Öffentlicher Verkehr

Auf dem Abstellgleis: Sinkende Passagierzahlen bei den BLT-Trams sind ein Trend

Auch die grünen Drämmli verzeichnen seit Jahren einen Passagier-Rückgang.

Auch die grünen Drämmli verzeichnen seit Jahren einen Passagier-Rückgang.

Die sinkenden Passagierzahlen in den BLT-Trams sind kein statistischer Ausreisser, sondern ein Trend.

 Die BLT hat am Montag einen Rückgang ihrer Trampassagiere um 2,2 Prozent bekannt gegeben. Als Grund nannte das Transportunternehmen den langen und schönen Sommer 2018 sowie die Konkurrenz durch neue Mobilitätsformen wie Velo- und Trottinett-Verleihsysteme. Dabei verraten die Geschäftsberichte vergangener Jahre: Der Rückgang bei Tram-Passagieren ist keinesfalls wetter- und schon gar nicht trottinettabhängig, sondern schreitet zwar in kleinen Schritten, aber stetig voran. Und dies trotz gleichzeitigen Bevölkerungswachstums. So sind beispielsweise 2013 durchschnittlich über 50'000 Fahrgäste in ein 6er-Tram eingestiegen; im vergangenen Jahr waren es noch 43'600. Ähnliches gilt für weitere Linien: Die einzigen markanten Anstiege bei den Tram-Passagierzahlen wurden durch Verlängerungen erzielt (siehe Tabelle, Linie 8 im Jahr 2015).

Alain Groff, Leiter Amt für Mobilität Basel-Stadt, sagt: «Die beiden vergangenen Jahre waren tatsächlich schwierig für den öV. Die Gründe dafür sind vielfältig, etwa die warmen Sommer, die zum Velofahren animierten, aber auch die vielen Baustellen. Zudem merken die öV-Anbieter schweizweit, dass mit der letzten Tariferhöhung 2017 bei gewissen Teilen der Bevölkerung eine Grenze erreicht worden ist.»

Dennoch sei der Ausbau des Tram-Systems, wie er in Basel geplant sei, extrem wichtig für die Zukunft. «Es gibt kein Verkehrsmittel, das auch nur annähernd so effizient mit dem städtischen Raum umgeht wie Trams.» Daran würden auch selbstfahrende Autos oder Sammeltaxis nichts ändern. «In einem gutbesetzten Tram kreuzen innert weniger Sekunden 180 Menschen eine Strasse. Selbst gutbesetzte und untereinander vernetzte Autos brauchen dafür mehrere Minuten.» Deshalb sei es wichtig, jetzt in den Ausbau des Tramnetzes zu investieren und es fit zu machen für die Zukunft.

Welchen Einfluss die Konkurrenz auf zwei Rädern jetzt schon hat und künftig noch haben wird, ist kaum absehbar. Sicher ist, dass sich «Pick-e-Bike» und Co. mit günstigen Preisen Zugang zum Markt verschaffen. So sind viele Strecken heute per E-Bike oder E-Trottinett günstiger zurückzulegen als mit Tram und Bus.

Und der Markt boomt: Mit «Seven» hat sich vor wenigen Tagen ein vierter Trottinett-Anbieter beim Kanton registriert, was die maximale Anzahl Fahrzeuge auf 800 steigert. «Pick-e-Bike» hat seit einigen Wochen nebst 250 E-Bikes auch 60 elektrische Motorräder im Angebot, die 35 Rappen pro Minute kosten und für zwei Personen zugelassen sind. Auch die Tarife für Catch-a-Car-Mietautos und Uber können auf gewissen Strecken und bei guter Auslastung der Fahrzeuge dem öV das Wasser reichen – so auf der Fahrt an den Euroairport, die durch die Einführung einer zusätzlichen dritten Zone auf Anfang Juni nochmals teurer wird.

Preise geraten unter Druck

Groff bestätigt, dass der Druck auf die öV-Preise durch die Konkurrenz zugenommen hat. Allerdings sei der Kanton nicht zuständig für die Tarifgestaltung. Versuche in der Vergangenheit, ein günstigeres Stadt-Abo als Alternative zum U-Abo anzubieten, seien politisch im Keim erstickt worden. «In Bezug auf öV-Tarife und Ticketsysteme steht jedoch mit der Digitalisierung ein Quantensprung an, der vergleichbar ist mit der Einführung des U-Abos vor 35 Jahren.» Es gebe bereits Smartphone-Apps, die automatisch alle Fahrten erfassen und mit denen neue Preismodelle möglich werden – nicht nur die bisher bekannten Vergünstigungen für Tages-, Monats- und Jahreskarten. «Die Stadt Göttingen hat beispielsweise einen Luftlinien-Tarif eingeführt, der ganz ohne Zonen funktioniert. Viele weitere solcher Innovationen werden folgen und bieten neue Möglichkeiten, das Nutzen des öV noch einfacher und bequemer zu machen.»

Dasselbe Bild in anderen Städten

In Bern ist die Anzahl Tram-Fahrgäste im vergangenen Jahr ebenfalls zurückgegangen, was gemäss Medienstelle mit einer Grossbaustelle zusammenhängt. In den Jahren zuvor wurde jeweils ein leichtes Wachstum registriert.

Die Medienstelle der Zürcher Verkehrsdienste gibt an, dass die Tram-Passagierzahlen seit 2015 leicht abgenommen hätten, was allerdings hauptsächlich mit zusätzlichen Direktverbindungen zu tun habe, etwa mit der S-Bahn-Durchmesserlinie oder neuen Busverbindungen, die ehemalige Tram-Passagiere nun schneller ans Ziel bringen.

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