«Alles neu» sollte heissen: alles besser. Mit diesem Slogan startete der Regionalsender Telebasel in ein neues Zeitalter. App, Online, Kurzfutter, Style. Nach einem halben Jahr weiss man: Ein Viertel der Zuschauer stellt Telebasel seither nicht mehr ein. Zu den enttäuschten Zuschauern gehört auch Erziehungsdirektor Christoph Eymann (LDP): «Das neue Programm ist für mich unübersichtlich. Es kommt wirr daher», sagt er zur bz. Das finden auch Kommentatoren in Onlineforen. Viele trauern ausserdem der abgesetzten News-Sendung «7vor7» nach.

Nun äussern sich nach Guy Morin erstmals auch andere Regierungsräte zur Wandlung des subventionierten Lokalsenders. Als Regierungsmitglied müsse er sich breit informieren, sagt Christoph Eymann. Das tue er gezielt, was zum Glück technisch möglich sei. «Sonst würde ich Telebasel gar nicht mehr schauen. Ich schalte den Sender weniger oft ein als früher.»

Weniger kritisch äussert sich Wirtschafts- und Medienminister Christoph Brutschin (SP). Ihm gefalle der neue Look. «Ich habe Telebasel früher gelegentlich geschaut und mache das weiter in gleichem Ausmass», sagt er. Eher schwer tue er sich mit den kürzeren News-Beiträgen. «Hier wünschte ich mir Raum für etwas mehr Vertiefung.»

Weniger Tiefe, falsche Prioritäten

Im Gegensatz zu seinen Regierungskollegen verbindet Brutschin mehr mit dem Sender als gelegentliche Auftritte im «Salon Bâle», der jetzt «Sonntags-Talk» heisst: Brutschin präsidierte bis 2012 die Stiftung Telebasel, die damals noch die Stiftung Kabelnetz war. Selber sitzt er nicht mehr in dem Gremium, sein enger Mitarbeiter Samuel Hess aber hat einen wichtigen Posten: Er ist nicht nur Stiftungsrat, sondern gehört auch der mächtigen Delegation an.

Der aktuelle Stiftungspräsident Roger Thiriet nimmt den Publikumsschwund gelassen: Man habe erwartet, dass der Relaunch zu einem «vorübergehenden Zuschauerrückgang im Bereich TV-Nutzung» führe. Online nehme die Nutzung zu. Es sei bedauerlich, dass sich nicht alle Zuschauer des «alten» Telebasel angesprochen fühlten. «Da müssen wir durch», sagt Thiriet. Die «zukunftsgerichtete Strategie» werde nicht infrage gestellt. Wobei damit nebst dem modernen Look vor allem der besser bewirtschaftete Online-Auftritt gemeint sein dürfte. Hier bietet Telebasel mehr, der TV-Sender selber bietet weniger als vorher. Das lässt sich unter anderem an der geringeren Anzahl Sendungen messen. Aber nicht nur: Christoph Eymann bedauert, «dass das Wissen über Basel und die Region einiger Redaktoren nicht besser genutzt wird für Beiträge». Die Kenntnisse über wichtige Zusammenhänge fehlten oft.

Das sieht auch der ehemalige Telebasel-Chefredaktor Willy Surbeck so. Für ihn ist «die Anzahl täglich abgebildeter Personen und Themen» etwas vom Wichtigsten. Die Verantwortlichen wendeten die «umgekehrte Prioritätenabfolge» an, indem sie etwa Verpackung und Vertriebskanäle wichtiger werteten als journalistische Inhalte.

Auch das ehemalige Aushängeschild Mirjam Jauslin verfolgt die Entwicklung ihres Ex-Arbeitgebers kritisch. Für sie geht mit der Reduktion des bewegten Bildes ein Stück Kulturgut verloren. «Ich befürchte, das Fernsehkerngeschäft verliert zunehmend an Wichtigkeit. Dazu gehört die Dokumentation zentraler Ereignisse und Geschehen in der Region. Je kürzer die Berichte, um so mehr schrumpft das Archiv der bewegten Bilder.» Mehr möchte sie nicht sagen. Sie ist glücklich in ihrem neuen Job bei der Stiftung Jugendsozialwerk.

Mitarbeit: Samuel Hufschmid