Flussschifffahrt
Arbeitstage mit 16 Stunden sind keine Ausnahme

Die Arbeit auf Flussschiffen ist hart, die Löhne sind teilweise sehr tief und die Arbeitszeit alles andere als kurz. Die Gewerkschaft Nautilus fordert nun via Politik in Bern bessere Arbeitsbedingungen für Schiffsbesatzungen.

Stefan Schuppli
Drucken
Teilen

sts

Seit Jahren boomt das Geschäft mit Flusskreuzfahrten auf dem Rhein, Mosel oder der Donau, der Branchenverband IG River Cruises spricht von einer «Goldgräberstimmung.» Allein 2015 wurden rund 30 neue Flusskreuzfahrtschiffe erstellt, drei Viertel davon fahren unter Schweizer Flagge, die ohnehin für viele Anbieter von Flusskreuzfahrten sehr beliebt ist.

Einige dieser Anbieter arbeiten seriös und fair, doch in der Regel herrschen in dieser Branche sehr problematische Arbeitsbedingungen, sagte gestern Holger Schatz von der Gewerkschaft Nautilus am Rheinufer im St. Johann, wo gerade ein Fluss-Passagierschiff vor Anker lag. Die Löhne stagnieren seit Jahren auf äusserst tiefem Niveau und insbesondere die Arbeitszeiten sind gerade für die zahlenmässig grösste Beschäftigungsgruppe besonders hart. Hier sind Arbeitstage von 14 bis 16 Stunden eher die Regel als die Ausnahme. Während für das nautische Personal verschiedene verbindliche Verordnungen mit klaren Mindestruhezeiten existieren, sind die Hotelbediensteten, gerade auf Schweizer Hotelschiffen «im Grunde völlig ungeschützt», sagt Gewerkschaftssekretär Schatz. Das Schweizer Arbeitsgesetz mit seiner Höchstarbeitszeit von 50 Stunden wird nicht auf diese Gruppe angewendet.

Monatslöhne von 1500 Euro

Die Löhne seien zum Teil extrem tief. Die Firma Viking stellte im vergangenen Jahr in der Schweiz beispielsweise auf Eurolöhne um – zu einem sehr unvorteilhaften Zeitpunkt. So sanken die eh schon tiefen Löhne auf 1500 Euro.

Die Gewerkschaft will die Schweizer Behörden zu einer Korrektur bewegen. Nach jahrelangem Einsatz der europäischen Gewerkschaften ist ein EU-Arbeitszeitabkommen für die Binnenschifffahrt durch die EU-Kommission erlassen worden, das Ende 2016 in Kraft treten wird. In der Schweiz werde es nun darum gehen, einen autonomen Nachvollzug dieses Abkommens durchzusetzen, sodass im Durchschnitt nur noch 48 Stunden pro Woche gearbeitet werden darf. Die Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die Arbeitszeit überhaupt erfasst wird und Verstösse auch geahndet würden. Auf der politischen Ebene hat die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer einen Vorstoss lanciert: Die Schweiz soll dieses EU-Abkommen übernehmen.

Gewerkschafter Nick Bramley sagte, es sei kaum möglich zu eruieren, aus welchen Ländern die Angestellten kämen. Sie würden in allen Herren Länder angestellt, zum Teil bei Subunternehmen. Auf Schweizer Schiffen dürften etwa 3000 bis 4000 Angestellte arbeiten. Schatz ist es klar, dass die oft aus Osteuropa stammenden Angestellten möglichst viel arbeiten – was sollen sie denn anders tun, wenn sie unterwegs sind. Aber es sei auch wichtig, dass den Mitarbeitenden Möglichkeiten zur Kompensation gegeben würden.

Sukkurs von einem Unternehmer

Überraschend stand gestern auch der Reeder Willem B. de Zeeuw an der Seite der Gewerkschaften. Er betonte, dass die komplexen arbeitsrechtlichen Herausforderungen nur gemeinsam mit den Gewerkschaften gelöst werden könnten. Und er habe diesbezüglich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Die DZ Reederei Management Basel betreibt fünf Hotelschiffe auf dem Rhein.

Aktuelle Nachrichten