Basler Muslim Kommission
Arabische Muslime sind im Dachverband noch aussen vor

Der Dachverband der islamischen Organisationen der Region vergrössert seinen Vorstand, kann aber längst nicht alle Kulturen einbinden. Die meisten Mitglieder sind nach wie vor Vertreter von türkischen Vereinen und Moscheen. Arabischen Vereinen mangle es an Personal.

Michael Nittnaus
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Islamische Organisationen der Region mit arabischer Prägung wie der Arrahma-Verein an der Elsässerstrasse in Basel wären zwar im Vorstand des Dachverbands BMK willkommen, doch es fehlt an geeigneten Kandidaten.

Islamische Organisationen der Region mit arabischer Prägung wie der Arrahma-Verein an der Elsässerstrasse in Basel wären zwar im Vorstand des Dachverbands BMK willkommen, doch es fehlt an geeigneten Kandidaten.

© Roland Schmid

Sich hohe Ziele zu setzen, ist löblich. Doch Cem Karatekin, Präsident der Basler Muslim Kommission (BMK), versprach zu viel, als er vor einem Monat in der bz ankündigte: «Wir wollen von jeder Glaubensrichtung innerhalb des Islams einen Vertreter im Vorstand haben.» Karatekin kämpfte mit dieser Aussage gegen die Kritik an, die BMK als Dachverband der islamischen Organisationen beider Basel werde von türkischstämmigen Sunniten dominiert. So suchte etwa die syrische Familie aus Ettingen wegen der Händedruck-Debatte an der Sek Therwil nicht den Rat der BMK, sondern wandte sich an den Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS).

Vergangenen Sonntag vergrösserte die Muslim Kommission an ihrer GV zwar tatsächlich ihren Vorstand von 4 auf stolze 9 Personen. Doch die Liste, die der bz vorliegt, löst auf den ersten Blick Ernüchterung aus. Wieder dominieren Vertreter der türkischen Vereine und Moscheen der Region. Und bei der Glaubensrichtung folgen die meisten der grössten der vier Rechtsschulen des sunnitischen Islams, den Hanafiten.

Ähnliche Strömungen in Basel

Auf Anfrage krebst Serhad Karatekin, der Sohn des BMK-Präsidenten und Verbandssprecher, etwas zurück: «Uns ging es bei der Vorstandsvergrösserung weniger um eine breitere Abstützung unter den islamischen Glaubensrichtungen als der Kulturen und Mitgliederorganisationen.» Dies aus einem einfachen Grund: «Die hiesigen Moscheen vertreten mehrheitlich ähnliche Glaubensströmungen, stammen aber aus verschiedenen Ländern.» Mit Ausnahme der eigenständig organisierten Aleviten seien mittlerweile alle islamischen Vereine der Region in der BMK, 21 an der Zahl.

Karatekin verweist darauf, dass die Vielfalt der Nationalitäten im Vorstand durchaus zugenommen habe: Je ein Vertreter eines pakistanischen, albanischen, kurdischen und bosnischen Vereins hat nun Einsitz. Vergebens sucht man aber die islamischen Vereine mit Wurzeln im arabischen Raum im neu formierten Gremium. Dabei sind etwa die König-Faysal-Stiftung an der Friedensgasse, in der der Vater der Ettinger Brüder predigt, oder der Arrahma-Verein an der Elsässerstrasse in Basel bereits seit langem Mitglieder der BMK. Mit der am Leimgrubenweg beheimateten Islamischen Kulturstiftung Basel wurde vorgestern zudem eine weitere ägyptische Organisation in den Dachverband aufgenommen.

Auch hierfür hat Karatekin eine Erklärung, wenn auch keine schmeichelhafte: «Den arabischen Vereinen mangelt es zurzeit an Personal.» Nur zu gerne würde die BMK etwa jemanden aus dem Arrahma-Verein, der König-Faysal-Stiftung oder der Islamischen Kulturstiftung in den Vorstand wählen. Doch dies sei mangels geeigneter Kandidaten momentan schlicht noch nicht möglich. Auch eine Rolle spielt dabei, dass die BMK im Vorstand einen Generationenwechsel anstrebt und hier aufgewachsene Muslime sucht, die entsprechend gut integriert sind. Teils seien aber die Vereine noch zu wenig breit aufgestellt und hingen stark von einzelnen Personen ab.

Tatsächlich bestätigt der Präsident des Arrahma-Vereins, Fawzy El Saghir, gegenüber der bz diese Einschätzung: «Bei uns ist die politische Ebene noch schwach.» Aus dem arabischen Raum hätte es denn auch gar keine Kandidaten für den BMK-Vorstand gegeben, obwohl man den Dachverband an sich unterstütze. «Wir haben zwar Mitglieder aus der zweiten Generation, aber die sind meist noch in Ausbildung», sagt El Saghir. Immerhin: Laut Karatekin möchte man Vertretern dieser Vereine nun eine der zwölf Fachkommissionen der BMK überlassen – wenn sich denn jemand findet.

Zweite Generation jetzt am Ruder

Karatekins Fazit fällt nüchtern aus: «Der Vorstand entspricht den aktuellen Möglichkeiten.» Und Kritikern hält er entgegen, dass «wir nicht einfach der Vielfalt zuliebe irgendwelche Namen in den Vorstand nehmen, ohne dass diese den Anforderungen an das Amt genügen». Und diese Anforderungen würden stetig steigen. Die BMK nahm denn auch die Erweiterung zum Anlass, den Vorstand einer Frischzellenkur zu unterziehen. So machen mit Cem Karatekin, Ayhan Seker und Mahmut Karabulut gleich der bisherige Präsident, der Vize und der Kassier Platz für die nächste Generation.

«Nun sollen Muslime, die hier aufgewachsen sind, die BMK in die Zukunft führen», sagt Serhad Karatekin. Er selbst dürfte demnächst vom neuen Vorstand zum Vizepräsidenten gewählt werden. Nicht ganz zum jungen Selbstbild des Dachverbands passt da allerdings, dass mit dem Pakistani Sohail Mirza nochmals jemand Präsident wird, der nicht hier geboren ist.