Würde es in der Hamburger Elbphilharmonie aufgeführt, wäre es ausverkauft. Die Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen spielt aber im Musical Theater Basel – und da gibts noch einige freie Plätze. Das ist unfair, würde Trump sagen, sehr unfair. Denn das Drummeli kann sich wieder sehen lassen. Wer Fasnacht liebt, darf es nicht verpassen.

Was ist passiert? Regisseur Laurent Gröflin, eigentlich auf Theaterbühnen daheim, hat letztes Jahr ein Experiment gewagt. Ein neues Drummeli wollte er, radikal. Er ist gescheitert. Buhrufe, vernichtende Kritiken, manche sahen gar das Ende des Drummelis nahen. Das Comité hielt an Gröflin fest, man ging über die Bücher. Das hat sich gelohnt: Die allermeisten Rahmenstücke sind wieder lustig – und: Es gibt wieder eine Balkonszene. Allerdings nicht so, wie man sie von früher kennt.

Waggis-Auftritt ist ein Highlight

Doch widmen wir uns zuerst dem Herzen der Show. Musikalisch gibt es einige Top-Auftritte. Die «Alte Stainlemer» überzeugen nebst ihren Trommelkünsten mit der Idee, das Publikum auslosen zu lassen, was sie spielen sollen. Die «Spale-Clique» legt unter dem Motto «Spale meets Cantina Band» im wahrsten Sinne des Wortes einen Auftritt von einem anderen Stern hin. Auch die Gundeli-Clique erntet mit der Ueli-Hommage kräftigen Applaus, genauso wie die VKB, die «S’Fritzli» nur pfiff (genial!), weil es den Tambouren beim ersten Schlag das Fell zerriss.

Bei den zwei Guggen trumpfen die «Hunne» mit ihrem «Queen Medley» und einer Feuershow auf. Es würde durchaus mehr als zwei Guggen vertragen, doch soweit ist man noch nicht. Dafür hat das Drummeli in einem anderen Bereich ein Tabu gebrochen: Erstmals überhaupt treten auch Wägeler, also Waggisse, an einem Drummeli auf.

Es fängt ganz harmlos mit drei Waggissen auf dem Balkon an. Sie wollen grad loslegen und intrigieren, als eine deutsche Dame sie in die Schranken weist. Sie überprüfe für die Unesco, ob die Basler Fasnacht auch ja politisch korrekt sei, andernfalls hätte sie keine Chance, ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Der grossartige Dialog zwischen den verwirrten Waggissen und der Dame wird jäh unterbrochen, als über 60 Waggisse von der Bühne ins Publikum steigen und tun, was sie immer tun: Räppli werfen, Mimösli verteilen, frech sein – richtig intrigieren halt.

Diese Neuerung kam sehr gut an. Der Tenor: Waggisse und Wägeler gehören zur Fasnacht und damit ans Drummeli.

Düstere Welt und schöne Bilder

Das gilt natürlich auch für Schnitzelbänke. «Anneli und Hansli» ist eine Fusion aus zwei nicht genannten Bänken und tritt exklusiv am Drummeli auf. Drei als Schüler auftretende Schnitzelbänkler, darunter eine Frau, spielen lokale Themen aus. Diese gehen vom verkehrstechnisch gefährlichen Aeschenplatz über die Händeschüttelaffäre und den Lehrplan 21 bis zur Baselbieter Regierungsrätin Monica Gschwind, die Geld für ihren Kanton sammeln muss. Überhaupt ist das arme Baselbiet ein beliebtes Sujet, und auch die Basler Regierung bekommt traditionell ihr Fett weg, wobei mit Hans-Peter Wessels und Baschi Dürr mehr die Bisherigen drankommen als jene, die neu im Amt sind.

Anders als in anderen Jahren räumen die Macher auch der düsteren Weltpolitik viel Raum ein, wie dies laut dem Comité auch an der Fasnacht der Fall sein wird. Doch nicht Trump ist an erster Stelle, sondern mit Brexit-England und der EU im Allgemeinen unser eigener Kontinent. Die «Breo-Clique» etwa legt mit «Dr Puppedanz am Bosporus» dar, wie EU-Vertreter vor dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan kuschen. Gleichzeitig gehen etliche Cliquen nicht auf die düstere Welt ein, sondern sorgen dafür, dass diese für einige Stunden schön ist. Besondern geschmackvoll kommen die «Schnooggekerzli» mit ihrem «Naarebaschody in Blue» daher.

Was die Rahmenstücke angeht: Sie sind lustig, frech, die Schauspieler sind top. Buhrufe werden sie keine mehr über sich ergehen lassen müssen. Dafür gibt es (wieder) zu viele und gute Pointen.