Es gibt Dinge, die verkaufen sich in einem Quartier-Brocki im Unteren Kleinbasel ziemlich schlecht. Kunstbücher zum Beispiel. Oder antike Bilder. Ausser dann, wenn Tausende Kunstinteressierte die Stadt bevölkern, weil Art ist. «Wir haben eine Bananenkiste, in die packen wir das ganze Jahr über Objekte, die wir dann während der Art Basel prominent platzieren», verrät Sonia Bassi vom Heilsarmee-Brockino am Erasmusplatz. Man spüre deutlich, dass während der Kunstmesse mehr Kunstinteressierte im Brocki vorbeischauen. «Aber die Preise erhöhen wir deshalb nicht, anders als die Hotels», fügt ihre Chefin Chris Zeller an.

Die internationale Kundschaft interessiere sich jedoch nicht nur für Bilder und Kunstbücher, sondern auch für allerlei andere, typische Brockenhaus-Objekte wie Designer-Lampen, sagt sie. «Ein französisches Kunsthändler-Ehepaar kommt jedes Jahr vorbei und verlässt das Brocki meist mit einem ganzen Koffer voller kleiner Schätze», sagt Zeller.

Ein Hauch von Picasso

Der alte Brocki-Traum, irgendwo in einem Stapel alter Bilder einen Picasso zu entdecken und davon reich zu werden, wird vermutlich für immer ein Traum bleiben. Doch ein bisschen Picasso hat das Brockino für die diesjährigen Art-Fans tatsächlich parat: Ein Abzug von einem Bild, das von einer Künstlerin unterschrieben worden ist, die zumindest mit Picasso befreundet gewesen sein soll. «Wenn wir mit einem solchen Objekt ein paar hundert Franken verdienen können, dann freuen wir uns, auch wenn es in einer Galerie oder auf einer Auktion für ein Vielfaches verkauft werden könnte», sagt Zeller.

Deutlich mehr kunstaffine Besucher als sonst hat auch das «Irma & Fred Brocki». Auch, weil es ganz Nahe am Messegelände ist, wie Martin Becker sagt. «Die Art-Besucher kommen vor allem zum Stöbern vorbei und kaufen Kleinigkeiten, die sie möglicherweise für Kunstinstallationen brauchen können», sagt er. Er erzählt von einem Bild eines italienischen Künstlers, dessen Wert schwer zu schätzen gewesen sei und das sie deshalb für 2500 Franken in den Laden gestellt hätten – allerdings ohne es zu verkaufen. «Danach haben wir das Stillleben, das einen unscheinbaren Blumentopf zeigt, auf eine Auktion gegeben und 12'000 Franken rausgeholt.»

Das Hiob-Brockenhaus an der Klybeckstrasse kann sich ebenfalls jährlich über Gäste der Art Basel freuen, wie eine Mitarbeiterin erzählt. «Wir haben in dieser Woche jeweils sehr viele kunstinteressierte Kunden, vor allem aus Asien. Am meisten interessieren sie sich für antike Kuckucksuhren», sagt sie.

Aber auch Bilder würden sich merklich besser verkaufen. «Wir haben natürlich eigene Experten, die die Preise von antiken Bildern schätzen, sodass ein Bild auch mal mit 1000 Franken angeschrieben wird, was sicherlich viel ist für ein Brocki. Aber natürlich gibt es auch immer wieder Schnäppchen, deren Wert auch unsere Experten nicht erkennen», sagt sie.

Der Mann mit den Damenschuhen

Ein wenig «ab vom Schuss» ist das Brocki auf dem Wolf, wie Geschäftsführerin Sabine Reusser sagt. «Es kommen schon einige Leute von der Art, aber diese kaufen nicht zwingend Bilder oder Kunst, sondern suchen gezielt nach anderen, spannenden Objekten.» Ob diese zu Kunstwerken weiterverarbeitet würden, das wisse sie nicht.

«Wir haben jedoch viele Künstler, die an der nahegelegenen Hochschule für Gestaltung studieren und von denen wir wissen, dass sie sich bei uns mit alten Leinwänden oder anderen Dingen eindecken, die sie zu Kunstwerken weiterverarbeiten.» Häufig würden die Kunden von sich aus erzählen, für was sie gewisse Objekte brauchen oder welche Erinnerungen sie damit verbinden. Es gebe allerdings auch Kunden, bei denen wolle sie das gar nicht so genau wissen. Zum Beispiel bei jenem Herren, der jede Woche vorbeikomme und immer nur etwas kaufe: Damenschuhe.