Sie sitzen vor dem Transparent «Beznau und Leibstadt abstellen!» und schütteln den Kopf. Für einmal ist es nicht ein Atomkraftwerk, das beim Aktivisten- und Künstlerpaar Aernschd Born und Barbara Preusler für Verzweiflung sorgt. Es ist die Tatsache, dass sie bald endgültig raus müssen aus dem Haus, in dem sie seit zehn Jahren leben und wirken und seit 2014 die anerkannte Anti-AKW-Bewegung-Dokumentationsstelle «Atomfreie Schweiz» betreiben.

Das «Lebenswerk» des Paars befindet sich am Ende der Stadt. Es ist das letzte Haus vor dem Grenzübergang Otterbach. Ein Ort, wo arbeiten und wohnen unter einem Dach möglich und bezahlbar ist. Die Nachbarn sind Asylbewerber. Sie leben im Empfangszentrum des Bundes, bis klar ist, wohin die Weiterreise geht. Aernschd Born und seiner Frau geht es wie ihren Nachbarn: Wo sie landen werden, ist ungewiss.

Weitere Nutzung ist noch nicht klar

Spätestens in einem Jahr müssen sie das Haus verlassen haben. So sieht es ein Vergleich der Basler Mieterschlichtungsstelle vor. Dann will es das Bundesamt für Migration nutzen. Wofür genau, ist unklar. «Die Räumlichkeiten werden in das Gesamtkonzept des Empfangszentrums Basel integriert. Die genaue Nutzung der Räume ist noch nicht definiert», sagt Léa Wertheimer vom Staatssekretariat für Migration.

Schlaflose Nächte beim AHV-Paar

Konkreter geklungen habe es bei den Gesprächen, die das Paar mit der Hauseigentümerin geführt hat, dem Bundesamt für Bauten und Logistik. Die Rede sei stets von einem «Beschäftigungsraum» für die Empfangszentrumsbewohner gewesen, sagt Born — und fragt: «Weshalb kann ein solcher Raum nicht anderswo angemietet werden?» Die Frage bleibt unbeantwortet.

Sowieso ist das Bundesamt nicht sehr gesprächig. Eine Anfrage der bz, ob es den Vergleich der Mieterschlichtungsstelle akzeptieren wird, lässt es unbeantwortet, da bis zum 15. Juli die Widerrufsfrist laufe.

Bis dahin werden Born und seine Frau schlaflose Nächte haben: Geht das Amt gegen den Vergleich vor, müssten sie ihr Haus allenfalls schon vorher verlassen. «Wenn wir wüssten, wohin wir gehen, würden wir jetzt schon zügeln. Doch wir finden nichts», sagt Born. Seit sie im März von den Bundesplänen erfahren haben, suchen sie nach einem vergleichbaren Ort. Jedoch gäbe es kaum Angebote. Und wenn, sprengten sie das Budget der AHV-Rentner.

Ihr Leben lang haben sich Aernschd Born und seine Frau für linke Anliegen stark gemacht. «Wir unterstützen natürlich auch eine humane Flüchtlingspolitik.»

Jetzt müssen ausgerechnet diese beiden Aktivisten ausziehen und Asylbewerbern Platz machen. «Dabei sollte beides möglich sein, nebeneinander», sagt Born. «Beide Anliegen sind berechtigt und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.»

Theoretisch hätte das Paar schon vor zehn Jahren damit rechnen können, das Haus eines Tages räumen zu müssen: Es musste alle fünf Jahre um eine Mietverlängerung nachsuchen. Dennoch kam es für die beiden überraschend, dass der Antrag nun abgelehnt wurde: «Als wir eingezogen sind, hiess es, es sei keine andere Nutzung für das Gebäude vorgesehen», sagt Barbara Preusler. Sonst hätten sie etwas anderes gesucht. Sie habe das Gefühl, der Anspruch des Bundesamts für Migration sei auch für die Vermieterin eher überraschend gekommen. «Vor wenigen Monaten hat man uns eine Tür eingebaut, damit wir nicht jedes Mal um das Haus gehen müssen, wenn wir auf den Sitzplatz wollen.»

In einem Jahr wird die Tür wohl die einzige Erinnerung an die Ära Born sein: Auf den juristischen Weg verzichtet das Paar. Es braucht seine Energie anderweitig.