Spitalfusion

Auf ambulant getrimmt: Wie sich der Standort Bruderholz verändert

Auf einem Rundgang wollte Jürg Aebi aufzeigen, wie sich das viel kritisierte Bruderholzspital schon jetzt verändert hat – und wie ein Ja zur Fusion von KSBL und USB am 10. Februar den Standort weiter transformieren würde.

Kurz vor Weihnachten war es endlich so weit: Jürg Aebi legte sich am Bruderholzspital unters Messer. Der CEO des Kantonsspitals Baselland (KSBL) liess sich ambulant eine Metallplatte im Knie entfernen, auf die er seit einem Unfall vor mehreren Jahren angewiesen gewesen war.

Am Montag dann sass Aebi im Anästhesiebereich, um sich die Fäden herausnehmen zu lassen. «Ich kam zur vereinbarten Uhrzeit und musste überhaupt nicht warten», sagt er stolz. Diese Anekdote erzählte Aebi gestern vor versammelter Presse natürlich nicht ohne Grund. Sie diente ihm als Beleg dafür, wie gut am Standort Bruderholz der ambulante Bereich bereits heute aufgestellt ist. Und bevorzugt behandelt sei er als Chef auch nicht worden, versicherte er.

Bettenturm verschwindet so oder so

Im Schlepptau hatte Aebi den Direktor des Universitätsspitals Basel (USB), Werner Kübler. Gemeinsam wollten sie auf einem Rundgang aufzeigen, wie das viel kritisierte Bruderholzspital sich schon jetzt verändert hat – und wie ein Ja zur Fusion von KSBL und USB am 10. Februar den Standort weiter transformieren würde, bis hin zur gemeinsamen Tagesklinik für ambulante Eingriffe sowie dem Zentrum für Orthopädie und Rehabilitation des Universitätsspitals Nordwest.

Etwas wird schnell klar: Der marode Bettenturm mag zwar noch auf dem Hügel über Basel thronen, doch seine Tage sind gezählt – egal, ob die Stimmbürger aus Stadt und Land die Spitalfusion annehmen oder ablehnen. Die Gebäudeversicherung bewilligt eine Nutzung aus Sicherheitsgründen nur noch bis 2025.

«Den Turm bei einem Nein zu sanieren, wäre viel zu teuer», sagt Aebi. Da es aber ohne die Kapazitäten des USB weiterhin einige stationäre Betten auf dem Bruderholz bräuchte, müsste ein Neubau unbekannten Ausmasses her. Aebi betont zwar, dass der Verwaltungsrat des KSBL einen Plan für den Fall eines Volks-Neins erarbeitet habe.

In die Karten blicken lassen wollen sich die Verantwortlichen aber erst nach der Abstimmung. «Es wäre auf jeden Fall nur die zweitbeste Lösung», sagte Kübler dazu bloss. Etwas liess Aebi dann aber doch durchschimmern: «Für das KSBL würde es zum Problem, die drei Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen aufrechtzuerhalten.»

Venenzentrum will expandieren

Mit dem in den vergangenen zwei Jahren vorangetriebenen ambulanten Konzept am Bruderholzspital zeigen Aebi und Co. aber, dass sie nicht tatenlos waren. Ja, es stellt sich sogar die Frage, ob die Transformation zur Tagesklinik nicht auch ohne Fusion erfolgreich sein könnte. Schliesslich ist schon Vieles vorhanden.

Stolz führten vier Chefärzte durch ihre ambulanten Bereiche: So Lukas Fischler, der die seit zwei Jahren in Betrieb stehende Aufenthaltszone der Anästhesie vorstellte, die besonders kurze Wege zu den OP-Sälen hat. Noch hat der Bereich direkte Zugänge auch für stationäre Patienten. «Heute kommen wir alleine noch nicht auf die Fallzahlen, um die Infrastruktur rein ambulant auszulasten», sagt Fischler. 2018 seien hier rund 1500 Patienten ambulant behandelt worden. Stossen die ambulanten Patienten des Unispitals dazu, sei mit 5000 Fällen im Jahr zu rechnen, so Kübler. Aus den heute sechs OP-Sälen sollen nach der Fusion acht bis neun werden.

Orthopädie-Co-Chefarzt Karl Stoffel wies darauf hin, dass trotz der Zentralisierung seiner Disziplin aufs Bruderholz die meisten Vor- und Nachuntersuchungen weiter in Liestal, Laufen oder Basel gemacht werden könnten. Bloss der Eingriff finde hier statt. Philip Tarr von der medizinischen Uniklinik des Bruderholz zeigte, wie die Wege von Ärzten und Patienten konsequent getrennt würden.

Und Christoph Koella führte durch das Venenzentrum, das erst seit drei Monaten in Betrieb ist. «Venenchirurgie läuft heute ambulant, darauf haben wir reagiert», sagt er. Und man werde förmlich überrannt, habe seit dem Start schon über 100 Patienten behandelt. Das Zentrum sei durch seine Fokussierung günstiger und attraktiver.

Ohne Fusion wieder Konkurrenten

Koella denkt bereits weiter: «Unser Ziel ist, das Venenzentrum beider Basel zu werden.» Gespräche mit den USB-Kollegen liefen, drei weitere Behandlungsräume seien für den Fall eines Fusions-Ja prophylaktisch reserviert.

Was die Spitalfusion letztlich am Standort Bruderholz vor allem verändert, sind die Fallzahlen. Jene Grösse also, mit der auf dem modernen Gesundheitsmarkt alles gemessen wird. «Das KSBL hat den ambulanten Weg so weit getrieben, wie es alleine möglich ist», sagt Aebi. Sechs bis acht Millionen Franken habe man investiert. «Zentral ist in Zukunft, sortenreines Operieren, also Eingriffe derselben Art, in genügender Zahl hinzubekommen», sagt Kübler, und ergänzt: «Das können wir nur miteinander.»

Gerade in der hart umkämpften lukrativen Orthopädie ist ungewiss, ob die beiden Häuser KSBL und USB auch ohne Fusion derart zusammenarbeiten würden. «Wir müssten es schon gut anschauen, ob wir als Unispital auf diese Disziplin verzichten könnten», so Kübler vielsagend.

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