Protestaktion

Anwohner wehren sich gegen Federers Old-Boys-Tennishalle

Anwohner markierten mit Ballonen die Ecken und die Höhe der geplanten neuen Halle.

Anwohner markierten mit Ballonen die Ecken und die Höhe der geplanten neuen Halle.

Bei der Sportanlage Schützenmatte soll die erste Tennishalle Basels entstehen. Doch Anwohner kämpfen dagegen.

Am Freitagmorgen standen bunte Helium-Ballone hoch am Himmel über der Sportanlage Schützenmatte. Sie signalisierten keine Freude, sondern Protest. Anwohner markierten damit die Ecken und die Höhe der geplanten neuen Halle des Tennisklubs Old Boys, die sie juristisch bekämpfen.

Der Bau soll dem Tennisklub vier überdachte Plätze und vier Tenniscourts auf dem Dach bringen - es wäre die erste Tennishalle Basels. Ein substanzieller Betrag für den Bau kommt vom berühmtesten Old-Boys-Mitglied: Roger Federer. Ein Platz soll seinen Namen tragen. Schon lange tobt aber die Opposition gegen die Halle.

29 Anwohner erhoben Einsprache gegen das Projekt. Diese wurde im August 2019 nach einigen Anpassungen abgelehnt Doch der Kampf, der mittlerweile Dutzende Seiten an offiziellen Schriften hervorgebracht hat, ist nicht vorbei: Die Anwohner rekurrierten bei der Baurekurskommission. Diese führte am Freitag eine Begehung durch, zu deren Anlass die Ballon-Aktion stattfand.

Hinter den Rekursen steht ein Jurist

Der Wortführer der grössten Einsprechergruppe ist der Jurist Daniel Boerlin, der selbst an der nahegelegenen Realpstrasse wohnt. «Die Halle wird ein Klotz», sagt Boerlin. «Sie nimmt uns das Licht und die Luft weg». Damit meint er vor allem die Auswirkungen auf die ohnehin knappe Aussicht, die man aus dem Einfamilienhaus-Quartier habe. Die Halle soll 7,5 Meter hoch sein, die Scheinwerfer 20 Meter. Zudem befürchtet Boerlin Lärm von den Plätzen auf dem Dach der Halle und blendendes Licht von den Scheinwerfern: «Man nimmt uns das Licht am Tag und strahlt uns dafür in der Nacht an», sagt
Boerlin.

Im Rekurs greift er aber auch zu anderem, grossen Geschütz. Die Rekurrenten beanstanden unzählige angebliche formelle Fehler: Von einer fehlenden Bautafel bis zur Verfassungswidrigkeit der Zone, in der die Sportanlage ist. Der Tennisklub weist die Einwände zurück.

Verhandlungen zwischen den Anwohnern und dem Tennisklub endeten ergebnislos. Boerlin forderte, dass die Halle, die bereits in den Boden eingelassen ist, weiter abgesenkt wird. Zudem sollten die Plätze auf dem Dach gestrichen werden. Weniger weitgehende Zugeständnisse des Klubs brachten keine Einigung.

«Ich kann die Halle nun mal nicht durchsichtig machen», sagt Marianne Bernet, Präsidentin des Tennisklubs Old Boys. Die Einwände der Einsprecher würde durch die Stellungnahmen mehrerer kantonalen Ämter abgewiesen. Die Halle, eine Art Holzpavillon, sei ästethisch ansprechend und entspreche den gesetzlichen Vorgaben.

Man habe alles getan, um den Anwohnern entgegenzukommen. Die momentane Situation ohne Tennishalle in der Stadt Basel sei suboptimal: «Bei uns trainieren 300 Junioren. Wenn es regnet, müssen wir sie nach Allschwil, Münchenstein, oder Birsfelden schicken.» Sie verstehe, dass die Anwohner schlicht von ihren Rechten Gebrauch machen, aber: «Wir brauchen die Halle. Und wir werden sie bauen.»

Anwohner wollen vor Verwaltungsgericht

Wegen den Einsprachen ist das Projekt bereits weit hinter dem Zeitplan: Ursprünglich sollte
die Halle Ende 2020 eröffnet werden. Bernet betont am Telefon immer wieder, dass sie den Konflikt nicht weiter eskalieren lassen wolle - sie hofft noch immer auf eine Einigung. Die Anwohner scheinen aber nicht willens, die Halle in der jetzigen Form zuzulassen, ohne alle Rechtsmittel auszuschöpfen. Boerlin sagt: «Wir beabsichtigen, vor das Verwaltungsgericht zu gehen, falls der Rekurs abgewiesen wird.» Und der Tennisklub wird den Gegnern nicht so weit entgegenkommen, wie diese es wünschen: «Das ist wegen der fortgeschrittenen Planung nicht möglich», sagt Bernet.

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