Dreispitz
Auf dem Dreispitz gibt es doch keine Schule nur für Flüchtlingskinder

Im Januar sollen die ersten Bewohner in die neue Modulbausiedlung für Geflüchtete auf dem Dreispitz einziehen. Der Plan, dort Flüchtlingskinder getrennt von anderen zu unterrichten, sorgt für Irritation.

Daniela Gschweng
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Aktuell befindet sich die Modulbausiedlung auf dem Dreispitz im Bau.

Aktuell befindet sich die Modulbausiedlung auf dem Dreispitz im Bau.

Daniela Gschweng

Gedacht sei die Modulbausiedlung für Geflüchtete auf dem Dreispitz vor allem für Familien, so der Kanton Basel-Stadt, also auch Kinder. Für Kinder im Primarschulalter, erfuhr man im Oktober, sei vor Ort eine eigene Schule geplant. Der Schulweg für einen Besuch der Regelschulen sei für kleinere Kinder zu lang, argumentierte das Erziehungsdepartement – dabei ist die Thiersteinerschule gerade mal einen Kilometer entfernt. Überdies sei in den umliegenden Schulen kein Platz, so Christian Griss, Leiter Dienste beim Erziehungsdepartement (ED), auf einer Informationsveranstaltung am 16. November.

Die Entscheidung sorgte für Irritation. Wird nicht immer wieder betont, eine schnelle Einbindung sei wichtig für die Integration? Am Ende der Primarstufe sind Kinder etwa 13 Jahre alt. «Schlecht, wenn sie bis dahin völlig isoliert von anderen wären», dachte sich Basta-Grossrätin Beatrice Messerli und reichte eine Interpellation im Parlament ein mit der Frage, ob das wirklich so geplant sei.

Messerlis Meinung deckt sich mit dem Urteil von Lars Wolf, Religionslehrer am Margarethenschulhaus und Mitglied der Planungsgruppe Modulbausiedlung. «Gerade wenn die Pubertät beginnt, ist für Kinder ein denkbar unpassender Zeitpunkt für einen Wechsel», so seine Erfahrung. Gegen eine Eingewöhnungszeit spräche nichts, aber eine «Parallelschule» kommt für ihn nicht infrage.

Das ED beschwichtigt

Nun relativiert das Erziehungsdepartement: Die geplante Schule auf dem Dreispitz sei kein Primarschulersatz. Gedacht sei sie eher für Einstiegsklassen, die maximal ein Jahr dauern sollen, sagt Dieter Baur, Leiter Volksschulen Basel-Stadt auf Nachfrage. «Dass man Kinder möglichst früh in Regelklassen einschulen sollte, finden wir beim Erziehungsdepartement auch», betont er. «Soweit sie dazu in der Lage sind», fügt er hinzu. «Es kommt auf das Alter an», sagt Karin Vaneck, Schulleiterin der Thiersteinerschule, die der Modulbausiedlung am nächsten liegt. Drittklässler beispielsweise könnten kurze Wege alleine finden, wenn man es mit ihnen übe. «Meiner Ansicht nach ist das das kleinste Problem, da fände sich ein Weg», ist sie überzeugt. Auch Kinder, die in der Nähe der zukünftigen Dreispitzsiedlung wohnen, kämen ja jetzt in den regulären Unterricht. Einstiegsklassen gibt es im Thiersteinerschulhaus wiederum gar nicht, sondern nur eine sogenannte «Verbundklasse» für Kinder, die schon länger in der Schweiz leben und wenig Deutsch sprechen sowie Kinder von Expats.

Die nächsten Gruppen sind im etwas weiter vom Dreispitz entfernten Margarethenschulhaus. Sie umfassen derzeit drei und fünf Kinder. Acht bis 14 Kinder», so Baur, sind maximal vorgesehen. Wie viele genau, hängt vom Einzelfall ab. «Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Kind im Kindergartenalter, zwei Erstklässler und vier Sechstklässler und müssen alle unter einen Hut bringen», sagt Vaneck. Auch für die Kinder sei das eventuell einfach zu anstrengend, ergänzt Lars Wolf.

Wie viele werden kommen?

Auf Nachfrage wird klar: Man führt eine mehr oder weniger hypothetische Diskussion um Kinder, die es derzeit gar nicht gibt. «Aufgrund von Prognosen von 2015 haben wir etwa 30 Kinder erwartet, die direkt aus einer Flüchtlingssituation nach Basel kommen», gibt Renata Gäumann, Asylkoordinatorin Basel-Stadt, Auskunft. Inzwischen habe sich die Situation aber entspannt.

Ob Kinder, die schon in Basel wohnen, in die neue Siedlung umziehen werden, weiss Dieter Baur derzeit noch nicht. Sie aus den Schulen zu nehmen, die sie bereits besuchen, wäre «blanker Unsinn», da ist er sich mit Grossrätin Messerli einig. Allenfalls könne man eine Einstiegsklasse als Ganzes auf den Dreispitz verlegen, falls wiederum der Weg für alle Kinder zumutbar sei. Baut der Kanton also ein Schulhäuschen, das voraussichtlich leer stehen wird? «Wir müssen vorbereitet sein», sagen sowohl Gäumann wie Baur. Um 20 bis 30 Kinder, die direkt aus einem Krisengebiet kämen, müsse sich Basel-Stadt ohne grosse Vorwarnzeit kümmern können.