Trockenheit

Ast stürzt auf fahrendes Auto: Basler Behörden rechnen mit weiteren Vorfällen

(Bild: Wilhelm Klein-Anlage)

Wegen dem Hitzesommer 2018 sind viele Bäume vertrocknet.

(Bild: Wilhelm Klein-Anlage)

Ein Ast einer unter der Trockenheit leidenden Kastanie ist in Basel auf ein fahrendes Auto gestürzt. Die Lenkerin kam mit dem Schrecken davon – ihr Wagen war nicht mehr fahrtüchtig. Behörden rechnen mit weiteren Ast-Abbrüchen.

Der ungewöhnliche Unfall, den das «Regionaljournal» von Radio SRF am Montag publik machte, geschah am Freitagabend um etwa 21 Uhr auf der Kleinriehenstrasse. Die 72-jährige Autofahrerin kam laut einem Polizeisprecher gerade aus der Garage des Claraspitals, als der Ast auf ihren Wagen krachte. Das Auto musste abgeschleppt werden.

Bei Sturm kommen Astabbrüche im Stadtgebiet gelegentlich vor, doch am Freitag war es in Basel nahezu windstill. Ursache für das Abbrechen des Astes war wohl die anhaltende Trockenheit: Wegen dieser reduzieren manche Bäume ihre Blattfläche und können ihre Äste teils nicht mehr mit Wasser versorgen, was zu Abbrüchen führen kann.

Ast-Fälle

«Damit müssen wir wiederholt rechnen», sagt Stadtgärtnerei-Chef Emanuel Trueb zu trockenheitsbedingten Ast-Abbrüchen. Die betroffene Kastanie steht auf öffentlichem Boden – damit haftet der Kanton bei Unfällen, sofern nicht nachzuweisen ist, dass alles unternommen worden war, um deren Geschehen zu verhindern. Der Kanton ist daher auch versichert.

Jene Kastanie war im Zuge der alljährlichen Kontrolle sämtlicher rund 27'000 Stadtbäume auf Allmend untersucht worden; dazu gebe es ein Protokoll. Laut Trueb war jedoch nichts aufgefallen; der Astfall habe ihn überrascht. Entweder sei ein Detail übersehen worden, oder ein Schaden habe sich erst später und sehr schnell entwickelt.

Im Fokus stünden Pilze, die teils sehr schnell und auch versteckt Bäume schädigen können. Denkbar sei hier etwa ein Weissfäulepilz als Übeltäter, schätzt Trueb. Bei den Baumkontrollen achte man immer auf Pilzbefall; sehr seltene Pilze würden im Labor bestimmt. Gefährlich wegen brüchiger Bäume sei jedenfalls die Stadt «grundsätzlich nicht».

Notfällungen

Sicherheitshalber waren in diesem Frühling schon rund 40 Bäume notgefällt worden, die wegen Schäden des trockenen Sommers 2018 gar nicht mehr ausgetrieben hatten. Dieses Phänomen sei «absolut aussergewöhnlich», hält Trueb fest; er möge sich nicht an vergleichbares früher erinnern.

Zudem sei dies wohl «erst der Anfang»: Bei den diesjährigen Baumkontrollen erwartet Trueb, dass statt üblichen insgesamt rund 250 Bäumen 300 bis vielleicht 400 als ersatzreif eingestuft werden wegen Trockenheitsschäden.

Die entsprechende Fälliste wird jeweils im Herbst publiziert – sie wird erfahrungsgemäss von der Anwohnerschaft mit unterschiedlichem Verständnis zur Kenntnis genommen. Hatte ein Stadtbaum früher im Schnitt 80 Jahren Lebenserwartung, so müsse man heute vor allem im Strassenraum eher mit nur noch 40 bis 50 Jahren rechnen, sagt Trueb.

Neue Warnungen

Gemäss kantonalem Recht sind Bäume ab einem gewissen Umfang – je nach Rayon 50 oder 90 Zentimetern – geschützt. Ersatzbäume für alters- oder krankheitshalber zu Fällende sind immer geschützt; der Stadtkanton listet aber alle Fällungen auf. Indes können auch nicht geschützte kleinere Bäume tödliche Krankheiten oder Schäden erleiden.

Schon im letzten Jahr war im Hochsommer in Basel vor dem Aufenthalt unter angeschlagenen Bäumen im öffentlichen Raum mit Schildern gewarnt worden. Dies soll nun in den kommenden Tagen erneut geschehen, wie Trueb weiter sagte. Man müsse zudem in Parks wegen des teils grossflächig trockenen Grases auf Brandrisiken achten.

Ende Mai hatte die Bürgergemeinde Basel als Eigentümerin des Hardwalds bei Birsfelden diesen grossflächig für die Bevölkerung gesperrt, weil sehr viele Bäume wegen Schäden vom trocken-heissen Sommer 2018 abgestorben und nicht mehr stabil sind. Weitere Waldstücke folgten, etwa in Muttenz. An vielen anderen Orten im Schweizer Unterland sieht der Wald nicht besser aus.

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