«Wir wollen keine Junkies hier», stellt Philipp Schopfer, Vizepräsident der BDP Basel, klar. Für einmal sind es nicht Lärm und Baustelle, die an dem Projekt Ersatzneubau der Kontakt- und Anlaufstelle am Wiesenkreisel stören, sondern die Zielgruppe. Die Kontakt- und Anlaufstelle bietet Drogenabhängigen einen Raum, ihre Substanzen unter hygienischen Umständen zu konsumieren.

Vor rund zehn Tagen hatte das Gesundheitsdepartement den Neubau der Kontakt- und Anlaufstelle am Standplatz Wiesenkreisel für 2,5 Millionen Franken verkündet. Das jetzige Gebäude befinde sich sowohl baulich als auch betrieblich in schlechtem Zustand, so ein Sprecher des Baudepartements. Der Containerbau wurde vor über zehn Jahren gebaut und ist seither in Betrieb. Täglich suchen etwa 200 Süchtige die Kontakt- und Anlaufstelle auf. Vor Ort stellt die Organisation saubere Spritzen zu Verfügung und garantiert die fachgerechte Entsorgung nach deren Gebrauch. Bei Überdosen oder Notfällen leisten die Mitarbeiter zudem qualifizierte Hilfe.

Unhygienisch und baufällig

Der jetzige Bau erfüllt die Auflagen zu Hygiene und Sicherheit jedoch nicht mehr. «Im ganzen Gebäude ist die Isolation verschimmelt», sagt ein Sprecher des Hochbauamts Basel-Stadt. Aus diesem Grunde sei es notwendig, das Gebäude schnellstmöglich zu ersetzen, um so den sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Dies erkennt auch Schopfer. Unverständlich ist für ihn jedoch, wieso der Bau wieder an derselben Stelle erfolgen wird. Er bemängelt, dass der Kanton nicht auf seine Einwohner höre. Vor zehn Jahren, als der Container erbaut wurde, «versprach man uns, dass es sich hierbei nur um ein Provisorium handle». Dies sei der einzige Grund gewesen, weshalb die Anwohner die Kontakt- und Anlaufstelle überhaupt akzeptierten.

Doch nun soll der neue Bau wieder an den Standort Wiesenkreisel kommen und zudem um 100 Quadratmeter vergrössert werden. Ein Schritt, den Schopfer nicht akzeptieren will: «Der Kanton bricht das Versprechen, das er uns vor zehn Jahren gegeben hat.» Aus diesem Grund fertigt Schopfer einen Petitionsbogen gegen den Neubau an. Diesen will er am kommenden Anwohnertreffen austeilen. Dieses findet am 19. Oktober statt, wo der Kanton die Anwohner über den Ersatzneubau informieren wird.

Die beste Lösung

Der Kanton sieht keine Alternative zum Wiesenkreisel. Er habe den Standort sorgfältig evaluiert, so Eveline Bohnenblust, Leiterin der Suchtabteilung des Gesundheitsdepartements. «Basel-Stadt ist sehr eng gebaut und hat daher nur begrenzt Möglichkeiten.» Der Wiesenkreisel erfülle sämtliche entscheidungsrelevanten Kriterien: Neben der guten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr liege die Kontakt- und Anlaufstelle in ausreichender Entfernung zu Schulen und dem nächsten Wohnquartier.

Dies sehen Schopfer und die Anwohner jedoch anders: «Wir mussten einen ganzen Hauseingang erneuern, da immer wieder Spritzen in den Briefkästen gefunden wurden, und es überall Blutspuren hatte.» Zudem sei die Stelle zu nahe am Musicaltheater, und Schopfer zeigt sich besorgt um die ausserkantonalen Besucher: «Wir wollen nicht, dass die Drogenszene das Erste ist, was sie von Basel sehen.»

Als Alternativ-Standort schlägt er das Areal an der Badenstrasse nahe dem Stücki-Shoppingcenter vor. Bohnenblust erklärt, dass dieses jedoch aus gewerblich genutzten Privatparzellen bestehe, und somit nicht vom Kanton bebaut werden könne. Aus diesem Grund sollen die «Junkies» am Wiesenkreisel bleiben.