Keine Professuren für Frauen: Die theologische Fakultät der Universität Basel kämpft mit Vorwürfen aus den eigenen Reihen.

Wie die bz erfahren hat, sorgt die Berufungskommission mit ihrer Auswahl an Bewerbern in der Suche nach einer Nachfolge für den abtretenden Professor Ekkehard Stegemann für Missmut unter Fakultätsmitgliedern.

Obwohl sich unter den 37 Bewerbern auch zehn Frauen befinden, wurden nur zwei in die engere Auswahl genommen. Das, obwohl sich die Universität in ihrem Leitbild explizit für die Förderung von Frauen einsetzt: «Bei gleicher Qualifikation werden Frauen vorrangig berücksichtigt», heisst es dort.

«Die Liste war schlicht skandalös»

Mit dem Verfahren unzufrieden ist unter anderem Kirchratspräsident Lukas Kundert. «Der Verlauf des Verfahrens, so wie ich ihn mitbekommen habe, hat mich skandalisiert. Es ist ganz offensichtlich, dass hier einiges falsch gelaufen ist.»

Als Mitglied der theologischen Fakultät hatte er Einsicht in die Vorgänge, die sich im Bewerbungsverfahren abspielten und erhielt die Gelegenheit, die Liste der Personen, die zu Probevorträgen eingeladen wurden, zu beurteilen.

«Die Liste war schlicht skandalös. Nichthabilitierte Frauen ohne Chance wurden in die engere Auswahl genommen, eine davon war die Schülerin eines in der Berufungskommission sitzenden Professors», erzählt er.

Des Weiteren stellt er fest, dass sich in der engeren Auswahl kaum Schweizer finden. Er vermutet, dass die Verantwortlichen mit ihrer Auswahl die Weiterführung der Schule des abtretenden Professors Stegemann verhindern wollen, die für ihre kritische Perspektive auf die antijüdisch geprägte lutherische Theologie bekannt ist.

«Das lässt Fragen aufkommen»

Martin Wallraff, Dekan der theologischen Fakultät, bestreitet den Vorwurf, gezielt Frauen aus dem Verfahren ausgeschlossen zu haben. «Wir wollen darauf achten, dass wir bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugen», erklärt er gemäss dem Uni-Reglement, betont aber, dass diese Regel ziemlich weit auszulegen sei.

Dass die neun Professuren an der theologischen Fakultät zurzeit ausschliesslich von Männern besetzt sind, sieht Wallraff nicht als Problem: «Das ist keine Frage der Korrektheit.»

Es sei gewiss «politisch unerfreulich», aber: «Die heutigen Professoren haben vor zwanzig Jahren ihr Studium begonnen. Damals war der Frauenanteil noch erheblich geringer.» Warum die zehn Bewerberinnen nicht über die Qualifikation ihrer männlichen Mitstreiter verfügen, bleibt allerdings unklar.

Auf Unverständnis stösst das Verfahren auch bei einer der Bewerberinnen, die ihren Namen nicht bekannt geben möchte. «Die Bewerbungskriterien waren relativ weit gefasst mit einer klaren Fokussierung auf eine Besetzung durch eine Frau», erzählt sie. «Das lässt Fragen aufkommen.»

Kundert hat mittlerweile den Rektor kontaktiert. Am Montag in einer Woche wird es voraussichtlich zu einem Gespräch zwischen dem Rektorat, der Berufungskommission und Kundert kommen. «Ich hoffe, dass das Verfahren nochmals von Anfang an aufgerollt werden kann.»