Mit Drogensucht wird niemand gerne konfrontiert – erst recht nicht vor der eigenen Haustüre. Das zeigt sich aktuell im Erlenmatt-Quartier. Seit bekannt ist, dass die Kontakt- und Anlaufstelle (K+A) am Wiesenkreisel am gleichen Ort durch ein neues Provisorium ersetzt wird, wächst der Unmut bei den Anwohnern. Philipp Schopfer, der Vize-Präsident der BDP Basel-Stadt, hat eine Petition lanciert, die von der Regierung verlangt, intensiv nach einem neuen Standort zu suchen.

Um die Anliegen der Quartierbewohner aufzunehmen, hat das zuständige Gesundheitsdepartement die Anwohner am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Rund 30 Personen sind gekommen und lauschten zuerst still den Ausführungen. Die Anspannung im Saal war aber spürbar.

Anwohner haben Recht auf Infos

Das jetzige Provisorium muss ersetzt werden, weil es baufällig ist und hygienischen Anforderungen nicht mehr genügt. Die Zeit, einen Ersatz bereitzustellen, drängt also. Die Bedenken der Anwohner sollten deshalb nicht gross in der Öffentlichkeit breit geschlagen werden und das Projekt möglichst rasch zu Ende gebracht werden, ist Schopfer überzeugt. Deshalb seien offiziell auch keine Medienschaffenden eingeladen worden.

Schopfer macht dafür vor allem Eveline Bohnenblust, die Leiterin der Abteilung Sucht, verantwortlich: «Sie verhindert, dass Anwohner durch die Medien über ein Projekt informiert werden, das ihr Quartier betrifft». Bohnenblust sagt, es sei nie in ihrem Sinn gewesen, die Medien auszuschliessen. «Primär war uns aber wichtig, dass die Anwohner kommen.» Wir haben 2000 Einladungen im Quartier verteilt und die Veranstaltung über die Quartierorganisationen kommuniziert. In einer Mitteilung an die Medien Ende September kündeten sie an, dass eine Info-Veranstaltung für Anwohner geplant sei. Allerdings fehlten darin Datum und Ort. «Das hat sich erst sehr kurzfristig ergeben, da wir den Entscheid des Regierungsrates abwarten mussten», sagt Bohnenblust.

Es wird gespritzt und gedealt

Kaum wurde am Mittwochabend die Fragerunde eröffnet, schossen Hände in die Luft. Anwohner erzählten, dass im Quartier und auf den öffentlichen Toiletten gebrauchte Spritzen herumliegen und die Spielplätze nur noch von Drogensüchtigen genutzt werden. Sie würden in aller Öffentlichkeit Drogen konsumieren und auch dealen. Die Verantwortlichen betonten, dass sie auf Hinweise der Anwohner angewiesen seien, man sich jederzeit über eine Hotline melden könne, wenn irgendwo Spritzen liegen, oder sogar je nach Situation die Polizei alarmieren könne.

Immer wieder kam auch die Frage, welche 13 alternativen Standorte denn geprüft worden seien. Das allerdings möchte das Gesundheitsdepartement nicht offenlegen: «Das ist der Sache nicht dienlich. Dies haben wir auch beim K+A Dreispitz so gehalten», sagt Bohnenblust. Für eine K+A gebe es keinen idealen Standort – auch nicht in den Augen des Gesundheitsdepartements: «Unsere Evaluation hat aber ergeben, dass der Standort Wiesenkreisel valabel ist», sagt Bohnenblust.

Schnell wird denn auch klar, dass das Hauptproblem der Anwesenden nicht per se die Süchtigen im Quartier sind. Dass diese Menschen eine Anlaufstelle brauchen, ist den meisten bewusst. Eine offene Drogenszene wie in den 80er-Jahren möchte niemand.

Aber das Quartier entwickle sich, es entstehe unter anderem ein Platz, der vor allem von Jugendlichen genutzt werden soll und ein Kindergarten. «Uns ist wichtig, dass die Verantwortlichen beim Kanton ein Bewusstsein für die Situation haben, auf Probleme reagieren und vor allem keine Kinder gefährdet werden», sagt Cordula Hawes von den Ambassadoren Erlenmatt. Gleichzeitig müssten sich aber auch die Anwohner konsequenter bei den zuständigen Stellen melden, wenn es zu Problemen kommt. Ihrer Meinung nach muss sich vor allem die Kommunikation verbessern.

Fremdsprachige übergangen

Die Kommunikation beginnt bei der Einladung: «Ein Teil der Anwohner war von Anfang an ausgeschlossen», sagt Schopfer. Er kritisiert, dass es die Informations-Flyer mit wichtigen Telefonnummern nur auf Deutsch gibt genauso wie die Einladung zum Info-Anlass. «Das Gesundheitsdepartement müsste doch wissen, dass im Quartier viele Expats und Menschen mit Migrationshintergrund leben.»

Bohnenblust sagt, sie würden sich überlegen, die Flyer in Zukunft zu übersetzen, was aber einen zusätzlichen Aufwand mit sich bringe. «Wir wissen ja nicht, in welchen Haushalten welche Sprache gesprochen wird.» Die jetzige Einladung habe eine Quartierorganisation von sich aus übersetzt und unter die Anwohner gebracht.

Aus dem Publikum kam gestern aber keine einzige Frage in einer Fremdsprache – und auf die Frage, ob Baseldytsch in Ordnung sei, hat sich niemand gemeldet.