Pflegeheim
Auch Basler Senevita-Heime in der Kritik – Beschwerden stossen auf taube Ohren

Sowohl Pflegepersonal als auch Bewohner äussern neue Vorwürfe gegen vier weitere Altersheime der Senevita-Gruppe, darunter auch aus der Basler Senevita Erlenmatt.

Yannette Meshesha
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Auch in der Senevita Erlenmatt in Basel soll es um die Pflege nicht zum Besten stehen. Mitarbeitende seien psychisch überlastet, heisst es.

Auch in der Senevita Erlenmatt in Basel soll es um die Pflege nicht zum Besten stehen. Mitarbeitende seien psychisch überlastet, heisst es.

Nicole Nars-Zimmer

«Es ist weitaus schlimmer, als Sie es dargestellt haben», versichert eine Anruferin gegenüber der der bz. Sie bleibt mit dieser Aussage zu den Vorwürfen gegen das Senevita-Altersheim Sonnenpark in Pratteln nicht allein. Seit Hannes Wittwer, CEO der Senevita AG, in einem Interview sämtliche vorgebrachten Vorwürfe abgestritten hat, hagelt es Proteste von Pflegern und Heimbewohnern: Nicht nur in der Senevita in Pratteln, sondern an verschiedenen Standorten der Heimgruppe gebe es Missstände, klagen sie.

Mobbing an der Tagesordnung

Zunächst erreicht ein neuer Hinweis aus Pratteln die Redaktion. Eine ehemalige Bewohnerin, die sieben Monate in der Senevita Sonnenpark verbrachte, erzählt: «Bewohner und Mitarbeitende werden bespitzelt, ausgehorcht und fertiggemacht. Mobbing beschreibt nicht einmal ansatzweise das, was dort vor sich geht.»

Die damalige Pflegedienstleiterin habe mehrmals versucht, bei der Geschäftsleitung in Bern etwas zu erreichen, aber dort habe man nicht reagiert. «Irgendwann war die Pflegedienstleiterin psychisch am Anschlag und ihr wurde gekündigt.»

Obwohl die Bewohnerin körperlich stark angeschlagen gewesen sei, habe sie immer wieder selber eingegriffen, wenn kein Pflegepersonal zum Helfen da war. Sie habe dreimal kaputte Toilettengriffe repariert. «Einmal ist eine Bewohnerin gestürzt, weil der Griff kaputt war und niemand sich darum kümmerte.»

Viele Bewohner seien unglücklich und unzufrieden. «Man kann sich einfach nicht wehren. Auch diejenigen Angestellten, die den Mund aufmachen, werden gemobbt und entlassen.» Sie selber sei nach sieben Monaten unter körperlich schwierigen Bedingungen wieder ausgezogen.

«Es wurde hysterisch geschrien»

Beunruhigend sind auch Meldungen aus anderen Senevita-Heimen. Eine ehemalige Pflegerin der Basler Senevita Erlenmatt beschreibt: «Das Personal ist regelmässig ausgeflippt, weil alle psychisch völlig überlastet sind. Es wurde hysterisch geschrien und geweint.» Seit der Eröffnung im Dezember 2014 habe es 25 verschiedene Stationsleiter gegeben.

Unter den Mitarbeitenden werde gezielt Rivalität geschürt und es fehle überall an klaren Konzepten. Mit Betäubungsmitteln wie Morphinpflastern werde fahrlässig umgegangen. «Die liegen manchmal einfach offen herum. Und bei der Verabreichung passieren gravierende Fehler. Solche Fahrlässigkeit ist kriminell.»

Das Personal sei überfordert und die vielen ausländischen Mitarbeiter kämen sprachlich nicht mit. «Gegen mich wurden absurde Vorwürfe erhoben, um mich unter Druck zu setzen.» Auf Reklamationen habe die Geschäftsleitung nicht reagiert. «Wir haben verzweifelt einen Ansprechpartner gesucht, aber niemand wollte auf uns hören.»

Ähnliches berichtet die Angehörige eines verstorbenen Bewohners der Demenzabteilung im Senevita Lindenbaum Spreitenbach im Aargau: «In diesem Haus herrscht beim Personal eine grosse Angst. Ein falscher Satz und schon ist man weg.» Gutes Personal würde laufend durch Praktikanten ersetzt, die man völlig überfordere und beim Küchenpersonal habe es kürzlich eine regelrechte Kündigungswelle gegeben.

Ein weiteres Familienmitglied, das sich für die Anliegen des Bewohners eingesetzt habe, sei von der Pflegedienstleitung und der Heimleitung «gnadenlos fertiggemacht» worden. «Wenn ich das sehe, würde ich mir lieber etwas antun, als in ein Altersheim zu gehen.» Weder die Geschäftsleitung, noch die Polizei, noch der Kanton habe auf ihre Beschwerden reagiert. «Man ist machtlos. Dabei wird man wie Dreck behandelt.»

Konflikte seien «nur menschlich»

Weitere Betroffene berichten von ähnlichen Zuständen in den Senevita-Heimen in Olten und im Gellertblick in Basel. Mit den neuen Vorwürfen konfrontiert, kommentiert Hannes Wittwer: «Die erwähnten Vorkommnisse liegen zum Teil schon weiter zurück und sind uns dank unseres Beschwerde-Wesens grösstenteils bekannt. Sie lassen keinen Vorgesetzten kalt.» Trotzdem räumt er ein: «Bei 1800 Mitarbeitenden und 2100 Bewohnern sind Konflikte und Missverständnisse nur menschlich.»

Zum Vorwurf, dass private Heimbetreiber mehr am Umsatz als am Wohl der Mitarbeiter und Bewohner interessiert seien, sagt er: «Leider wird immer wieder versucht, einen Zusammenhang zwischen der Art der Trägerschaft und der Mitarbeiterzufriedenheit oder Qualität herzustellen. Fakt ist aber, dass es keine spezifischen Unterschiede gibt.» Der Grossteil der Mitarbeiter arbeite gerne und mit Stolz bei Senevita. Von der Professionalität sei er überzeugt. «Diesbezüglich weise ich auch die vorgebrachten faktisch falschen Anschuldigungen vehement zurück.»

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