Es klingt, als hätten alle etwas davon: Die Strasse soll an die «aktuellen Bedürfnisse und Anforderungen der Verkehrsteilnehmenden, der Passantinnen und Passanten sowie der Quartierbevölkerung» angepasst werden, heisst es im Bericht der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK).

Das Parlament sagte kürzlich Ja zur Umgestaltung der St. Alban-Vorstadt. Zahlreiche Anwohner aber halten das für keine gute Idee und ergreifen deshalb das Referendum. An ihre Bedürfnisse werde nicht gedacht, sagen sie. Jetzt kämpfen sie als «Komitee für den Erhalt der Trottoirs» gegen die geplanten Bauarbeiten. Ihr Ziel ist sportlich: Bis Ende Monat will das Komitee mindestens 2000 Unterschriften sammeln.

«Wir fühlen uns nicht ernst genommen», sagt Claudio Bachmann. Als Anwohner der St. Alban-Vorstadt 41 ist er direkt betroffen. Das Trottoir vor seiner Haustür soll durch «einen Strassenraum ohne Niveauunterschied» ersetzt werden, sprich wegkommen.

Mehrfach enttäuscht

Bachmann ist nicht der Einzige, der sich vor den Folgen fürchtet. Er sagt, das Trottoir mit Rand gebe Fussgängern eine gewisse Sicherheit, etwa auch beim Brunnen oberhalb des Mühlenbergs. Der «Sockel» des Brunnens soll auch eingeebnet werden. Die geplante Umgestaltung betrifft den ganzen Abschnitt St. Alban-Vorstadt zwischen St. Alban-Graben und Malzgasse.

Bachmann ist in mehrfacher Hinsicht enttäuscht. Einerseits moniert er, die Behörden hätten die Anwohner zu wenig in den Entscheidungsprozess eingebunden, obwohl Artikel 55 der Kantonsverfassung genau das verlange. Und Grossräte, welche ihm mündlich Unterstützung zugesagt hätten, seien nun offenbar «den Weg des geringsten Widerstands» gegangen.

Claudio Bachmann weiss, dass die Chancen auf Erfolg eher gering sind. «Was wir da machen, ist ein Kampf David gegen Goliath», sagt er. Regierung und Grosser Rat wollten die Umgestaltung als Teil des Gestaltungskonzept Innenstadt – da hätten sie als Anwohner-Gruppe wenig Aussicht auf Erfolg. «Wir möchten unsere letzte Chance aber nicht vergeben», sagt Bachmann.

Keine Raserstrecke

Bereits vor der Zustimmung durch das Parlament hatten sich Anwohner gegen die Umgestaltung zusammengetan – und über 150 Unterschriften beim Bau- und Verkehrsdepartement eingereicht. «Regierungsrat Hans-Peter Wessels hat sogar eine Delegation von uns empfangen, geändert hat sich aber nichts», sagt Bachmann. Die Anliegen der Anwohner seien verpufft.

Nun sind diese auf zahlreichen Unterschriftenbögen ausformuliert. Hauptanliegen ist der Erhalt des jetzigen, schmalen Trottoirs. Ausserdem wollen die Anwohner verhindern, dass ihre Strasse zur «Biking-Raserstrecke umgebaut» und damit die «Sicherheit von Schulkindern und Betagten riskiert» wird.

Auch kritisiert das Komitee auf dem Unterschriftenblatt den «Verzicht auf das Mitwirkungsrecht» und fragt – wohl – rhetorisch: «Ist eine teure Luxussanierung nötig?» Für die UVEK ist klar: «Die Begegnungszone ist besonders für jene Leute, die heute das Trottoir aufgrund der zu geringen Breite nicht oder nur eingeschränkt nutzen können, mit Sicherheit eine Verbesserung.»