Die französische Atomaufsichtsbehörde Autorité de sûreté nucléaire (ASN) hat grünes Licht für die Nachrüstung des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim im Block 1 gegeben, teilte sie kürzlich in einer Medienmitteilung mit. Die Bodenplatte unter dem Reaktordruckgefäss, die derzeit 1,50 Meter dick ist, soll bis zum 30. Juni 2013 um 50 Zentimeter verstärkt werden. Ausserdem soll der Hohlraum unter dem Reaktorgefäss mit einem angrenzenden Raum verbunden und so ausgeweitet werden. Dieses erhält ebenso eine verstärkte Bodenplatte.

Weniger als ein Tag Zeit

Dazu Stellung genommen hat auch das Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN), eine französische Forschungs- und Sachverständigenorganisation, die vor allem die Sicherheit nuklearer Anlagen bewertet, und auf die sich auch die ASN stützt. Das IRSN geht davon aus, dass die verstärkte Bodenplatte bei einer Kernschmelze, bei der das geschmolzene Material Corium nicht in Kontakt mit Wasser kommt, 44 Stunden länger hält als die heutige.

Bei bestimmten Szenarien schwerer Unfälle werde die Bodenplatte derzeit in weniger als 24 Stunden durchdrungen – minimaler Zeitraum, um die Massnahmen für den Schutz der Bevölkerung einzuleiten. Das IRSN weist ferner darauf hin, dass das Auftreten von Corium im Zusammenhang mit Wasser den Abfluss in den Zusatzraum beeinträchtigen könnte. Die Arbeiten sollen laut Betreiber Electricité de France (EDF) 15 Millionen Euro kosten. Weitere zwei bis drei Millionen Euro gibt EDF derzeit dafür aus, eine zusätzliche Kühlwasserzufuhr zum Rheinseitenkanal durch das Bohren eines Grundwasserbrunnens sicherzustellen. Diese Forderung der ASN muss bis Ende Jahr umgesetzt sein. In ihrer Medienmitteilung bezeichnete die ASN den Zustand der Arbeiten als zufriedenstellend.

Die ASN hat ferner angekündigt, dass sie sich in der ersten Jahreshälfte 2013 zur weiteren Betriebserlaubnis des Blockes 2 äussern werde. Dessen Zehnjahresinspektion war im März 2012 abgeschlossen worden. Der Block 1 hatte bereits im Juli 2011 eine Betriebserlaubnis für zehn weitere Jahre erhalten – unter der Bedingung, die geforderten Nachbesserungen umzusetzen.

Der Argwohn bleibt

Auf Kritik stossen die anstehenden Arbeiten bei den Atomkraftgegnern. Sie argwöhnen, dass die Investitionen in das AKW als Argument für dessen Weiterbetrieb herangezogen werden. Der heutige Präsident François Hollande hatte entschieden, dass das Kraftwerk 2016 geschlossen werden solle.