Die smaragdgrün schimmernde Glasfassade des Peter-Merian-Hauses ist mehr als eine Gebäudehülle. Gestaltet wurde sie vom amerikanischen Minimal-Art-Künstler Donald Judd. Es ist eine Art Willkommensschild bei der Einfahrt in den Basler Bahnhof. Mit dem 1999 eingeweihten Gebäude wollte der Basler Architekt Hans Zwimpfer dem Schlagwort «Kunst am Bau» zu einer Renaissance verhelfen. Werbung an der Fassade ist deshalb nur eingeschränkt möglich. So zumindest haben es der Architekt und die Stadtbildkommission vorgesehen.

Das beim Bau genehmigte Reklamekonzept sieht vor, dass pro Haus ein Firmenname erlaubt ist: auf der Südseite zu den Gleisen jeweils am obersten Stockwerk und auf der Nordseite zur Nauenstrasse am untersten Stockwerk.

Die Immobilienfirma Privera, welche die Stockwerkeigentümer vertritt, will das Reklamekonzept nun ändern. Sie beantragt die Erlaubnis für zusätzliche Reklamen: Auf der Nord- und Südfassade möchte sie an jedem Haus pro Stockwerk einen Firmennamen anbringen. An den beiden Stirnfassaden will sie neu zudem ebenfalls werben; unter anderem für die Schweizerische Post, die zur Bauherrschaft des Gebäudes gehörte.

Architekt Zwimpfer erfährt es vom «Sonntag»

Er ist ausser sich: «Das ist eine Schweinerei. Ich werde auf jeden Fall eine Einsprache einreichen.» Obwohl die Schriften relativ dezent geplant sind, spricht er von einem Reklame-Tempel. Das mache die subtile Fassadengestaltung des weltbekannten Künstlers Judd kaputt. «Die Immobilienfirma meint wahrscheinlich, dass sie so die leerstehenden Büros besser vermieten kann. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Das Gebäude wird dadurch billig gemacht.»

In seiner Einsprache werde er sich unter anderem auf sein Urheberrecht als Architekt berufen, kündet Zwimpfer an. Dieses besagt grundsätzlich, dass ein Gebäude nicht entstellt werden darf. Zwimpfer rechnet sich gute Chancen aus, da die Anzahl Schriften schon bei der Erstellung des Reklamekonzepts mit der Stadtbildkommission ein umstrittenes Thema gewesen sei.

Kein Verständnis für die Kritik  hat die Immobilienbewirtschafterin Privera

«Inwieweit das Beschriftungskonzept den Ideen des Architekten widersprechen soll, ist für uns nicht ersichtlich», sagt Privera-Vertreter Patrick Gutmann. Geplant seien einheitliche Grundlagen, damit sich neu alle Mieter bei Bedarf anschreiben könnten.

Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist schwierig abzuschätzen. Der Rechtsabteilung des Basler Baudepartements ist kein vergleichbarer Fall bekannt, bei dem sich ein Architekt gegen Werbung an seinem Bauwerk wehrte.