Champions League
Auch Murat Yakins Zukunft steht heute Abend auf dem Spiel

Sowohl beim FCB als auch beim heutigen Gegner Schalke ebbt die Trainerdiskussion nicht ab. Gelingt den Basler heute der grosse Coup gegen die Deutschen, dann ist Yakin in Basel vorerst unantastbar. Und vielleicht auch interessant für Bundesligisten.

François Schmid-Bechtel, Gelsenkirchen
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Die Ausgangslage ist unmissverständlich. Ein Unentschieden auswärts gegen Schalke: Und der FC Basel überwintert zum dritten Mal nach 2002 und 2011 in der Champions League. Doch Präsident Bernhard Heusler sagt: «Die öffentlichen Diskussionen überlagern zeitweise den Genuss.»

Liveticker ab 20.30 Uhr

Wir tickern die Partie Schalke gegen Basel heute Abend live ab 20.30 Uhr. Es tickert für Sie Adrian Gottwald.

Die Diskussionen zielen vor allem auf den Trainer Murat Yakin und die viel zitierten atmosphärischen Störungen beim FCB. Diese nehmen angesichts der Resultate in dieser Saison zuweilen absurde Formen an. Heusler sagt, er gehe momentan gelassen mit der Situation um. Vielleicht auch, weil er die Diskussionen für überflüssig hält. Erst recht vor einem Endspiel wie heute. Trotzdem sorgte er jüngst für Gesprächsstoff, als er nach dem 1:1 gegen GC von einer enttäuschenden Leistung sprach. Dabei hätte er beispielsweise die Moral der Mannschaft – der FCB glich in der Nachspielzeit aus – loben oder auf das Spiel in Schalke verweisen können. «Es wird momentan alles wahnsinnig gedeutet.»

«Das haben wir bereits erreicht»

Aus rationeller Sicht gibt es für Heusler keinen Grund, beunruhigt zu sein. Schliesslich ist sein FCB im Soll. Erster in der Super League. Ausserdem überwintert er im Europacup. Ob in der Champions- oder in der Europa-League, wird sich heute entscheiden. Deshalb sagt Heusler, dass beim FCB offenbar doch nicht alles falsch laufe.

Auch wenn Captain Marco Streller betont, dass mit dieser Ausgangslage ein Champions-League-Aus eine Enttäuschung bedeuten würde, ist Heusler bemüht, der heutigen Partie keine schicksalshafte Bedeutung zuzuschreiben. «Ziele muss man nicht ständig adjustieren. Wir haben immer gesagt, dass wir international überwintern und die Menschen so lange wie möglich mit Champions-League-Auftritten unterhalten wollen. Das haben wir bereits erreicht.»

Es gibt kein Machtwort

Gleichwohl werden die Nebenschauplätze fleissig beackert. Und immer wieder geht es um Yakin. Er habe kein Nachwuchskonzept, er überfordere die Spieler, er sei ein schlechter Kommunikator, seine Teamführung sei ebenso mangelhaft wie seine Identifikation mit dem Verein. Es gibt Kräfte, auch interne, die dem Trainer das Leben schwer machen. Doch die Klubführung verzichtet darauf, den Trainer aus der Schusslinie zu nehmen. «Es gibt die Theorie vom Machtwort und ähnlichen Quatsch. Aber es gibt kein Machtwort, das diese öffentliche Diskussion ersticken könnte», sagt Heusler am Flughafen in Basel kurz vor dem Abflug nach Düsseldorf.

Der einsame Kämpfer: Murat Yakin sind seine schlechten Sympathiewerte völlig egal.
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Philipp Degen
David Degen
Marco Streller
Bernhard Heusler
Wurde dieser Tage in Basel gesichtet: Der ehemalige Erfolgstrainer des FCB, Thorsten Fink

Der einsame Kämpfer: Murat Yakin sind seine schlechten Sympathiewerte völlig egal.

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Natürlich erfordert die vertragliche Situation keinen Aktionismus. Yakins Vertrag mit dem FCB läuft bis Sommer 2015. Darin enthalten ist eine Klausel, die besagt, dass der Klub den Vertrag zum Saisonende auflösen kann, sollte der FCB nicht Meister werden. Gleichwohl hat die Klubführung trotz der positiven Resultate nie ein Statement pro Yakin abgegeben, was den Trainer wohl befremden dürfte, auch wenn er das anstandshalber nie so sagen würde.

Yakin spielt mit

Yakin spielt mit. Und er spielt gut. Er hat in diesem Herbst Nehmerqualitäten bewiesen, die einen grossen Trainer auszeichnen. Er hat nie von fehlender Anerkennung gesprochen. Er hat nie die öffentlichen Diskussionen missbraucht und für sich die Opferrolle reklamiert. Sondern sich stets auf seine Arbeit konzentriert.

Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Der Matchwinner des Abends: Basel's Mohamed Salah.
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Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Basel's Mohamed Salah (L) in Aktion gegenChelsea's Eden Hazard.
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Basel's Geoffroy Serey Die gegen Chelsea's Eden Hazard.
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Chelsea's Fernando Torres (R) gegen Basel's Kay Voser.
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Basel's Marco Streller (L) und Chelsea's Branislav Ivanovic
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Chelsea's Fernando Torres kämpft mit Basel's Fabian Schaer um den Ball.
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Basel's Valentin Stocker (l.) im Zweikampf mit Chelsea's Cesar Azpilicueta.
Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013

Champions League: FC Basel gegen FC Chelsea in Basel am 26. November 2013 Der Matchwinner des Abends: Basel's Mohamed Salah.

Auch wenn es die Yakin-Kritiker nicht gerne hören: Der FCB wird sich in der Winterpause kaum von seinem Trainer trennen. Gleichwohl geht es heute auch um Yakins Zukunft. Sollte er als erster Trainer einer Schweizer Klubmannschaft nach Lucien Favre (2001 setzte sich Servette gegen Hertha Berlin durch) einen deutschen Vertreter eliminieren, würde ihn dieser Coup beim FCB fürs Erste unentlassbar und in der Bundesliga – wohl auch auf Schalke – zu einem interessanten Mann machen.

Schalkes-Keller schon weg?

Ausgerechnet beim heutigen Gegner Schalke wird in den nächsten Tagen ein Trainerjob frei, wenn man den langjährigen Beobachtern glaubt. Streller meint zwar, dass sich Jens Keller noch jedes Mal befreien konnte, wenn er das Messer am Hals gespürt hat. Aber Fakt ist auch, dass Keller unentwegt um Anerkennung, seinen Ruf und seinen Job kämpft, seit er vor einem Jahr vom Nachwuchs- zum Cheftrainer aufgestiegen ist. Als Nachfolger von Keller wird derzeit Thomas Schaaf gehandelt. Yakin hat aber die Möglichkeit, heute in der Veltins-Arena seine Visitenkarte abzugeben.

Im Cup ist Schalke gegen Hoffenheim ausgeschieden. In der Liga beträgt der Rückstand auf einen Champions-League-Platz sieben Punkte. Verständlich, dass im Fussball-Tollhaus Schalke die Nerven blank liegen. Wie blank, dokumentiert auch eine Geschichte jenseits des Rasens. Das ZDF, das jeweils am Mittwoch ein Champions-League-Spiel überträgt, hat Schalke in dieser Saison noch nie berücksichtigt und wird heute das Spiel der Dortmunder in Marseille übertragen. Die Begründung: «Dortmund spielt den attraktiveren Fussball und die Quoten sind besser.» Prompt reagierten die Königsblauen mit einem Boykott. Nach dem 3:0 gegen Stuttgart durfte kein Spieler mit dem ZDF sprechen. Manager Horst Heldt sagte: «Wir finden es nicht attraktiv genug, mit denen zu sprechen.»

Lockerheit und Demut

Schalke ist Mythos und launische Diva zugleich. Aber Schalke ist Deutsch. Und Deutsch ist stark. Im Fussball meist zu stark für die Schweizer. Mit Blick auf die Statistik könnte man von einem Deutschland-Komplex sprechen. Heusler spricht von einem tiefen Wunsch, diesen Komplex zu durchbrechen. «Gegen Bayern München ist uns das nur zur Hälfte gelungen.» Nach dem heroischen 1:0 setzte es in München eine 0:7-Pleite ab. «Bayern ist ein anderes Kaliber», sagt Streller.

«Wir waren in München verkrampft. Aber an dieses Spiel sollten wir nicht mehr viele Gedanken verschwenden.» Sowieso sei er zuversichtlich für die Partie gegen Schalke. Warum? «Weil wir jetzt stets bereit sind, wenn es um etwas geht. Weil wir es meist schaffen, Lockerheit und Aggressivität in der Balance zu halten. Und weil Schalke mehr fürs Spiel machen muss als in Basel. Aber man muss auch mit der nötigen Demut ins Spiel gehen. Denn wir spielen gegen ein Team, das normalerweise besser ist als wir.»