Zwei Pferde ziehen eine Kutsche vom Bahnhof her in Richtung Basler Innenstadt. Es ist kurz nach 12 Uhr, der zweite und letzte Cortège steht an. Es ist eine von zwanzig Chaisen, die da vorbeifährt. Sie passiert eine Standaktion, an der ein Dutzend Tierschützer ein Verbot von Pferden an der Fasnacht fordern. «Für eine Basler Fasnacht ohne Tierleid» steht auf ihren Transparenten. Der Kutscher beachtet die Demonstranten nicht.

Anders sieht es bei jenen Leuten aus, die zu Fuss vom Bahnhof her Richtung Innenstadt spazieren. Ihre Reaktionen auf die Tierschützer fallen unterschiedlich aus. «Verdammte Arschlöcher!», flucht einer – und die Gruppe, mit der er unterwegs ist, pflichtet ihm bei.

Andere, im Kostüm oder in Zivil, bleiben stehen und unterschreiben die Petition für ein Chaisen-Verbot. Ihr Tenor: «Weiter so!» Bereits 3000 Leute haben unterschrieben, seit die Gruppe um den Basler Polizisten Olivier Bieli die Aktion nach der Fasnacht 2017 gestartet hat. Sein Ziel: «Wir wollen 10'000 Unterschriften zusammenbekommen.» Er werde so lange kämpfen, bis keine Pferde mehr an der Fasnacht zugelassen werden. «Die Tiere leiden zu sehr. Eine Veranstaltung wie die Fasnacht bedeutet extremen Stress für sie», sagt er. 

Video von schäumendem Pferd 

Am Montagscortège war Bieli, der sonst selber Fasnacht macht, mit der Kamera im Einsatz. Er filmte verschiedene Chaisen-Szenen. Unter anderem eine, bei der ein Pferd am Steinenberg den Kopf rauf und runter schwenkt und schäumt. In manchen Situationen könne Schäumen eine positive Ursache haben, sagt Bieli. «Aber sicher nicht in diesem Lärm und Getümmel.»

Tierschützer haben am Montagscortège ein schäumendes Chaisen-Pferd gefilmt.

Tierschützer haben am Montagscortège ein schäumendes Chaisen-Pferd gefilmt.

Weiter habe er Pferde gefilmt, die sediert gewesen seien. «Beweisen kann ich es nicht, dafür müsste man einen Bluttest machen, das Verhalten war aber ziemlich eindeutig», sagt er. Sedierte Pferde reagierten auf Stress paradox, also doppelt so heftig wie Pferde, die nicht unter Medikamenten stünden. Das sei gefährlich – für Mensch und Tier.

Derweil ziehen das Fasnachts-Comité und das Veterinäramt ihre Aktion am Riehenring weiter. Dort werden Chaisen-Pferde von einer Tierärztin in einem Schnellcheck auf ihren Zustand getestet. Bis auf ein «unangenehmes Rencontre», wie es Kantonstierarzt Michel Laszlo formuliert, dürfe «hinsichtlich der Kooperation der übrigen Chaisen wie auch hinsichtlich der Kontrollergebnisse bisher eine durchwegs zufriedenstellende Bilanz gezogen werden».

Eskorte für Tierärztin

Am neu eingeführten Checkpoint sind nebst dem Kantonstierarzt und einer Tierärztin zwei Polizisten im Einsatz. «Es ist grundsätzlich Sinn eines Notfalldienstes, dass die Tierärztin bei einem medizinischen Notfall entlang des Cortège schnellstmöglich zum Ort des Geschehens eskortiert und dort unterstützt wird», sagt Laszlo dazu. Tierärzte gehörten leider nicht zu den Blaulichtorganisationen und benötigen deshalb die entsprechende Unterstützung. 

Die Polizei selber hält sich bedeckt: «Aus polizeitaktischen Gründen können wir keine detaillierten Auskünfte zu den Einsatzdispositiven geben», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Nur soviel: «Aus Sicht der Blaulichtorganisationen verlief die Fasnacht bis zum jetzigen Zeitpunkt erfreulich ruhig – das schliesst die Thematik um die Chaisen mit ein.»

Kontakt mit Chaisen verboten

Die Tierschützer selber wollen ihr Ziel ebenfalls auf friedlichem Wege erreichen. Darum versteht Olivier Bieli nicht, weshalb er die Standaktion nicht am gewünschten Ort ausführen durfte. Ursprünglich wollten die Tierschützer dort stehen, wo sich die Chaisen am Mittwochabend zu einem Umtrunk treffen. Doch der Blumenrain sei eine Hauptverkehrsachse, hiess es, weshalb das zuständige Sicherheitsdepartement die Aktion nur in der Elisabethenanlage bewilligte. 

Frustriert ist Bieli deshalb nicht: «Wir sind auch hier sichtbar – und die Leute, die unsere Aktionen nur aus dem Internet kennen, haben die Möglichkeit, mit uns zu sprechen.» Nur so sei es möglich, für das Thema zu sensibilisieren. Bielis Wunsch: «Basel soll mit gutem Beispiel voran gehen.»

Das Fasnachts-Comité hält an den Chaisen fest. «Die tierärztlichen Kontrollen vom Montag ergaben ein positives Bild», sagt Comité-Obmann Christoph Bürgin.