen Sprachgebrauchs und seiner Entwicklung – im Dialekt und der Standardsprache ebenso wie in der Mehrsprachigkeit – ihr wichtiges Anliegen und Interesse.