«Concentration», lässt John Zorn ausrichten, sei das Einzige, was ihm zu Anton Webern einfalle. «Concentration», sagt also Anthony Coleman, «ich habe es euch ausgerichtet.» Man lacht – es ist schliesslich die Abschlussperformance zu einem wissenschaftlichen Symposium in Basel über Anton Webern.

Webern, Monk, die New York School

Durch die Schlinge, mit der John Zorn der Frage entgeht, will Coleman keineswegs mitentschlüpfen. Vielmehr entwirrt er sie in einer zweistündigen Collage aus Texten und Musikbeispielen: Webern, Thelonius Monk, die Komponisten der New York School, der Free Jazz der Sechziger-Jahre, die zweite Free Jazz-Welle aus Chicago.

Webern und Amerika, der von einem amerikanischen Soldaten 1945 versehentlich erschossene Webern – aber darauf will Coleman nicht hinaus. Keiner Rezeptionsschuld, sondern persönlichen Entdeckungen entspringt der Einfluss des österreichischen Komponisten, der wie kein anderer für Objektivität und Verdichtung steht, in den USA aber auch für einen kalten, europäischen Performance-Stil.

Elektrisierend durch die Jahrzehnte

Coleman liest vor, wie Morton Feldman und John Cage ihn entdecken, spielt Platte um Platte an und erzählt nebenbei auch seine eigene musikalische Entwicklung als Pianist, Jazzmusiker und klassischer Komponist. Da ist immer wieder New York und seine Mischungen von Genres und Stilen und einer sehr amerikanischen Durchdringung von akademischer Ausbildung und freier Musikszene. Es ist elektrisierend zuzuhören, wie Coleman ein Bild dieser Stadt durch die Jahrzehnte entwirft. Und wenn sich Coleman schliesslich ans Klavier setzt und mit seiner Duopartnerin, der Sängerin Almut Kühne, improvisiert, dann bereut man, ihr Konzert vom Vorabend am «Jazz in Willisau» verpasst zu haben.

Die klarer gezeichnete europäische Rezeptionsgeschichte Weberns zeigt sich im zweiten Konzert der Musikakademie, in dem Studierenden-Ensembles ebenfalls ein Programm zum Symposium vorstellen. Was die Klavier-, Flöten- und Schlagzeugklassen sowie die Ensemble-Kurse dabei erarbeitet haben, geht über blosse Exemplifizierung zum wissenschaftlichen Teil weit hinaus.

Partnerschaft zwischen Musikakademie und Wissenschaft

Noch einmal eine ganz andere «Concentration» wirkt in diesem Konzert, mit hervorragenden Interpreten, und namentlich dem dichten ersten Streichtrio von Roman Haubenstock-Ramati, den Notations für Klavier von Pierre Boulez, wunderbar gespielt von Demetre Gamsachurdia oder dem Refrain für Celesta, Schlagzeug und Klavier von Karlheinz Stockhausen in einer ausgefeilten Interpretation.

Die derartige Erarbeitung thematischer Konzerte ist nicht nur für die Studierenden offensichtlich gewinnbringend, sondern stellt nicht zuletzt eine schöne Partnerschaft zwischen Musikakademie und Wissenschaft dar. Auf mehr Musik, mehr Wissenschaft und mehr Mischungen im amerikanischen Stile macht sie Lust.