Der Deutsche Hip Hop der Gegenwart lässt sich grob (und ich entschuldige mich jetzt schon für diese Verallgemeinerung) in drei Richtungen einteilen: Die Guten, die das Leben feiern und Allgemeinplätze der menschlichen Befindlichkeit behandeln; die Bösen, die das harte Leben auf der Strasse zelebrieren und mit markigen Worten den Kampf ums Überleben beschreiben; und dann gibt es noch die Intellektuellen, die komplexe Vorgänge zum Inhalt ihrer Texte machen – und dabei eigentlich fast immer zum Mittel des Absurden greifen, um diese erträglich zu halten. Zu dieser letzten Gruppe gehören Käptn Peng und die Tentakel von Delphi.

«Willkommen in den Fängen der Tentakel», dröhnte es zur Begrüssung aus den Boxen und das Publikum war bereits gefangen. Trotz schlechten Wetters war das Rheinbord schon um 19 Uhr besetzt. Als das Konzert begann, war kein Durchkommen mehr. Das lag zum einen sicherlich daran, dass der Käptn bereits einmal in der Region war, im 1. Stock auf dem Walzwerk Münchenstein – zum anderen hat er einige Hits vorzuweisen, die es auch in die Mainstream-Playlists geschafft haben.

Fast schon ein bisschen dada

Erst mal deckte er die Leute aber mit einer gehörigen Salve Sprachwitz und intellektuellem Geblödel ein, dazu spielte die Band easy Reggae Tunes. «Der Kontext habende Songtext kommt jetzt.» In der Tat strotzen seine Texte nur so von Bezügen auf Philosophie, Psychologie und Mathematik. Gerne verdreht er die Perspektive auf die Dinge und beleuchtet sie aus einer unerwarteten Richtung. So in «Der Anfang ist nah», in dem er ausführlich «Hallo» sagt und zugleich komplexe gesellschaftliche Entwicklungen darin verpackt. Zum Auftakt hatte er das Publikum aufgefordert, jeder und jede solle auf vier seinen Namen rufen und die Namen hallten vielstimmig über den Rhein.

Sowieso standen zu dem Zeitpunkt schon fast alle und tanzten. Denn trotz Anspruch spielen die Tentakel eben auch höchst tanzbare Musik – wenn auch nicht immer ganz astrein. Auch der Käptn ist nicht der grosse Sänger, seine Show lebt eher von der Intensität. Wie ein durchgedrehtes Aufzieh-Spielzeug hüpfte er über die Flossbühne: «Das gehört zu den seltsamsten Orten, die wir je betreten haben.»

Seltsam wurde es auch in «Sie mögen sich», einem Lied über zwei Menschen, die als Füchse leben und aus Unzufriedenheit anfangen, sich immer weiter zu verwandeln und plötzlich Konflikte haben, obwohl sie sich doch mögen. Danach kehrte kurz eine leichte Flaute ein, als er einige neue Songs präsentierte. Den einen musste er gar noch vom Textblatt ablesen, was dem Publikumskontakt nicht unbedingt zuträglich war. Am Ende dieses Blocks folgte ein Song über die Zahl Pi, der er die liegende Acht als Zeichen der Unendlichkeit gegenüberstellte. Grossartig wie sich bei ihm Pi quasi in Prometheus wandelt und zum Erschaffer der Menschheit wird. Unendliche Begrenztheit auf 3.14.

Absurde Geschichte einer Socke

Doch irgendwie fehlte diesen Songs die Absurdität, das Schräge. Dazu muss man sagen, dass Peng trotz allem ziemlich ironiefrei ist: Er meint, was er sagt, und zwar genau so. Das ist auf Dauer tatsächlich etwas anstrengend, die Lacher braucht es für die Konsumierbarkeit.

Dazu kehrte er mit «Sockosophie» zurück, der absurden Geschichte einer Socke, der die eigene Sockigkeit vor Augen geführt wird. Schliesslich endete die Feier mit «Platz da!», einem Statement gegen Konformität und Korrektheit. Danke, Käptn!

Festival Im Fluss: Am Montag auf dem Floss: Dabu Fantastic, Schweizer Pop-Soul-Hip-Hop. 21 Uhr. Bei der Mittleren Brücke.