Eigentlich war alles angerichtet. Der Einlauf der Spieler, begleitet von einer Choreo des ganzen Stadions sorgte für einen ersten Höhepunkt am Sonntagnachmittag. Während des Spiels waren Tore dann jedoch genauso Mangelware wie die grossen Emotionen. So brachen mit dem Schlusspfiff keine Dämme. Zu routiniert ist das Prozedere, zu gewiss war der Gewinn des sechsten Meistertitels in Serie. Das wussten sogar die mitgereisten Berner Fans. Während die Basler jubelten, hielten sie ein Spruchband mit Schmähsprüchen hoch – auch sie hatten also schon vor dem Spiel damit gerechnet, dass der FC Basel am Sonntag einen neuen Titel in sein Palmares einreihen würde.

Basel ausser Rand und Band

Basel ausser Rand und Band.

Dabei ist die spontane Meisterfeier eigentlich die bessere, stünde sie nicht schon seit mehreren Spielen fest. Die jubelnden Fans, das Pyro-Meer, die Sprechchöre und das Ausrufen der Spieler findet ja immer zweimal statt. Wann alles klar ist, wenn der Meistertitel wirklich Realität ist, nicht bei einem durchchoreografierten Einzug der Spieler auf Tri-Bikes und mit einer Gugge, entlädt sich die rot-blaue Freude am besten.

Doch obwohl die Dramatik des Saisonfinals kein Gänsehaut-Thriller bot, strömten die Fans auch dieses Jahr wieder zu Tausenden vor den Balkon des Papa Joe’s, angeheizt durch Fussball-Hymnen von Radio Basilisk. Da und dort war zu vernehmen, dass trotz oder vielleicht eher wegen der sportlich beeindruckenden Konstanz des FCB die ganz grosse Euphorie nicht auszubrechen vermag.

Da brauchte es Captain Marco Streller, der Lied um Lied anstimmte und dem Barfi einheizte und sogar FCB-Präsident zum Zünden einer Pyro-Fackel aufforderte. Früher als sonst, schon um 20.30 Uhr trat die Mannschaft auf die Balustrade vor dem Stadtcasino und sang «In dr Tabälle sin no Plätzli frei grad wytr hinde», den Schnitzelbangg des verstorbenen Karli Schweizers alias Striggedde. Die Fans huldigten ihrem Captain, indem sie ihn zum Rücktritt vom Rücktritt aufforderten. Dieser ging jedoch nicht darauf ein und konzentrierte sich stattdessen darauf, seine Team-Kollegen vorzustellen. Vor allem Youngster Breel Embolo, Altmeister Matias Delgado und Topscorer Shkelzen Gashi schienen hoch in der Gunst der Fans zu stehen. «Eine Meisterfeier ist vor allem auch für die Mannschaft, weniger für die Fans», meinte dazu ein FCB-Supporter.

Sechs mal den Titel in Serie – nicht einmal der Gewinn des Doubles kann hier noch einen richtigen Reizpunkt setzen. Thema ist dafür vielerorts etwas anderes: Wenn niemand diesen FCB zurück zu reissen vermag, greift er schon bald nach dem zweiten Stern. 18 Meisterschaftstitel hat der FCB nun im Palmares. Noch zwei Titel – einige sagen scherzhaft einfach zwei Jahre – fehlen, bis sich die Trikotschneider neue Gedanken machen dürfen.