Friedhof
Auf dem Friedhof herrscht Angst vor der Drogenszene

Eine Drogen-Anlaufstelle direkt neben einem Friedhof: Diese Vorhaben ist in Basel eine beschlossene Sache. Mitglieder der Friedhofskommission fühlen sich beim Entscheid übergangen.

Moritz Kaufmann
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Links, wo die Garagen stehen, soll die neue Drogen-Anlaufstelle gebaut werden. Rechts ist der Eingang des Friedhofs Wolfgottesacker.MKF

Links, wo die Garagen stehen, soll die neue Drogen-Anlaufstelle gebaut werden. Rechts ist der Eingang des Friedhofs Wolfgottesacker.MKF

Vor einem Jahr hat der Grosse Rat einen Kredit in der Höhe von 2,65 Millionen Franken genehmigt, um im Dreispitz eine sogenannte Kontakt- und Anlaufstelle zu bauen. Hier sollen künftig bis zu 200 Personen täglich ihrer Sucht in einem sauberen Umfeld nachgehen können. Das neue «Fixerstübli» soll bestehende Drogenlaufstellen in der Innenstadt ersetzen – und grenzt unmittelbar an den Friedhof Wolfgottesacker.

Was bisher niemand wusste: Dieser Standortentscheid wurde in der Friedhofskommission des Kantons überhaupt nicht goutiert. Die Kommission wirkt beratend bei der Verwaltung von Friedhofsanlagen. Nicht nur die Lage direkt neben dem Friedhof sorgt für Ärger. Die Kommissionsmitglieder fühlen sich vom Kanton nicht ernst genommen: «Wir wurden zu spät informiert. Eine Sitzung der Friedhofskommission wurde verschoben, und als sie stattfand, war die Einsprachefrist schon abgelaufen. Wir waren handlungsunfähig», sagt Kommissionsmitglied Sonja Feldmeier. Konkret: Im Dezember vor einem Jahr lief die Einsprachefrist ab, die Friedhofskommission hat aber erst im Januar über das Vorhaben beraten. Anne Nagel, ein weiteres Mitglied, ist deswegen sogar unter Protest aus der Kommission ausgetreten. In ihren Augen wurde die Kommission «bewusst übergangen und zu spät informiert.»

Sorge um die Friedhofsbesucher

Feldmeier kann den Entscheid ihrer ehemaligen Kollegin Nagel verstehen, hat sich aber dazu entschieden, in der Friedhofskommission zu bleiben. Gestern Nachmittag fand eine ordentliche Sitzung der Kommission statt. Ihr Vorsteher ist offiziell Baudirektor Hans-Peter Wessels, der allerdings selten an den Sitzungen teilnimmt

So oder so: Der Entscheid ist längst gefallen. Dabei ist Feldmeier überzeugt: «Der Ort könnte nicht ungünstiger für eine Abgabestelle sein.» In dem Industrieareal habe es bis auf die – meist älteren – Friedhofsbesucher wenig Leute. «Die fühlen sich im öffentlichen Raum tendenziell sowie schon stärker bedroht, denn sie können ja auch nicht davonlaufen oder sich notfalls wehren.» Ausserdem biete der Friedhof ideale Bedingungen fürs Drogendealen, ist Feldmeier überzeugt. Da bei der Drogenanlaufstelle die Süchtigen ihren Stoff nicht beziehen können, sondern selber mitbringen müssen, werde sich zwangsläufig eine Szene bilden. Feldmeier betont zudem, dass die Friedhofskommission einer Meinung sei: «Geschlossener als wir kann man gar nicht dagegen sein.»

Emanuel Trueb, Präsident der Friedhofskommission und gleichzeitig Leiter der Stadtgärtnerei, entgegnet allerdings: «Die Einwände der Friedhofskommission waren mit den Einwänden der Stadtgärtnerei identisch gewesen und sind unmissverständlich vorgetragen worden.» Als man den Standort neben dem Wolfgottesacker ausgesucht hatte, habe der Kanton die Sorgen wegen der älteren Leute und das Drogendealen also in die Pläne miteinbezogen. Das bestätigt Eveline Bohnenblust, Leiterin der Abteilung Sucht beim Gesundheitsdepartement: «Ja, diese Bedenken wurden berücksichtigt.» Trueb und Bohnenblust betonen, dass die Basler Regierung bereits im Sommer des letzten Jahres über den neuen Standort der Drogenanlaufstelle öffentlich informiert habe und dass es ein politischer Entscheid war.

Baurekurskommission entscheidet

Unabhängig vom Friedhofskommissions-Hickhack sind nach wie vor Rekurse gegen die Anlaufstelle hängig, die von Privatpersonen eingereicht wurden. Die Baurekurskommission hat gestern eine Begehung des Areals gemacht. Sie wird in diesen Tagen entscheiden, ob sie den Einwänden stattgibt. Noch ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit also nicht gesprochen. Sollten die Rekurse abgewiesen werden, könnte das Gassenzimmer Ende 2013 seinen Betrieb aufnehmen.