Die Motorradszene ist gemeinhin für einiges bekannt. Da wären die heissen Öfen, auf denen die Fahrer über den Asphalt brettern. Die freiheitsliebende Einstellung der Mitglieder, für welche es nichts Schöneres gibt, als an einem sonnigen Tag eine Ausfahrt zu machen. Das äussere Erscheinungsbild der Biker, die man an ihren Kleidern, Tätowierungen und Bärten schon auf den ersten Blick erkennt.

Dass in der Szene aber auch ungeheure kreative Energie vorhanden ist, wird häufig nicht zur Kenntnis genommen. Genau hier setzen die Organisatoren von Art and Wheels an, das am Samstag für einen grossen Menschenauflauf sorgte. «Wir wollten keinen Bikertreff veranstalten, sondern eine Kunstausstellung durchführen», erklärt Lukas Renner in der Galerie M54 an der Mörsbergerstrasse.

Der 28-Jährige aus Basel ist einer von drei Köpfen hinter dem Projekt, dessen Planung vor eineinhalb Jahren ihren Anfang nahm. Als begeistertem Töfffahrer sei ihm und seinen beiden Mitstreitern schon lange bewusst gewesen, dass es in der Motorradwelt von einfallsreichen Menschen wimmelt. «Wir mussten jedoch feststellen, dass eine Ausstellung, welche die künstlerischen Aspekte ins Zentrum stellt, in der Schweiz noch nicht existiert», erinnert er sich. Deshalb begannen sie mit der Planung, traten mit Kunstschaffenden in Kontakt und suchten nach Sponsoren.

Aus Kalifornien eingeflogen

Ein Rundgang durch die Galerie im Kleinbasel zeigt, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben. Den Veranstaltern ist es gelungen, Motorradbauer und Künstler aus der ganzen Welt ans Rheinknie zu holen. Einer davon ist Ettore Callegaro aus Italien, der an die Wünsche des Kunden angepasste Motorradhelme gestaltet. Wie einige andere Aussteller kann er von seiner Tätigkeit nicht leben, was ihn jedoch nicht davon abhält, sie mit viel Leidenschaft auszuüben. «Geld ist nicht so wichtig», stellt er fest. Für einen kleinen Zustupf in sein Portemonnaie reichen die Einnahmen aber allemal.

Eine weit längere Anreise als der Norditaliener hat Scott Jones aus den Vereinigten Staaten hinter sich. Im kalifornischen Santa Ana stellt er sogenannte Custom Bikes her, bei denen es sich um massgefertigte Motorräder handelt. Der professionelle Töffbauer ist immer wieder Gast an ähnlichen Veranstaltungen rund um den Erdball. Bei seinem ersten Besuch in der Schweiz habe er bisher nur positive Erfahrungen gemacht, sagt er.

Was unter anderem daran liegt, dass er eingeladen wurde. «Die Kosten für die Flüge der amerikanischen Gäste konnten wir dank unseren grosszügigen Gönnern übernehmen», freut sich Lukas Renner. Finanziell unterstützt wurden die Organisatoren von verschiedenen Motorradfirmen und Kleiderherstellern. Ohne die Sponsorengelder wäre an eine Durchführung nicht zu denken gewesen.

Insgesamt 1200 Besucher

Unter den Ausstellern finden sich auch mehrere einheimische Kunstschaffende. Danny Schneider, der sich vor einem Jahr selbstständig gemacht hat und ausschliesslich Motorräder älteren Jahrgangs nachbaut und repariert, findet für die Veranstaltung nur lobende Worte. Solche Ausstellungen seien hervorragend geeignet, um die in der Schweiz immer grösser werdende Custom-Bike-Szene zu vereinen, meint der gebürtige Baselbieter.

Die total 1200 Besucherinnen und Besucher der Jungfernausgabe machten klar, dass ein Bedürfnis danach zweifellos besteht. Es ist daher gut möglich, dass Art and Wheels einen festen Platz in der regionalen Kulturlandschaft einnehmen wird.