Über das Motiv für den Anschlag tappt die Staatsanwaltschaft im Dunkeln: Es sind keine politischen Flyer aufgetaucht und es gab keine Schmierereien.

«Entweder, es geht bei dem Brandanschlag um Geld, gewöhnliche Rache oder Politik», sagt Peter Gill, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft.

Zeugen haben sich trotz eines Aufrufs keine gemeldet. Diese «Mauer des Schweigens» sei sehr typisch für dieses Umfeld, «Je länger es dauert, desto weniger reden die Leute. Viele haben Angst oder sind selber in irgendetwas verwickelt.»

Nicht mehr Spannungen als sonst

Dass es innerhalb der türkischen Gemeinschaft in Basel und auch in der Schweiz wegen unterschiedlicher politischer Ansichten oder auch verschiedener religiöser Auffassungen immer wieder Spannungen gibt, stellt bei den mit Integrationsfragen betrauten Institutionen niemand in Abrede.

Aber es gebe derzeit keine ähnlichen Geschichten wie Ende der 1990er-Jahre, als die kurdische Arbeiterpartei PKK nach der Verhaftung von Abdullah Öcalan Anschläge auf türkische Restaurants und Reisebüros verübte, heisst es unisono.

«Ich hätte in letzter Zeit nichts bemerkt», sagt SP-Grossrat Atilla Toptas auf Anfrage. Die letzten Spannungen habe er während der EM vor vier Jahren gespürt während des Spiels der türkischen Nationalmannschaft.

Er selber ist Mitglied im Alevitischen Verein Basel und gehört damit zur Glaubensgemeinschaft, die gemäss der Homepage Inforel rund 40 Prozent der Muslime in und um Basel stellt.

Toptas war auch schon Gast im Café Maxim Istanbul um Fussball zu schauen. Den Anschlag verurteilt er aufs Schärfste: «Es darf nicht sein, dass öffentliche Orte zu politischen Zwecken missbraucht werden.»

Politisch waren die Motive beim Brandanschlag vor vier Jahren auf dasselbe Lokal. Dass dieses ein Treffpunkt türkischer Nationalisten sein könnte, wie die «Basler Zeitung» schreibt, sei ihm nicht aufgefallen.

Politische Aktualität aus Syrien?

Auch SP-Grossrat Mustafa Atici hat in letzter Zeit keine Spannungen zwischen Türken und Kurden wahrgenommen. «Es gibt verschiedene politische Gruppierungen, aber in der Bevölkerung gibt es momentan keine gespannte Stimmung.»

Er verweist allerdings auf die politische Aktualität in der Türkei und die gespannte Lage an der Grenze zu Syrien. Damit spricht er die Möglichkeit an, dass es sich bei den Tätern um Leute aus den Nachbarländern handelt, aus Syrien oder dem Iran, die nicht mit der türkischen Politik einverstanden sind.

«Das sind Mutmassungen», sagt Stawa-Sprecher Gill. Ebenso sei es eine Mutmassung, dass es um organisierte Kriminalität oder allenfalls Schutzgelderpressungen gehe. «Das gibt es, aber in den meisten Fällen fehlen die Aussagen», sagt Gill.

Wie schwierig die Arbeit in diesem Umfeld für die Justiz ist, zeigt eine Gerichtsverhandlung, die im Mai und Juni stattgefunden hat. Sechs Männer türkischer Herkunft standen wegen Schutzgelderpressung vor Gericht, wurden aber mangels Beweise freigesprochen. Zwei von ihnen wurden wegen Nötigung und Raub sowie Erpressung und Raub verurteilt.