Homo

«Anyway» wirbt mit Plakaten in Tram und Bus für Toleranz

Plakatkampagne des Jugendtreffs «anyway» für mehr Toleranz gegenüber sexuell «anders» Orientierten.

Plakatkampagne des Jugendtreffs «anyway» für mehr Toleranz gegenüber sexuell «anders» Orientierten.

Die Jugendgruppe «Anyway» für homo- und bisexuelle Jugendliche möchte verstärkt in der Stadt präsent sein. Seit Kurzem macht eine Plakataktion auf die Anliegen der Gruppe aufmerksam. Die Botschaft ist eindeutig.

Die beiden jungen Männer halten sich im Arm, einer lehnt sich vertraulich an den anderen an und blickt frontal in die Kamera. Die Botschaft an die Tramgäste ist eindeutig: Akzeptiert uns und unser Bedürfnis nach Toleranz und Nähe.

Lanciert wurde die Plakataktion von der Jugendgruppe «Anyway». Bis Ende November wird sie in den Basler Trams und Bussen zu sehen sein. Die sieben Models sind mehrheitlich bi- oder homosexuell. «Wir wollen die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen. Und auf das Angebot der Gruppe», erklärt Roman Heggli, der einer der zwölf Leitungsmitglieder der Gruppe ist.

Begleitung mit Erfahrung

Der Student hat wie jeder der Gruppenleiter Erfahrung mit den Themen, die homo- und bisexuelle Jugendliche und junge Erwachsene beschäftigen. Gegründet wurde «Anyway» im März 2011 (die bz berichtete) von zehn jungen Frauen und Männer, die alle bedauerten, dass es in Basel kein solches Angebot für Jugendliche gibt. «Viele von uns haben von ähnlichen Treffen profitiert.»

Die Gründer von «Anyway» sind alle schwul, lesbisch oder bisexuell. «Deswegen können wir die Problematiken unserer Besucher gut nachvollziehen.»

Zweimal im Monat organisiert die Gruppe ein Treffen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders. Rund 20 Personen treffen sich an jedem zweiten Donnerstagabend im Jugendtreff Neubad. Durchschnittlich sind die Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahre alt. «Wer sich früher in seiner Jugend outet, braucht die Gruppe oft nicht, um sich zurecht zu finden», sagt Heggli. Gleichzeitig sei es schwieriger, sich mit zunehmendem Alter zu outen. «Natürlich ist es eine spezielle Situation. Man hat sich ein Umfeld geschaffen und verheimlichte einen Teil seiner selbst.»

Missstände sind vorhanden

Durch ein Outing könnten viele besser zu ihrer Persönlichkeit stehen. Dadurch seien sie auch offener im Umgang mit anderen Leuten, sagt Heggli. «Die gleichgeschlechtliche Liebe ist heute in grossen Teilen der Gesellschaft akzeptiert.»

Dennoch: Es gibt immer noch Vorurteile und verunglimpfende Schimpfwörter. Besonders der Ausdruck schwul wird oft in einem negativen Zusammenhang benutzt. Auch auf solche Missstände will «Anyway» aufmerksam machen.

«Wir sind keine Partnerbörse», stellt Heggli klar. Vielmehr ging es darum, dass junge Leute mit verschiedenen sexuellen Präferenzen einen Ort hätten, an dem sie sich austauschen könnten. Heterosexuelle Menschen sind willkommen, allerdings muss ihre Funktion deutlich sein. «Wenn jemand eine gute Freundin begleitet, dann ist das für uns in Ordnung.» Auch bei schulischen oder wissenschaftlichen Arbeiten habe die Gruppe kein Problem. «Aber sonst ist es auch wichtig, dass wir den Jugendlichen einen geschützten Rahmen bieten können», sagt Heggli. Beinahe an jedes Treffen kämen Leute, die das erste Mal mit Gleichgesinnten in Berührung kommen, erzählt er.

Ein Erlebnis, das ihm in Erinnerung bleiben wird, ist die Begegnung mit einem alten Bekannten von der Schule. «Ich war bereits am Gymnasium geoutet, der betreffende Bekannte ging in eine Parallelklasse. Jahre später stand er plötzlich in der Tür des Treffs», erzählt Heggli und fügt an: «Wir mussten beide lachen.»

www.anyway-basel.ch

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