Basel Stadt

Arbeitslosigkeit in der Krise: 5500 Personen auf Jobsuche – fast 500 mehr als letzten Monat

Arbeitssuchende stehen derzeit einem ausgedünnten Arbeitsmarkt gegenüber.

Arbeitssuchende stehen derzeit einem ausgedünnten Arbeitsmarkt gegenüber.

In Basel-Stadt sind immer mehr Menschen auf der Suche nach einer neuen Stelle oder beantragen Sozialhilfe. Der Anstieg sei auf die Coronakrise zurückzuführen, sagt die Leiterin des AWA.

Bund und Kantone präsentieren derzeit laufend neue Hilfspakete für Personen, die von der Coronakrise wirtschaftlich geschädigt sind. Basel-Stadt war der erste Kanton, der bereits vor dem schweizweiten Lockdown umfangreiche Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen verkündet hat.

Trotzdem waren laut neuesten Zahlen des Amts für Umwelt und Wirtschaft (AWA) in Basel-Stadt Ende März 5495 Stellensuchende registriert. Das sind immerhin 484 mehr als noch Ende Februar. Die aktuellsten Daten zur Arbeitslosigkeit werden erst diese Woche publiziert. Klar sei, dass der Anstieg auf die Coronakrise zurückzuführen ist. «Normalerweise hätten wir in dieser Zeit einen Rückgang zu verzeichnen», sagt Nicole Hostettler, Geschäftsleiterin des AWA.

«Nicht jede Kündigung kann verhindert werden»

Viele der registrierten Stellensuchenden kämen aus der Gastronomie, wie Hostettler feststellte. «Die Gastronomie ist generell eine Branche mit hoher Fluktuation. Aktuell ist es aber sicher schwieriger, eine neue Stelle zu finden.»

Ein Blick in das offizielle Jobportal der Arbeitslosenversicherung job-room.ch zeigt im Bereich Gastronomie derzeit acht offene Stellen im Kanton. Davon sind einige in einem Spitalbetrieb, andere noch vor Coronazeiten datiert. Unter dem Stichwort Pflegefachperson finden sich immerhin 27 Einträge für Basel-Stadt. «Das Ziel der kantonalen Unterstützungsmassnahmen ist es, Kündigungen zu verhindern», sagt Hostettler. «Leider wird dies nicht in jedem Fall gelingen.» Aktuell sei die Zahl der Stellensuchenden jedoch noch nicht dramatisch. «Alles hängt davon ab, wie es am 19. April weitergeht. Momentan haben wir nicht die Befürchtung, dass die Situation zu Langzeitarbeitslosigkeit führen wird.» Wer Geld von der Arbeitslosenversicherung bekommt, muss weiterhin Bewerbungen schreiben und diese auf dem Nachweis «persönliche Arbeitsbemühungen» vermerken. Anders handhabt es die Sozialhilfe Basel-Stadt. «Wir verzichten derzeit auf diesen Nachweis», sagt der Leiter der Sozialhilfe, Rudolf Illes. Schliesslich sei es schwierig, unter den aktuellen Umständen eine geeignete Stelle zu finden.

Auch die Arbeitsintegrationsmassnahmen wurden pausiert, der Zuschlag für die Integrationsbemühungen werde jedoch weiterhin ausbezahlt. Momentan bündle man die Ressourcen für die Bearbeitung von neuen Gesuchen. «Normalerweise haben wir maximal 150 Neuaufnahmen pro Monat», sagt Illes. «In den Tagen nach dem Lockdown erhielten wir teilweise bis zu 20 Gesuche an einem Tag.»

Ein grosser Teil davon sei von Selbständigerwerbenden gekommen, andere von Personen, die temporär oder im Stundenlohn angestellt waren und von der Hand in den Mund lebten. «Viele Menschen greifen derzeit auf die Sozialhilfe als Überbrückung zurück», vermutet Illes. Sobald die Unterstützungsmassnahmen für Selbstständigerwerbende von Bund und Kanton greifen, gehe er davon aus, dass sich die Situation zumindest für diese Personen beruhigen werde.

Auch landesweit steigt die Zahl der Arbeitssuchenden. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) haben sich in der Schweiz innerhalb von nur zwei Wochen 26'000 Personen arbeitslos gemeldet.

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