Bisher hat das Testgerät immer nur kurz grün aufgeleuchtet, aber jetzt piepst es zum ersten Mal am Abend wie verrückt. Endlich ist den Polizisten einer in die Falle getappt. Endlich wird es spannend. «Fahren Sie bitte links auf den Parkplatz, Sie haben Alkohol getrunken», sagt einer der beiden anwesenden Beamten. Rolf Stalder greift ans Lenkrad und rollt sein Geschäftsauto zur angewiesenen Stelle. «Ich hatte ein Feierabendbier um halb sechs», sagt er. Das ist jetzt mehr als zwei Stunden her. Dennoch ist Stalder nervös, als er einem der Polizisten Führerausweis und Fahrzeugpapiere zeigt.

Kurz darauf ist dessen Kollege mit einem genaueren Testgerät zurück. Diesmal muss Stalder nicht noch wie beim ersten Mal einfach nur Luft in ein Loch pusten, sondern das Plastikstück in den Mund nehmen und länger blasen. Sein erster Versuch reicht nicht. Gibt er absichtlich zu wenig Luft, in der Hoffnung so die Promillezahl zu verringern?

Der Anspannung folgt Freude 

Nein. Im zweiten Anlauf klappt es, und das Gerät zeigt 0,01 mg/L an, was in etwa 0,02 Promille entspricht. 0,24 mg/L beziehungsweise 0,49 Promille wären gerade noch erlaubt. Stalder hat mit seinem einen Feierabendbier tatsächlich die Wahrheit erzählt und ist fahrtüchtig. «Logisch ist man immer unsicher, wenn man etwas getrunken hat und in eine Kontrolle gerät», erklärt Stalder anschliessend seine Nervosität. Obwohl er jetzt etwas später zum Tanztermin mit seiner Frau erscheint, ist Stalder den Polizisten nicht böse: «Solche Kontrollen machen Sinn.»

Sowieso ist die Laune bei den Kontrollierten viel besser als erwartet. Die meisten freuen sich, blasen zu dürfen und nach dem Aufleuchten der grünen Lampe mit einem kleinen Feierabenderlebnis weiterzufahren. Ausserdem bekommen alle Kontrollierten einen kleinen Anhänger geschenkt. «Das gehört zur Prävention», sagt Einsatzleiter Albin Hugentobler. Die gesamte Kontrollaktion dient viel mehr dem Vorbeugen als dem Schnappen von Sündern. Das Ziel der Kantonspolizei Basel-Stadt ist, Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu minimieren. «Unsere Kontrollen sprechen sich herum. Wenn alle das Gefühl haben, jederzeit und überall in eine Alkoholkontrolle zu geraten, fahren sie erst gar nicht unter Alkoholeinfluss los», erklärt Hugentobler.

Ein grosses Glas Wein

Beepbeepbeep. Wieder wird ein Autofahrer zur Seite gebeten. Diesmal ist es Sara, die ihren schicken Mercedes abstellt und ein zweites Mal blasen muss. Ein Glas Wein sei es gewesen, und die Messung gibt ihr recht: 0,24 Promille. «Das muss ein ziemlich grosses Glas Wein gewesen sein», sagt der Beamte und weist Sara darauf hin, dass sie zwar fahrtüchtig, ihre Reaktionsfähigkeit aber trotzdem beeinträchtigt sei.

Kaum ist die Blondine davon gefahren, haben die Polizisten den nächsten Alkoholfahrer erwischt. Bei Benedikt Hartel messen die Beamten 0,32 Promille. Rekord für diesen Abend. Dem deutschen Wochenaufenthalter ist die Kontrolle eine Lehre. «Ich hätte nicht erwartet, dass der Wert schon so hoch ist», sagt er.

Nach knapp zwei Stunden, pünktlich mit dem einsetzenden Regen, beenden die Polizisten die Kontrolle, ohne dass ihnen ein Sünder ins Netz gegangen ist. Insgesamt hat die Polizei an zwei Standorten im Gundeli 405 Fahrzeuge kontrolliert. 15 Mal piepste das Alkoholtestgerät, doch eine Busse gab es nur für zwei Personen, die nicht angeschnallt waren. «Als Polizist willst du natürlich immer einen schnappen, aber eigentlich sind solche Abende wie heute ja perfekt», sagt Hugentobler, der sich auf sein Feierabendbier freut. Aber erst nach dem Heimfahren.