Pflegeheime
Auch in Basel sollen Besuche wieder möglich werden - es braucht aber noch Geduld

Pflegeheime sind mit am stärksten von der Pandemie betroffen. Trotzdem sollen Besuche wieder möglich werden.

Samanta Siegfried
Merken
Drucken
Teilen
Im Alterszentrum Holbeinhof ermöglicht der Wintergarten ein Treffen auf Distanz.

Im Alterszentrum Holbeinhof ermöglicht der Wintergarten ein Treffen auf Distanz.

Kenneth Nars

Heute Montag treten erste Lockerungen der Massnahmen gegen die Coronapandemie in Kraft. Wer davon noch nicht profitiert, sind Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Seit Wochen leben sie isoliert von der Aussenwelt. Die meisten Gruppenaktivitäten sind eingestellt, Kantinen und Gemeinschaftsräume geschlossen. Besuch bekommt allenfalls, wer im Sterben liegt. So schreibt es auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinen Leitlinien vor: «Besuche von Familien, Freunden und Bekannten in Institutionen wie Alters- und Pflegeheimen sind verboten.»

Doch vergangenen Freitag korrigierte das BAG auf Anfrage die Weisung: Die Kantone könnten selber über die Besuchsregelung entscheiden, sofern die Sicherheits- und Hygieneregeln befolgt würden. So geschehen im Kanton Baselland, der vergangene Woche entschieden hat, Pflegeheime ab 11. Mai wieder für Besuche zu öffnen. Dies unter Hygiene- und Schutzmassnahmen, beispielsweise in speziellen Besuchsräumen.

Vier Todesfälle im Adullam Pflegezentrum

So weit wie Baselland will Basel-Stadt nicht gehen. «Wir sind aktuell dabei, zusammen mit den Pflegeheimen Vorgaben für künftige Besuche auszuarbeiten», sagt Linda Greber von der Abteilung Langzeitpflege des Kantons. «Wir werden uns bezüglich einer Lockerung jedoch an den Empfehlungen des Bundes für die ganze Schweiz orientieren.» Und dieser rät aktuell von Besuchen in Pflegeheimen ab. Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen seien eben besonders gefährdet.

Die Gefährdung spiegelt sich auch in den neuen Zahlen des Gesundheitsdepartements wider. Von den insgesamt 46 Todesfällen, die Basel-Stadt bis zum vergangenen Freitag wegen der Covid-19-Pandemie verzeichnet hat, sind mehr als die Hälfte in einem Pflegeheim gestorben. Infizierte gab es in 8 der 42 Pflegeheime des Kantons. Eines davon ist das Pflegezentrum Adullam in Basel. «Wir waren sehr früh von der Pandemie betroffen», berichtet Geschäftsleiter Martin Birrer.

Bereits am 8. März habe es einen ersten Fall gegeben. Vier Personen seien in Folge des Coronavirus gestorben. «Derzeit haben wir die Lage glücklicherweise im Griff», so Birrer. Seit 6. April seien keine Neuansteckungen mehr zu verzeichnen. Damit es zu keinem Personalengpass kam, wurden alle Infizierten auf eine Isolationsstation im eigenen Spital verlegt und zusätzliche Unterstützung durch Mitarbeitende des Bethesda Spitals organisiert.

Trotz der schwierigen Situation steht Birrer einer möglichen Lockerung des Besuchsverbots offen gegenüber. «Das muss natürlich schrittweise geschehen und kontrolliert.» Mit einer beschränkten Anzahl Besuchern etwa und ohne Körperkontakt. Ein gewisses Risiko von Neuansteckungen bestehe jedoch immer. «Aber es ist wichtig, den Bewohnerinnen und Bewohnern in Zukunft wieder einen würdevollen Besuch zu ermöglichen.»

Das sieht auch Linda Greber von der Abteilung Langzeitpflege so: «Man kann Betagte nicht einfach wegsperren, sondern muss auch ihnen eine Form der Teilhabe ermöglichen.» Trotzdem betont sie, dass ein «Zurück zur Normalität» nicht möglich sein wird. «Wir müssen uns bewusst sein: Das war keine Übung. Das Leben mit den Hygienevorschriften wird der neue Alltag», sagt Greber. Deshalb müsse man flexible Regeln erarbeiten, denn: «Eine zweite Welle kann jederzeit kommen.»

Besuche durch Glasfassade gegen die Isolation

Andere Pflegeheime haben eigene Wege gefunden, mit der Isolation umzugehen. Zum Beispiel das jüdisch-christliche ­Alterszentrum Holbeinhof im Holbein-Quartier. Dort finden Kontakte mit Angehörigen an der Glasfassade des Wintergartens statt. Für die Besucherinnen und Besucher stehen Stühle auf den Trottoirs bereit. «Manche gestikulieren, andere telefonieren», beschreibt die Geschäftsführerin des Holbeinhofs, Heike Bittel. «Es gibt aber auch ältere Ehepaare, die brauchen gar keine Worte. Die schauen sich einfach durch die Scheibe an und sind froh, dass sie sich noch haben.»