Islamisten
Auch Basler Muslime werden beobachtet

Die Basler Muslim-Kommission nimmt erstmals Stellung zu den Vorwürfen gegen die streng-islamische Gruppe Tablighi Jama’at: Die Mitglieder seien keine Extremisten.

Joël Hoffmann
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Arrahma Moschee in Basel: Treffen sich hier Islamisten?

Arrahma Moschee in Basel: Treffen sich hier Islamisten?

Nicole Nars-Zimmer

Cem Karatekin, Präsident der Basler Muslim-Kommission, kennt die in Basel lebenden Anhänger der Tablighi Jama’at. Für ihn sind sie anständige Menschen und keine Extremisten.

Das sieht der deutsche Verfassungsschutz anders: Die Tablighi Jama’at strebe eine weltweite Islamisierung an. Die Gemeinschaft steht in Deutschland unter Beobachtung: «Ihre intensiven Missionsbemühungen sowie das vermittelte rigide Islamverständnis können eine desintegrative und radikalisierende Wirkung entfalten», steht im Bericht der Verfassungsschützer. Sie erkennen ferner Verbindungen zu djihadistischen Gruppierungen und zu den Attentätern von London.

Tablighi Jama’at – Gemeinschaft der Verkündung und Mission – ist eine internationale Massenbewegung und hat mehrere Ableger in der Schweiz. Die grösste Gemeinschaft ist in Basel. Ihre Anhänger verkehren in der Arrahma Moschee, deren Imam Ridha Ammari 2009 in die Schlagzeilen geriet, weil er in einer Predigt gesagt haben soll, dass alle Menschen, die Allah nicht anerkennen, niedriger seien als Tiere. Weder der Imam noch der Schweizer Nachrichtendienst des Bundes wollen sich zu den Vorwürfen äussern.

Keine politische Organisation

«Tablighi Jama’at ist keine politische Organisation, die ihre Auffassungen der Gesellschaft auferlegen will», betont Karatekin. Die Mitglieder gestalten ihren Alltag nach den Regeln des Islam. Karatekin: «Dabei berücksichtigen die mir bekannten Mitglieder die Gesetze des Landes, in welchem sie leben.» Das heisst, sie versuchen, ihr religiöses Leben so einzurichten, dass sie nicht in Konflikt mit den Gesetzten oder der Gesellschaft geraten.

Für den Präsidenten der Basler Muslimkommission ist die Tablighi Jama’at keine missionarische Bewegung, die Nichtmuslime bekehren will. Sie frage aber säkulare muslimische Jugendliche an, ob sie nicht öfter in die Moschee gehen wollen. «Ob die Jugendlichen dann auch tatsächlich kommen oder nicht, entscheiden sie selbst», betont Karatekin.

«Fanatismus ist eine Krankheit»

Er glaubt aber, dass Tablighi Jama’at und andere muslimische Gemeinschaften auch hier in der Schweiz beobachtet werden. Das liege daran, dass Europa den Islam nicht kenne. «Daraus folgt einerseits eine Neugier gegenüber dem Neuen, aber durch Nachrichten über den Terror, der im Namen des Islam begangen wird, entstanden auch Ängste», erklärt Karatekin.

Für ihn bedeutet Islam Friede, und der Fanatismus sei eine Krankheit. Karatekin: «Die Tablighi Jama’at lehnt Gewalt ab.» Es sei aber immer möglich, dass einzelne Leute in der Gemeinschaft die innere Ruhe noch nicht gefunden haben. «Ihnen erklären wir, was die Religion wirklich bedeutet.» Denn Karatekin ist überzeugt, dass fanatische, kranke Leute der religiösen Gemeinschaft und der Gesellschaft schaden.

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