Stars in der Manege
Ariella Kaeslin: «Zirkus ist eine tolle Sache, aber ich bin kein Showtalent»

Die ehemalige Profi-Turnerin Ariella Kaeslin ist Jurymitglied beim internationalen Zirkusfestival «Young Stage». Sie wird besonders auf die Technik achten, die angewendet werden. «Ich bin kein Showtalent», sagt sie.

Muriel Mercier
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Ariella Kaeslin bewertet die Künstler nach deren Technik.

Ariella Kaeslin bewertet die Künstler nach deren Technik.

Keystone

In einer Woche heisst es wieder «Stars in der Manege» auf der Basler Rosentalanlage. Am internationalen Zirkusfestival Young Stage haben junge Profi-Künstler aus der Artistik- und Showszene die Chance, sich in der Zirkuswelt einen Namen zu machen. 30 Artisten aus 10 Ländern – darunter vier Schweizer Künstler – zeigen insgesamt 15 Programme.

Zudem setzen sich die Teilnehmer einer prominenten Fachjury aus, die die Leistungen bewertet. Die ehemalige Schweizer Kunstturnerin Ariella Kaeslin ist eine davon. Die 26-jährige Luzernerin hat an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an den Olympischen Spielen 2008 teilgenommen.

Frau Kaeslin, Sie waren bis 2011 Profi-Kunstturnerin. Bei Young Stage bewerten Sie nun Zirkuskünstler. Haben Sie Instruktionen erhalten, worauf Sie als Jurymitglied ein spezielles Augenmerk werfen sollen?

Ariella Kaeslin: Nein. Ich werde bei der Bewertung auf die Technik, die die Künstler anwenden, achten. Ich habe 20 Jahre professionell Kunstturnen betrieben. Ich weiss, worauf die Jury bei einem Wettkampf Wert legt. Technik, Ausstrahlung und Eleganz.

Besteht ein Unterschied zwischen dem Sport des Kunstturnens und der Akrobatik?

Im Turnen wird man knallhart nach strengen Regeln bewertet. Es gibt Übungen, die mir und auch den Zuschauern besser gefallen als andere. Man muss sie aber unbedingt zeigen. Im Zirkus geht es nicht nur um die Figuren, da müssen noch ganz andere Faktoren stimmen. Der Funken muss sofort aufs Publikum springen.

Sie haben sich aus dem Profi-Sport zurückgezogen. Wäre Zirkus nun eine Alternative, um weiterhin Ihrem Sport treu zu sein?

Nein, nicht unbedingt. Ich kann dem Zirkus nichts Schlechtes abgewinnen. Zirkus ist eine tolle Sache. Aber ich bin kein Showtalent. Das Publikum minutenlang zu unterhalten, ist nicht so mein Ding.

Haben Sie denn mal Zirkusluft geschnuppert?

Ja. Ich war einmal sechs Wochen lang mit einer Freundin unterwegs, die bei Cirque du Soleil engagiert ist. Es war spannend. Aber man darf nicht unterschätzen: Man zeigt seine Show jeden Tag, man muss die Erwartungen des Publikums erfüllen, man reist die ganze Zeit. Als Profi-Turnerin trainiert man intensiv auf ein Turnier hin. Und das auch jeden Tag, aber es ist nicht dasselbe. Nicht fair ist, dass Artisten in der Schweiz nicht angesehen sind im Gegensatz zu anderen Ländern. In Kanada sind Artisten Helden.

Haben Sie Angebote bekommen von Zirkussen oder sonstigen Veranstaltern, nachdem Sie sich 2011 aus dem Profi-Sport zurückgezogen hatten?

Ja, Cirque du Soleil hat mich angefragt. Aber eben: Ich wusste, was es für Energie braucht, um auf Tour zu gehen. Ich möchte jetzt zurückschrauben, Neues entdecken und in die Schule gehen.