«Reger Bargeldverkehr» war am Montag im Basler Strafgericht das Stichwort, und Gerichtspräsident Marc Oser fragte den 45-jährigen Angeklagten mehrmals, weshalb er beim Eingang grosser Beträge auf den Konten immer gleich am Geldautomaten Barbezüge getätigt hat. Er habe meistens Bareinzahlungen gemacht, antwortete der Angeklagte ausweichend. Wofür er das Geld ausgegeben hat, blieb unklar.

Als Anwalt verwaltete er die Vorschüsse seiner Klienten, und laut der Staatsanwaltschaft hat er zumindest bei fünf Klienten insgesamt rund 100 000 Franken abgezweigt.

Spät oder nicht zurückgezahlt

Der Mann ist seit Jahren hoch verschuldet. Auch während seiner anwaltlichen Tätigkeit hatte er offenbar zuwenig Mandate, um damit über die Runden zu kommen. Bereits im Sommer 2008 erhielt er von der Aufsichtskommission einen Verweis wegen Berufspflichtverletzungen. Im Januar 2010 gab er seine Zulassung als Anwalt auf, das Ehrengericht der Advokatenkammer hatte damals der Aufsichtskommission bereits den Ausschluss empfohlen.

Es ging immer um dasselbe: Vorschüsse wurden auf zweifelhafte Weise verrechnet, anvertraute Gelder auf einem Klientengelder-Abwicklungskonto hatte er spät oder gar nicht zurückerstattet. Mehrere Mandanten beschwerten sich deshalb bei der Aufsichtskommission.

Der 45-Jährige räumte am Montag vor Gericht ein, er habe Fehler gemacht. In einem der Fälle argumentierte er allerdings, den Vorschuss eines Mandanten habe er mit tatsächlich von ihm geleisteter Arbeit per Stundensatz verrechnet. Klare Einzelabrechnungen für jeden Fall existieren jedoch offenbar nicht, worauf ihn der Gerichtspräsident hinwies. «Ja, das hätte ich machen sollen. Dann wäre ich heute nicht hier», murmelte der ehemalige Anwalt daraufhin ein wenig trotzig.

Teilbedingte Haftstrafe

«Er ist das schwarze Schaf des Berufsstandes», sagte Staatsanwältin Dominique Schöniger. Sie verlangte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, ein Jahr davon müsste der Mann absitzen.

Der Verteidiger hingegen betonte, sein Mandant habe in einigen Fällen die Vorschüsse durchaus mit eigenen Leistungen verrechnen dürfen. Dass er seine Abrechnungen nicht sauber geführt habe, habe bereits standesrechtlichen Konsequenzen gehabt, strafrechtlich sei dies jedoch nicht relevant. Für die zwei zugestandenen Fälle reiche eine bedingte Strafe zwischen 12 und 18 Monaten. Das Urteil wird am Dienstag gefällt.

Dem Mann droht noch ein weiteres Verfahren: Seit 2012 wirft ihm der Basler Boxclub vor, Gelder veruntreut zu haben. Diese Untersuchungen sind aber noch im Gange, sie sind deshalb nicht Teil des aktuellen Verfahrens.