Sie sind verloren in einer fremden Stadt. Weit weg von Freunden, fern der Familie. Umgeben von einer ungewohnten Kultur, mitten unter Menschen, die eine Fremdsprache sprechen. An einem Ort, wo alltägliche Dinge zu einem grossen Rätsel werden. Wie löse ich ein Trambillett, wo kann ich am Sonntag einkaufen? Es ist nicht leicht, ein Expat zu sein.

Gioia Jauslin hat es sich zur Berufung gemacht, ihnen zu helfen. Vor neun Jahren gründete die heute 40-Jährige die Firma Enjoy’a – ein welcome service. Ihre Zielgruppe: Menschen aus fernen Ländern, die in Basel eine Stelle annehmen. Über 36 000 sogenannte Expats arbeiten in den beiden Basel. Meistens sind sie von einem der international tätigen Unternehmen angestellt. Jauslin erhält viele Aufträge von einem Basler Pharmamulti. Führt dessen neuen Mitarbeiter durch Basel, hilft ihnen bei alltäglichen Problemen und sucht für sie passende Wohnungen. «Wir sind ihre ersten Ansprechpartner in einem fremden Land.»

St. Johann beliebt bei Expats

Das Büro von Enjoy’a liegt im St. Johann. «Zufall», sagt Jauslin, doch es passt. Viele Expats wohnen im Quartier. Für die Unternehmerin ist dies nicht erstaunlich: «Die Gegend ist extrem im Aufbruch. Hier gibt es tolle Cafés und Restaurants, man ist nah am Rhein und hat mit dem Bus guten Anschluss an den Flughafen.»

Die 40-Jährige spricht aus eigener Erfahrung. Sie arbeitet nicht nur im St. Johann, sondern wohnt auch selber im Quartier. Die meisten Wünsche ihrer Kunden bezüglich ihrer zukünftigen Wohnung, kann Enjoy’a erfüllen. Doch: «Die Wohnungssuche ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Noch vor wenigen Jahren wäre eine Absage undenkbar gewesen.» Durchschnittlich vermittelt Enjoy’a zehn Wohnungen pro Monat. «Wir fanden noch für jeden eine passende Wohnung.»

Nächstes Jahr feiert Enjoy’a ihr zehnjähriges Bestehen. Trotz den vielen Kunden, die Jauslin bisher betreute, an die erste Kundin kann sie sich noch gut erinnern. «Es war mein Testauftrag für meinen ersten grossen Auftraggeber. Eine Kundin, die schon längere Zeit nach einer eigenen Wohnung suchte. Vergeblich.» Kurze Zeit später: Die Kundin war glückliche Mieterin einer Wohnung, Jauslin eine stolze Auftragnehmerin. Sie hatte den Test bestanden.

Mit ihrer ersten Kundin hat Jauslin noch heute Kontakt. «Sie verliess für einige Jahre Basel, als sie wieder in die Stadt zog, durfte ich ihr erneut bei der Wohnungssuche behilflich sein.» Die Unternehmerin bezeichnet den persönlichen Kontakt, als eine der Stärken von Enjoy’a. «Wir bieten mit unserer Arbeit Hand für eine erfolgreiche Integration», sagt Kurosch Hadinia, einer der zwei Mitarbeiter von Jauslin.

Die Kunden von Enjoy’a kommen aus der ganzen Welt. Kulturelle Gräben vorprogrammiert? Jauslin verneint. Die kulturellen Unterschiede sehe man vor allem bei kleinen Dingen. So ist es für viele unverständlich, warum nicht jede Wohnung eine eigene Waschmaschine habe oder warum die Shoppingcenter am Sonntag geschlossen seien.

«Einige sind auch davon überrascht, wie wenig Menschen es in Basel hat», erzählt Hadinia. «Ein Kunde aus Asien wohnte zwei Jahre in Allschwil, danach musste er weg. Es war ihm zu ruhig, zu einsam. Nun wohnt er im Kleinbasel.» Er hat in der Stadt eine Bleibe gefunden. So wie viele Expats im St. Johann. Vielleicht für immer.