Zum «Waschtag» von Baschi Dürr
Auf Dauer reicht es nicht, nur Schaum zu schlagen

Baschi Dürr schaffte es mit der Aussage, auch als Regierungsrat noch Hausmann sein zu wollen, dass die ganze Schweiz über ihn spricht. Beim PR-Trara geht aber vergessen, dass Dürr im Wahlkampf gekonnt politischen Stellungnahmen aus dem Weg geht.

Matthias Zehnder
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In Schieflage: PR-Profi Baschi Dürr sollte nach dem Wahlkampf-Schaum Substanz folgen lassen.

In Schieflage: PR-Profi Baschi Dürr sollte nach dem Wahlkampf-Schaum Substanz folgen lassen.

Juri Junkov

Baschi Dürr will auch als Regierungsrat jeweils am Freitagmorgen zu Hause bleiben und einen Waschtag einschalten. Mit dieser einfachen Botschaft hat es der 35-jährige FDP-Mann geschafft, die Titelseite der «NZZ am Sonntag» zu knacken. Mittlerweile debattiert die halbe Schweiz darüber, ob sich in Basel ein Regierungsrat ein paar Stunden Zeit für die Wäsche nehmen darf.

Dabei geht vergessen, was Baschi Dürr von Beruf ist: PR-Mann. Er arbeitet für das Basler Büro der PR-Agentur Farner. Das Motto der Agentur, nachzulesen auf deren Website, lautet: «Nicht die Tatsachen, sondern die Meinungen über die Tatsachen bestimmen das Zusammenleben.» Genau dieses Motto des griechischen Philosophen Epiktet scheint sich Baschi Dürr zu Herzen genommen zu haben: Anstelle einer harten Diskussion über Fakten haben wir eine arg weichgespülte Diskussion über Baschis Waschtag.

Die Journalisten, welche über «Waschi» Dürr kalauern und den angeblich geplanten Waschtag harsch diskutieren, reagieren wie in der PR-Strategie vorgesehen – genauso, wie Finanzdirektorin Eva Herzog, welche den Waschtag durch ihre Empörung erst recht zur Geschichte macht. Hätte sie mit den Schultern gezuckt und das Vorhaben als PR-Gag abgetan, wäre die Story nicht halb so schön gewesen.

Dabei gehen leider zwei Dinge vergessen. Erstens: Der viele Schaum, den die Presse rund um den Waschtag von Baschi Dürr geschlagen hat, verdeckt die Tatsache, dass er sich kaum zu seiner Arbeit als Regierungsrat geäussert hat. Er hat zwar Regierungspräsident Guy Morin kritisiert, dass Dürr dessen Nachfolge antreten kann, ist indes unwahrscheinlich.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass Dürr der neue Basler Sicherheitsdirektor wird. Zu Sicherheitsfragen nimmt er aber nicht oder nur sehr schwammig Stellung. Begründung: er sei ja noch nicht Regierungsrat. Das ist eine Ausrede. Wähler brauchen Stellungnahmen zu aktuellen Fragen, bevor sie jemanden wählen.

Zweitens: Die launige Diskussion rund um den Waschtag macht vergessen, dass in der Schweiz tatsächlich Probleme hat, wer Arbeit und Kinder miteinander verbinden will. Zum einen fehlen nach wie vor Kinderbetreuungsangebote, zum anderen haben Kinder in der Schweiz nicht den gesellschaftlichen Stellenwert, der ihnen eigentlich gebührt. So lässt sich noch die kleinste Renovationsarbeit an einem Haus steuerlich abziehen, während Ausgaben für die Ausbildung der Kinder über den Pauschalabzug hinaus kein Thema sind.

Berufstätige Väter und Mütter werden zudem Meister im Erfinden von wichtigen Terminen, wenn sie sich um ihre Kinder kümmern möchten. Denn in einer Schweizer Firma gilt: Wer einen Termin mit seinem Architekten/Notar/Visagisten hat, ist entschuldigt, wer etwas von Kindergeburtstag oder Kindertheater sagt, erntet hochgezogene Augenbrauen.

Dass Baschi Dürr seine PR-Fähigkeiten unter Beweis stellt und uns einen Waschgang nach dem anderen beschert, ist nicht verwunderlich. Es ist sein Beruf. Vorzuwerfen ist ihm, dass er damit die wichtigen Diskussionen über seine politische Haltung und über Kinderfragen vernebelt.

So oder so wird Baschi Dürr nächstes Wochenende wohl zum Sicherheitsdirektor gewählt. Er gewinnt damit nicht eine politische Ausmarchung, sondern punktet nach einem Kommunikationsfeldzug. Auf Dauer reicht das kaum: Auf den Wahlkampf-Schaum muss Substanz folgen. Wie auch immer: Der Regierungsrat wird künftig über einen brillanten PR-Mann verfügen. Journalisten: Hütet euch!