Basel
Anwohner des Unteren Rheinwegs kochen vor Wut

Die Anwohner des Unteren Rheinwegs, von der Klybeckstrasse bis zu den Buvetten, haben die Schnauze voll. Das Rheinufer sei wegen Lautsprechern, Alkohol, Müll, Lärm, Grillfesten und Urin kein Quartierparadies mehr.

Dominique Waldmann
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Das Rheinbord bleibt ein Streitpunkt bei Anwohnern.

Das Rheinbord bleibt ein Streitpunkt bei Anwohnern.

Kenneth Nars

Der Saal ist voll, die Stimmung angespannt, als die rund 80 Gäste der Anwohnerversammlung darauf warten, ihren angestauten Ärger rauszulassen. Die Rheinpromenade steht im Zentrum. Sommer und Sonne locken wieder zu den Sitzgelegenheiten zwischen Dreirosen- und Wettsteinbrücke. Und damit kommt der Grossandrang der Sonnenhungrigen. Die Toleranz der Quartierbewohner nimmt ab. «Die Nutzung des Rheinufers hat sich in den letzten zwei Jahren stark intensiviert», sagt Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel. Die Versammlung am Dienstagabend sei dringend nötig gewesen. Wernli spricht von einer noch nie da gewesenen «Rhybadi, die vom Ufer bis in den Garten der Anwohner reicht». Früher habe sich die Benutzung auf die Promenade beschränkt.

Beim Stichwort Schneeabladeplatz fielen die meisten Zwischenrufe: Wo früher in der Nähe der Dreirosenbrücke der gesammelte Schnee der Stadt in den Rhein gekippt wurde und im Sommer Autos parkieren, soll nun ein weiterer Begegnungsort entstehen. Die Petition «Flanieren statt Parkieren» wurde vom Parlament gutgeheissen. «Uns bleibt nur noch die Einsprache mit Unterschriften», so die Devise der Anwohner.

Die grillenden Waggis

An den Wochenenden würden bereits die Elsässer mit Tischen und Bänken kommen, sich ausbreiten und den ganzen Tag grillieren, schildern einige Bewohner des Klybeckquais. «Da stinkt es nach Rauch und es lärmt den ganzen Tag». Aber nicht nur tagsüber muss man die Nase rümpfen. Ein älterer Herr nennt die öffentlichen WC «Urinsauna». Sowieso «pissen die Betrunkenen mir in der Nacht in den Garten», sagen auch andere Anwesende der Versammlung.
Nicht nur der Urin verschmutzt die Strassen. Bierflaschen, Plastikabfall und Ähnliches liegen herum. Die Stadtreinigung «tut was sie kann», sagt Dominik Egli, der neue Leiter der Stadtreinigung. Bis an ihre äussersten Grenzen würden sie gehen – die Stadtreinigung putzt mehrmals täglich, stellt Container zur Verfügung und räumt alles weg, was sie findet. Trotzdem: Sind die Männer in Orange nicht da, ist die Promenade voll mit Müll. «Die Container werden als gratis Abfallentsorgungsstelle missbraucht, die kommen aus der ganzen Stadt, um hier den Müll zu entsorgen», sagt ein älterer Herr.

Unzufrieden mit der Regierung

Die Anwohner haben das Gefühl, dass ihre Anliegen von der Regierung nicht ernst genommen würden. Dem Kanton sei das Rheinbord als angesagter Ort bestimmt kein Dorn im Auge. «Ich sehe, die Polizei an der Promenade entlangfährt, und zwar nach Nachtruhe. Aber keine Sekunde halten sie an», sagt eine Frau. Anrufen sei die Alternative. Aber die meisten fordern härtere Sanktionen, Bussen etwa, «die weh tun».
Die neue Kampagne «Rhylax», die den Dialog mit den Benützern des Rheinbords durch Plakate, Instagram und Facebook sucht, kommt schlecht an. Stimmen wie «Ich habe nicht einmal einen Facebook-Account» werden laut. Zudem würden die Plakate ignoriert. Eine Schönwetteraktion sei die Kampagne aber nicht, versichert die Stadtentwicklung. Doch auch Wernli zweifelt, dass «Rhylax» die nächtlichen Nutzer erreicht. «Am sinnvollsten wäre eine gezielte Verteilung der Aktivitäten wie Grillieren oder Chillen am Unteren Rheinweg.» Sonst bleibe das Ufer voll und die Stimmung angespannt.