Bundesgericht
Auch vor Bundesgericht gibts keine Gnade für Verkehrsrowdy

Betrunken und unter Drogeneinfluss durch die Stadt zu rasen ist höchstrichterlich gesehen eine Gefährdung von Leben.

Urs-Peter Inderbitzin
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Ein Verkehrsrowdy wurde vor dem Appellationsgericht verurteilt. Weil er Einspruch erhob, kam der Fall vors Bundesgericht aber auch dort blitzte er ab.

Ein Verkehrsrowdy wurde vor dem Appellationsgericht verurteilt. Weil er Einspruch erhob, kam der Fall vors Bundesgericht aber auch dort blitzte er ab.

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Unter Alkohol- und Kokaineinfluss hat ein Lenker ohne Führerausweis seine Insassen durch eine Horrorfahrt skrupellos in Lebensgefahr gebracht. Jetzt hat er aus Lausanne dafür die Quittung bekommen.

Die fünf Mitfahrer werden die Horrorfahrt in der Nacht vom 16. auf den 17. November 2013 nie mehr vergessen. Damals lenkte ein junger Mann nach einem Diskobesuch trotz fehlender Fahrberechtigung und mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,46 Promille ein Fahrzeug, in welchem fünf anstatt der maximal erlaubten vier Mitfahrer sassen. Die vier Personen auf dem Hintersitz waren dementsprechend nicht vorschriftsgemäss angegurtet. Als ihnen ein Patrouillenfahrzeug zuerst mit eingeschaltetem Blaulicht und danach auch mit eingeschaltetem Martinshorn folgte, brannten beim Lenker die Sicherungen durch.

Panische Schreie im Auto

Der Lenker beschleunigte seine Fahrt entlang der Autobahneinfahrt A3 in Richtung St. Johannes-Tunnel stark. Er behielt diese übersetzte Geschwindigkeit bei, obwohl er realisierte, dass die Beifahrerin befürchtete, er könnte in dem unmittelbar folgenden Kurvenabschnitt die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren. Auch die restlichen Mitfahrer begannen, panisch zu schreien.

Daraufhin vollzog der Kamikazefahrer einen abrupten Spurwechsel auf den rechten Fahrstreifen, wodurch es ihm gelang, das Polizeifahrzeug abzuhängen. Dabei geriet der Wagen allerdings so stark ins Schleudern, dass er nur noch mit den rechten Rädern Bodenkontakt hatte und mit der Dachreling über eine längere Strecke der Tunnelwand entlang schrammte.

Risiko eines schweren Unfalles

Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt verurteilte den Verkehrsrowdy wegen dieses und weiterer Vorfälle in zweiter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten bedingt sowie zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 80 Franken. Dagegen erhob der Lenker Beschwerde ans Bundesgericht. Er verlangte, vom Hauptvorwurf - der mehrfachen Gefährdung des Lebens - freigesprochen und milder bestraft zu werden.

Damit ist er in Lausanne vollumfänglich abgeblitzt. Für die Bundesrichter brachte der Lenker mit seiner unkontrollierten und zu schnellen Fahrt seine Insassen in Lebensgefahr, zumal er auch unter Alkohol- und Kokaineinfluss stand. Das Risiko eines schweren Unfalles mit tödlichen Folgen war ausserordentlich hoch. «Es ist einzig dem Zufall zu verdanken, dass die Kollision keine schwerwiegenden Folgen hatte», meint das Bundesgericht.

Klar ist auch, dass der Lenker skrupellos gehandelt hatte: Er brachte bloss aus Angst vor Konsequenzen seines unverantwortlichen Handelns, mithin aus eigennützigen Motiven, mehrere Menschen in Lebensgefahr. Es ging ihm nur darum, sich der drohenden Polizeikontrolle um jeden Preis zu entziehen.

Die Verurteilung wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens ist deshalb nach Meinung des Bundesgerichts zu Recht erfolgt. Der Lenker muss die Gerichtskosten von 3000 Franken bezahlen.