Baselworld
Asiaten essen lieber gewöhnliche Bratwurst anstatt teuren Kaviar

Luxus pur, wenn sich die High Society an der Baselworld trifft. Doch der kulinarische Trend geht in diesem Jahr in eine komplett neue Richtung: Die Messe-Besucher wünschen keine exquisite Küche mehr. Sie bevorzugen bodenständige Schweizer Menüs.

Muriel Mercier
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Rund 400 Aussteller und Messe-Besucher kommen jeden Tag ins Zelt von Fossil und lassen sich dort verwöhnen
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Kulinarische Höhenflüge sind an der Baselworld nicht mehr so gefragt
Die Käfer Schweiz AG sorgt jeden Tag für die Verköstigung. Kaviar ist nicht mehr gefragt...
... lieber Reis mit Curry-Sauce oder Schnitzel.

Rund 400 Aussteller und Messe-Besucher kommen jeden Tag ins Zelt von Fossil und lassen sich dort verwöhnen

Kenneth Nars

In den Messehallen wird mit Milliarden gehandelt. Neben dem Wettrennen um die teuerste Uhr geben die Damen und Herren Aussteller und Kunden an der Baselworld auch in Sachen Mode alles. Wer trägt das schickste Deux-Pièce, wer die heissesten Highheels, wem sitzt der Armani-Anzug am Besten. Die Verpflegung zwischen den Verhandlungen ist für die zum Teil millionenschweren Geschäftsleute aber genauso wichtig. Kaviar, Hummer und Austern sind die typischen Häppchen in diesem gesellschaftlichen Umfeld.

Doch weit gefehlt: Dieses Jahr geht der kulinarische Trend an der Baselworld in Richtung bodenständige Küche. Das Interesse an eben Hummer und Kaviar geht zurück, sagt Michael Schinharl vom Unternehmen Käfer Schweiz AG, dem offiziellen Caterer der Uhren- und Schmuckmesse: «Die Leute bestellen vor allem Bratwürste, Schnitzel oder Spargeln.» Natürlich wünschen Aussteller vereinzelt mal Kaviar - «aber nur zu exklusiven Veranstaltungen.»

Essen in höchstens 20 Minuten

Jeden Tag wird für die Messe-Besucher und -Aussteller eine Unmenge an Menüs serviert. Die Käfer Stube - das Restaurant, das sich unter der City Lounge befindet -, hat 650 Tische aufgestellt, die durchgehend besetzt sind. Aber: Die Kulinarik stehe bei den Baselworld-Gästen nicht im Vordergrund im Vergleich zur Kunstmesse Art, erklärt Schinharl. Am wichtigsten sei, dass das Essen schnell serviert werde. «Unsere Gäste haben im Schnitt 20 Minuten Zeit zum Essen», erklärt Schinharl. Eine Herausforderung für das Personal, denn die Menüs sollen innerhalb von vier bis fünf Minuten auf dem Tisch stehen - natürlich frisch zubereitet.

Bei der hohen Frequenz an Gästen im Restaurant werden dementsprechend grosse Mengen an Esswaren eingekauft. 30'000 Bratwürste und rund 400 Schnitzel gehen jeden Tag über die Tische. Vor allem die Asiaten fahren auf die Würste ab, weiss der Direktor der Käfer Stube, die jetzt nur während der Baselworld und der Art, ab dem 2. September aber dauerhaft öffnet.

Gipfeli und Birchermüsli zum Frühstück

Der Trend zum Bodenständigen beobachtet auch Michaela Gruber von der Fossil Group. Von ihr stellt an der Uhren- und Schmuckmesse die Marke Burberry aus. Fossil selber hat während der Messe an ihrem Strandort an der Horburgstrasse ein Essens-Zelt aufgebaut. Schweizer Küche sei auch bei ihnen die beliebteste. Zudem laufen Gipfeli und Birchermüsli zum Frühstück. Die Gäste aus aller Welt - unter anderem aus den USA, Saudi-Arabien und Asien - stehen auch auf belegte Silserli.

Doch nicht nur die Caterer der Baselworld machen seit einer Woche ein gutes Geschäft. Das Restaurant Fischerstube an der Rheingasse bekommt die Messe der Luxus-Uhren an der Internationalität ihrer Gäste zu spüren. Die Karte wurde dem Anlass nicht angepasst. Muss sie auch nicht, denn die Brauerei-Gäste bestellen Frikadellen, Weisswürste, Fleischkäse und Rösti. «Auf unserer Karte steht ‹Swiss Meat Loaf› (Fleischkäse)», sagt Wirtin Sylvia Murri. «Vor allem die Asiaten wünschen sich explizit Schweizer Küche.»

Die Fischerstube kann jedes Jahr auf Stammgäste zählen. Sie kommen aus Indonesien und Japan. Jede Nationalität hat eigene Verhaltensmuster. «Die Japaner essen stundenlang und von der Platte», führt Murri aus. «Man darf keinen Teller wegnehmen, solange etwas auf der Platte ist.» Auch kommen immer mal wieder Aussteller in Gruppen vorbei. Dann sitzen Engländer neben Italienern und Amerikanern am selben Tisch.