FCB-Fans

«Auch die gemässigten FCB-Fans werden herablassend behandelt»

FC Basel Fankurve

FC Basel Fankurve

Der FC Basel trägt heute Nachmittag gegen Xamax sein erstes Heimspiel in der neuen Saison aus. Dabei sorgen die Fans für einen stimmungsvollen Rahmen. In der Fremde sind sie hingegen weniger beliebt. Das weiss Markus Vogel, der treusteste Fan.

Markus Vogel, Sie sind seit Jahren der Vorzeige-Fan des FC Basel und besuchten einst 802 Wettbewerbsspiele des FCB in Serie. Fahren Sie eigentlich mit dem Zug an die Auswärtspartien?

Markus Vogel: Früher ja. Da fuhr ich regelmässig mit dem Zug zu den Auswärtsspielen. Heute aber reise ich mit einer Gruppe in einem Kleinbus. Ich besuche allerdings nicht mehr regelmässig alle Auswärtsspiele. Weniger die Lust als viel mehr die Zeit dafür ist bei mir inzwischen sehr begrenzt.

Haben Sie zum Kleinbus gewechselt, weil Sie die Zerstörungswut anderer FCB-Fans in den Zügen ärgerte oder weil der Empfang in den Bahnhöfen der anderen Städte nicht immer nur herzlich ist? Gehen Sie auf Distanz zu anderen Fan-Gruppen?

Zu einem gewissen Grad ist es sicher einmal Bequemlichkeit. Aber einzelne Freunde würden tatsächlich nicht mehr im Zug mitreisen. Sei dies wegen der Fans, sei dies wegen des Empfangskomitees, der Sicherheitsvorkehrungen in den anderen Städten.

Muss ein eher zurückhaltender FCB-Anhänger nicht Angst haben, wenn er mit Fans der rabiateren Sorte in Basel den Zug besteigt?

Nein. Ein Freund aus meinem Fanklub reist oft mit dem Zug, um mit seiner behinderten Tochter an Auswärtsspiele zu reisen. Wie er mir erzählt hat, musste er dabei noch nie Angst haben. Im Gegenteil: Diese offenbar so gefährlichen Fans hätten sich stets als sehr hilfsbereit erwiesen.

Aber Sie wissen, was den zugfahrenden Fans alles angelastet wird. Das muss Ihnen, bei aller Sympathie für Leute in Rot und Blau, doch zu denken geben.

Sie sagen es richtig; angelastet. Ich rede viel mit so genannt besonnenen FCB-Anhängern, die mit dem Zug unterwegs sind. Und der Tenor ist, dass mit den Schadensmeldungen ziemlich übertrieben wird. Man gewinnt oft den Eindruck, dass man andernorts nur darauf wartet, dem grossen FC Basel und seinem Umfeld etwas anlasten, eins auswischen zu können.

Sie wollen doch nicht sagen, dass demolierte Züge einfach erfunden werden?

Nein, sicher nicht. Und wenn ein Extrazug in seine Einzelteile zerlegt wird, muss man die Schuldfrage nicht mehr stellen. Was ich sagen will: Alle warten auf diese Fehltritte, und auch als normaler, gemässigter FCB-Fan wird man auswärts herablassend behandelt. Ich gehe zum Beispiel aus Prinzip nie mehr an ein Spiel in Luzern, weil ich dort einmal so ungebührend behandelt worden bin, dass ich meine Konsequenzen zog. Oder wenn ich beobachte, wie FCB-Präsidentin Gigi Oeri in anderen Stadien mit Schmähungen eingedeckt wird. Das ist anstandslos, schlimm.

Aber diese Ablehnung hat ja auch ihre Gründe. Und das Argument, dass Erfolg halt neidisch mache, greift zu kurz. Der unrühmliche 13. Mai 2006 hat sicher mehr dazu beigetragen, dass der FCB-Fan heute landesweit hartes Brot beissen muss.

Seit diesem Datum ist es im Allgemeinen stets ruhig geblieben in der MK, in der Muttenzer Kurve.

Der gemässigte Fan steht zudem vor dem Problem, dass er sich einerseits von den Krawallmachern distanzieren muss, andererseits diese zur Vernunft rufen kann. Wie gehen Sie mit diesem Zwiespalt um?

Sich abzugrenzen ist schwierig: Die Anhänger eines Vereins werden nun mal in einen Topf geworfen, da wird nicht gross differenziert. Was wir aber tun können, ist, im Stadion andere zur Vernunft zu rufen, die gegen Gesetz und Anstand verstossen. Ich wurde selber in der Muttenzer Kurve gross, und früher, als dies noch möglich war, gehörte es zu jedem Match, dass man bei Halbzeit mit dem gegnerischen Goalie, zum Beispiel dem grossen Charly Elsener, die Seite wechselte, um ihn mit Gesängen 90 Minuten lang nervös zu machen. Das gehörte dazu.

Kehren wir aber zum schwarzen 13. Mai 2006 zurück.

An diesem Tag lief vieles schief. Ich selber ging wie benommen nach Hause und erfuhr erst am Abend des nächsten Tages vom ganzen Ausmass der Ereignisse. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber seither wurde sehr viel getan in Basel. Mit sichtbarem Erfolg.

Welche Beispiele fallen Ihnen ein?

Viele. So wurden runde Tische einberufen, in denen sich die verschiedenen Gruppen näher kamen. Geld wurde investiert, und Vizepräsident Bernhard Heusler nahm sich der Fanbetreuung an. Das hat sicher viel genutzt, denn Bernhard Heusler ist auf allen Seiten sehr beliebt. Seit jenem Tag kam es in der Muttenzer Kurve zu keinen Auswüchsen mehr. Das darf man ruhig auch mal zur Kenntnis nehmen. Der FC Basel hat viel Geld und Energie in die Fanarbeit gesteckt. Da wird sehr gute, halt unspektakuläre Arbeit geleistet.

Haben Sie sich nach diesem schwarzen Tag überlegt, dem FC Basel Ihre Solidarität zu entziehen?

Nein, niemals. Das gehört auch zur Geschichte dieses Vereins.

Weshalb können sich Basel-Fans seit jenem Datum zu Hause zusammenreissen, sich aber auswärts so gehen lassen?

Natürlich hat es Krawall-Brüder, die nur darauf warten, anderswo Dampf abzulassen. Die wird es immer auch geben. Da ist nichts zu beschönigen. Auf der anderen Seite wirst du als Basler immer schikaniert. Überflüssige Absperrungen, Gitter, Security-Leute, die sich in provozierende Pose werfen. Vor dem Stadion sind bewusst zu wenig Schalter und Eingänge offen. Das sind alles Zumutungen, bewusste Provokationen. Darunter leidet auch der gemässigte, der an sich ruhige FCB-Fan. Man fühlt sich selten als willkommener, zahlender Gast. Aber wie gesagt, wer zerstören will, der zerstört gleichwohl. Und immer wieder sind es Leute, die in fremden Stadien Hand anlegen, die ich zuvor nie gesehen habe an einem FCB-Spiel.

Wäre das nicht die Chance für Sie, hier einzugreifen?

Ja. Das wird bisweilen ja auch getan. Doch es fordert auch von den FCB-Fans oft Mut und Zivilcourage.

Hätten Sie vor dem YB-Spiel vom vergangenen Sonntag vom verbotenen Marsch der Basler Fans durch Bern abgeraten?

Weshalb denn? Wir drehen uns im Kreis. Er verlief ja ganz friedlich. Dieser Marsch durch Bern zum Stadion hatte schon früher immer dazugehört, auch damals ging nicht immer alles ohne Schäden ab. Aber nie wurde daraus eine Affäre gemacht, obschon damals weit mehr FCB-Fans mitmarschierten. Von den denkwürdigen Prozessionen an den Cupfinals reden wir erst gar nicht. Doch nun wird er plötzlich verboten.

Aus Ihren Schilderungen und den Bildern in Ihrem Fanshop lässt sich schliessen, dass Sie auch ein bisschen ein FCB-Nostalgiker sind.

Ja, das bin ich. Es wäre gut, wenn mehr Anhänger von heute noch wüssten, wie sich der FCB vor 25 Jahren mit allen möglichen Aktionen bemühte, an ein paar Franken zu kommen, um überhaupt zu überleben. Wenn sie sich noch an die Meisterschaftsspiele in Châtel-St-Denis und an Mittwochabenden in Genfer Vororten erinnerten.

Châtel-St-Denis, das Dorf, das stellvertretend für den damaligen Niedergang des FCB steht.

So ist es. Nach dem Wiederaufstieg des FC Basel wurde ich immer und immer wieder gefragt: «Weisst Du noch, als wir damals nach Châtel-St-Denis fuhren?» Wenn alle, die mich das seither gefragt haben, tatsächlich dort gewesen wären, dann hätte der FCB dort vor jeweils 10000 und nicht vor 500 Zuschauern gespielt. Doch lassen wir das. Wichtiger ist jetzt, dass der FCB endlich seinen ersten Meister-Hattrick, drei Titel in Serie, realisiert. Ich wünsche mir eine Meisterfeier nach einer Saison mit viel Spanung auf dem Feld und keinen Spannungen auf den Rängen.

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