Coronavirus

Anonym und trotzdem sicher: Basler Clubs setzen auf neues Meldeverfahren

Viele Clubbesucher wollen ihre Daten nicht hinterlegen. Mit einer neuen Tracing-Methode soll nun anonym und trotzdem sicher gefeiert werden können. (Symbolbild)

Viele Clubbesucher wollen ihre Daten nicht hinterlegen. Mit einer neuen Tracing-Methode soll nun anonym und trotzdem sicher gefeiert werden können. (Symbolbild)

Noch weigern sich einige Clubbesucher, ihre Daten zu hinterlegen. Auch die Erhebungen erfolgen unsystematisch. Das soll sich dank neuer Tracing-Methode nun ändern.

Als wäre das Internet nie erfunden worden, schlagen sich die Basler Partygänger derzeit mit Papierkram herum. Wer in einen Club oder eine Bar will, muss sich von Hand in eine Liste eintragen. Das System funktioniert nur bedingt, wie die bz-Reportage vom Montag über das hiesige Nachtleben gezeigt hat.

Einige Beizen in der Innenstadt sehen davon ab, die Kontaktdaten zu erheben. Und häufig weigern sich auch die Bar- und Clubbesucher, ihre Identität offenzulegen. Unter anderem haben sie Angst davor, dass das Lokal die Daten missbräuchlich verwendet. Oder sie fürchten die Quarantäne. Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands, sagt: «Nicht jeder ist anfangs zwanzig und kann es sich leisten, zehn Tage vom Arbeitsleben wegzubleiben.»

Zugang zum Club mit SMS-Code

Aber wenn nur ein Teil des Partyvolks mitmacht, sind die Vorschriften zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von Covid obsolet. Deswegen hat der Basler Kulturschaffende Johannes Sieber eine Tracing-Methode lanciert, die den Clubs und Besuchern die Registrierung erleichtert. Über die zentrale Covid-Tracing-Plattform namens Covtra schreiben sich die Gäste hier für den Clubbesuch ein – ein zugesandter SMS-Code gewährt Zugang zur Lokalität. «Das System funktioniert also auch mit einem alten Nokia 3310», sagt Sieber.

Währenddem Covtra in Basel am kommenden Wochenende anlaufen soll, hat es sich in Zürich bereits etabliert. 44 Clubs, darunter auch namhafte wie das Exil oder das X-tra, haben sich der Plattform angeschlossen. Noch ist es nicht zu einem Tracing-Szenario gekommen, bei dem die Daten an die Clubs ausgehändigt worden sind.

Im Gegensatz zum derzeit vorherrschenden System in Basel werden diese mit der neuen Methode nämlich zentral erfasst und gespeichert. Kein Lokal hat darauf Zugriff. Ausser, es wird eine Covid-Infektion bei einem Gast nachgewiesen. Dann werden die Kontaktdaten der Anwesenden ausgehändigt, wie den allgemeinen Geschäftsbedingungen zu entnehmen ist.

Besserer Datenschutz als bei bisheriger Methode

Sieber hofft, dass die namhafteren Clubs dereinst auch in Basel mitmachen werden – als vielversprechend empfindet er, dass der Verein Kultur und Gastronomie mit an Bord sei und auch die Stadtentwicklung dem Projekt offen gegenüber stehe. Ob der Erfolg so durchschlagend wird wie in Zürich, ist hingegen fraglich.

Viele der grösseren Lokalitäten wie die Bar Rouge haben angesichts der 100-Personen-Regel, die in Basel-Stadt bis Ende Jahr gilt, ihre Türen bis auf weiteres geschlossen. Für Ebneter stellt sich deshalb die Frage: «Lohnt sich eine teure technische Lösung?» Denn tatsächlich ist Covtra ein System, das fürs klassische Clubbing konzipiert ist. Beim Barhopping durch die Innenstadt werden die Gäste davon absehen, sich bei jedem Lokal im Internet zu registrieren.

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