Persönlich

Arbeiten Sie auch gratis für die Migros?

Scannen oder scannen lassen? Eine Frage des Gewissens.

Scannen oder scannen lassen? Eine Frage des Gewissens.

Der Kunde ist längst nicht mehr König – sondern Gratis-Mitarbeiter von Unternehmen.

Diesen Satz sagte mir mein Vater oft: «Das ist nicht ökonomisch.» Er beschrieb meine Faulheit und kritisierte eine Handlung, die nicht der Betriebswirtschaftslehre folgte: die Prämisse des möglichst grossen Ertrags bei möglichst geringem Aufwand. Zeit ist bekanntlich Kapital.

Das bedeutet, wenn ich Kommissionen machen gehe, sollte ich mir die schwäbische Hausfrau zum Vorbild nehmen: Nicht zeitverschwenderisch in der Schlange stehen, sondern sparsam selbst zum Scanner greifen. Das geht natürlich viel schneller.

Auch von den Banken lehrt man sparen. E-Banking macht den Kunden selbstständiger – und die Bank muss nicht monatlich einen Kontoauszug verschicken. Wenn doch, muss er für diese Leistung inzwischen in die Tasche greifen. Dienstleister haben sich längst daran gewöhnt, dass der Kunde ihnen einen Dienst leistet. In der Schalterhalle des Bahnhofs SBB arbeiten Leute vor den Schaltern daran, dass jene hinter den Schaltern bald keine Arbeit mehr haben: Sie weisen Billettkäufer automatisch auf den Automaten um.

«Win-win!», schreien alle, doch den Sechser im Lotto erzielt der Anbieter. Der nämlich freut sich diebisch darüber, dass die Masse ihm den Kostenfaktor Mensch abnimmt und sich selbst zur Gratis-Arbeitsbiene von Migros, Coop, SBB und so weiter macht.

Ich werde mich wieder in die Schlange stellen. Mit meiner Faulheit rette ich dereinst vielleicht sogar noch Jobs. Sorry, Babbe.

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