Ausstellung
Auch Mehl enthält Nanoteilchen

Seit zwei Jahren tourt die Expo Nano durch die Schweiz, um dem Land die Nanotechnik näherzubringen. Jetzt kommt die Ausstellung erstmals nach Basel.

David Egger
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Ein Blick auf das Klitzekleine: Hier handelt es sich um Gold-Nano-Partikel.ZVG/Adolphe-Merkle-Institut Fribourg

Ein Blick auf das Klitzekleine: Hier handelt es sich um Gold-Nano-Partikel.ZVG/Adolphe-Merkle-Institut Fribourg

ZVG / Adolpe-Merkle-Institut

Ab Montagabend ist die Expo Nano kostenlos in der GGG-Bibliothek im Basler Schmiedenhof zu sehen. «Bisher nehmen nur Forscher die Nanotechnik wahr. Das Ziel der Expo Nano ist es, auch die Bevölkerung auf die Chancen und Risiken von Nanomaterialien aufmerksam zu machen. Viele Menschen wissen kaum etwas darüber», sagt Projektleiter Mark Bächer.

Kein Wunder, ist man versucht zu sagen: Im Gegensatz zu den Laien haben die Forscher die nötigen Geräte, um die kleinen Teilchen zu sehen, die höchstens 100 Nanometer gross sind. Ein Nanometer entspricht einem Milliardstelmeter. In Zahlen: 0,000 000 001 Meter. Weil sich darunter kaum jemand etwas vorstellen kann, bemüht die Ausstellung besser verständliche Vergleiche. Das Paradebeispiel: Nanopartikel haben das gleiche Grössenverhältnis zu einem Fussball wie ein Fussball zur Erde.

Deklarationspflicht: EU ja, CH nein

Aber auch wer die Nanoteilchen kaum kennt, ist ziemlich sicher schon mit ihnen in Kontakt gekommen, in Hautkontakt zum Beispiel: Gerade Kosmetikprodukte wie Sonnenschutzcrèmes enthalten bereits seit Jahren Nanoteilchen.

In der Schweiz sind die Kleinstteilchen allerdings nicht kennzeichnungspflichtig. Man erfährt also auf der Verpackung nicht, ob ein Produkt Nanoteilchen enthält. Anders in der Europäischen Union: Dort muss es bei jedem Inhaltsstoff angegeben werden, wenn er in Form von Nanoteilchen vorliegt. Insbesondere Konsumentenschützer fordern diese Deklarationspflicht auch in der Schweiz. Mit der laufenden Revision des Lebensmittelgesetzes wird sie vielleicht auch hierzulande eingeführt.

Einen Nachteil habe die obligatorische Kennzeichnung solcher Stoffe allerdings, sagt Mark Bächer: «Wenn der Konsument weiss, dass etwas gekennzeichnet werden muss, überlegt er sich, warum das so ist. Und kommt je nachdem zum Schluss, dass es sich um einen gefährlichen Stoff handeln muss. Insofern kann eine Kennzeichnungspflicht Ängste auslösen.»

Solche Ängste hat Bächer im Gespräch mit Laien bereits mehrfach festgestellt – gerade die Nanoteilchen in Sonnenschutzcrèmes beschäftigen die Menschen offenbar. Die Forschung zeige allerdings, dass die Aufnahme von Nanoteilchen durch die Haut nicht gefährlich sei. Ob das auch für die Aufnahme von Nanopartikeln durch Lebensmittel gilt, wird derzeit noch geforscht. Trotzdem gibt es bereits Lebensmittel, die Nanopartikel enthalten. Allerdings nicht absichtlich: Diese Produkte enthalten seit jeher sehr kleine Teilchen – zum Beispiel Mehl und Gewürze. «Darauf muss eine Deklarationspflicht Rücksicht nehmen. Es wäre nicht sinnvoll, wenn Mehlpackungen als Nano-Produkte gekennzeichnet werden müssen», sagt Peter Brodmann, Lebensmittelchemiker beim Basler Kantonslabor.

Im Sinne des Verbraucherschutzes und der freien Produktewahl sei eine Deklaration zu begrüssen. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, so Brodmann, dass nur Nanoteilchen deklariert werden müssen, die absichtlich als Nanoteilchen technisch hergestellt worden sind. Differenzierungen wie diese seien nötig, da sich der Begriff Nanoteilchen nur über die Grösse der Teilchen definiert. «Über die Eigenschaften eines Stoffs – zum Beispiel ob er chemisch reaktiv ist oder längere Zeit im Körper verbleibt – sagt das noch überhaupt nichts aus», sagt Brodmann. Sein Chef Philipp Hübner, der das Kantonslabor leitet, wird an der Podiumsdiskussion am Montagabend teilnehmen, an der die Forscher die Chancen und Gefahren der Nanotechnik diskutieren. Weitere Diskussionsteilnehmer sind Dietmar Hueglin von BASF Schweiz, Sergio Bellucci vom Schweizer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, Alke Fink vom Adolphe-Merkle-Institut Fribourg und Christian Schönenberger vom Schweizer Nanowissenschaftsinstitut in Basel.

Die Expo Nano bietet auch verschiedene Experimente zum Mitmachen und ist für Kinder geeignet. So kann man zum Beispiel den Lotus-Effekt an einer wasserabweisenden Krawatte ausprobieren.

Die Expo Nano wird am Montagabend um 18 Uhr mit einer Podiumsdiskussion eröffnet und gastiert bis 24. Oktober in der GGG-Stadtbibliothek im Schmiedenhof 10. Öffnungszeiten: Mo 12-20 Uhr, Di-Fr 10-20 Uhr und Sa 10-17 Uhr. Infos: www.exponano.ch

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