Eigentlich sollte die Ara Steih Ende 2017 fertig saniert sein. Daraus wird aber nichts. Wie Matthias Leuenberger, Präsident von Novartis Schweiz, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz verkündete, sollen die Sanierungsarbeiten noch bis 2021 andauern. Im «Worst-Case-Szenario». Bei der ehemaligen Abwasser-Reinigungsanlage muss der gesamte Boden von giftigen Stoffen befreit werden.

Was war passiert?

Von 1947 bis 1972 produzierte die Firma Ugine-Kuhlmann auf dem Areal der Ara Steih das heute verbotene Insektizid Lindan. Der Boden wurde durch den giftigen Stoff stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem entstanden durch die Produktion grosse Mengen Abfall. 1982 wurde der Betrieb stillgelegt; die Firma verstaatlicht. Daraufhin kaufte die Sandoz das Gelände und errichtete darauf eine Industriekläranlage. Während 30 Jahren säuberte sie die Abwasser diverser chemisch-pharmazeutischer Unternehmen, darunter die Clariant und die Novartis. 2012 wurde der Betrieb eingestellt und ein Sanierungsprojekt gestartet.

Gestank im Kleinbasel

Zum letzten Mal ins Auge der Öffentlichkeit geriet das Projekt 2013. Die Anwohner beschwerten sich über einen unangenehmen Geruch, der während mehrerer Tage durchs Kleinbasel waberte. In der Luft wurde eine hohe Lindan-Konzentration gemessen. Zudem stellten die Behörden an der Rheinüberwachungsstation eine 260-fach überhöhte Konzentration von Lindan-Abfall fest. Die Novartis musste die Sanierungsarbeiten unterbrechen.

Die zuständige Entsorgungsfirma wurde durch eine neue ausgetauscht, die Auflagen für die Bauarbeiten verschärft. «Während des Unterbruchs haben wir viel gelernt. Beispielsweise, dass wir verstärkt kommunizieren müssen, wie es um die Ara Steih steht und was wir gerade machen», so Claude Muller, Projektverantwortlicher.

Seither gehen die Sanierungsarbeiten voran. Doch nur langsam. Zum einen, da der Rhein nicht immer den nötigen Wasserstand hat, um die Abfälle abzutransportieren. Zum anderen, da bei 37 Prozent der Fläche ein tieferer Aushub nötig ist als geplant.

Für die Novartis kein Problem, wie Muller betont: «Natürlich hinken wir im Zeitplan hinterher. Für uns haben unsere Mitarbeiter und die Natur jedoch oberste Priorität.»
Das Gelände der Ara Steih umfasst 55'000 m2. Momentan arbeiten 16 Leute an der Sanierung. Die Bestimmungen sind streng. Die Arbeiter dürfen jeweils nur zwei Stunden in den luftdichten Zelten verbringen. Nach einer halben Stunde Pause können sie wieder reingehen. Und das jeweils nur drei Mal täglich.

Urin- und Bluttests

Zudem werden regelmässig Urin- und Bluttests durchgeführt. «Wir sind sehr um die Gesundheit unserer Mitarbeiter besorgt. In den Schutzanzügen kann die Körpertemperatur nicht abgebaut werden, weshalb es wichtig ist, dass sie nicht zu viel arbeiten», so Andi Truessel, Projektvorsteher. In den Zelten herrscht Unterdruck.

Bis heute haben die Arbeiter 375'000 m2 kontaminierte Erde saniert. Rund 675'000 Tonnen wurden ausgehoben. Die verdreckte Erde wird über den Landweg in Containern und Fässern nach Deutschland gebracht oder auf dem Schiff in die Niederlande oder nach Deutschland transportiert. Dort wird es thermisch behandelt, sodass saubere Erde entsteht, wie Truessel erklärt. Um voranzukommen, werden seit Neustem Zwillingskähne mit einer Gesamtlänge von 180 Metern eingesetzt. Die Transportkapazität auf dem Rhein wurde damit um 38 Prozent vergrössert.

Nach Beendung des Projektes sollen bei der Ara Steih neue Parkplätze und Grünflächen entstehen. Gemeinsam mit der Ara Steih wird auch der Rheinuferweg unterhalb des Novartis Campus saniert. So entsteht ein Rad- und Spazierweg von Basel nach Huningue. Eigentlich sollte dieser bereits 2012 fertiggestellt werden. Wegen der Verzögerungen des Sanierungsprojektes wird der Weg in nächster Zeit jedoch weiterhin nur am Wochenende geöffnet sein.