Vorfasnacht

Auf den Mond und wieder zurück: Das Mimösli 2020 zeigt sich politisch und gibt den Linken auf die Kappe

Hansjörg «Häbse» Hersberger und sein Ensemble brillieren mit einer politischen Ausgabe des Mimösli 2020. Die meisten Pointen gehen zu Lasten der linksgrünen Politik.

Regierungsrat Hans-Peter Wessels wird für jede Baustelle und jeden rücksichtslosen Velofahrer verantwortlich gemacht. Somit ist er ein dankbares Opfer für alle Fasnächtler. Das Mimösli bedauert daher den Rücktritt des Magistraten. Es widmet dem Politiker sogar eine Krisensitzung: Was man alles vermissen werde, wenn er nicht mehr da sein wird, bedauern vom Bauunternehmer über den Velokurier bis zum Psychologen alle.

Mit den Rahmenstücken zu «Mir schiessen is uff dr Mond» hat Theaterchef Häbse in diesem Jahr die Messlatte höher gehängt. Sie sind alle sehr gut. Spritzig, mit vielen überraschenden Pointen und Lokalkolorit versehen werden Baslerische Vorgänge aufs Korn genommen.

Die Basler Verkehrs-Betriebe und ihre Ausfälle

Eine Glanznummer ist jene zur «BVB Leitstell». Häbse orchestriert die Zuständigen für die Drämmli (Michael Eckerle), jene für die Busse (Carlos Amstutz), für die Kundenreaktionen (Nicole Loretan), für die Anzeigetafeln (Maik van Epple) sowie den Durchsagen-Sprecher (Dani von Wattenwyl). Regelmässig informiert eine Kollegin (Hedy Kaufmann) über die aktuellen Wechsel in der Geschäftsleitung. Die Pointen kommen schneller als im siebeneinhalb Minuten-Takt. «Lass die Uhr auf den Anzeigetafeln langsamer laufen», ist ein Rezept gegen die Verspätungen. Wieder rekrutierte pensionierte Busfahrer dürfen nicht mehr die Linie 31 fahren, da sie die Haltestelle Hörnli auslassen würden. 

Das Stück «Demo Agentur» mit dem Slogan «s Bescht für Ihre Brodescht» prangert die vielen Kundgebungen in Basel an. So kann die Kundgebung «Claraplatz-Barfi de luxe» gebucht werden. «Am Rhybord» wird das neue Übertretungsstrafgesetz umgesetzt. «Es isch Ermässenssach!», lautet das Credo. Kleine Lautsprecher sind mit Beethovens Musik ok, aber mit Reggae nicht. Genauso sei Betteln in Gruppen und Tauben füttern ebenfalls verboten, dozieren die Polizisten. Was aber, wenn eine Taube alleine bettelt? Die Antwort wird zur Ermessenssache, wie auch die Rettung des in den Rhein gefallenen Polizisten.

Musikalisch klingt das Mimösli wunderbar

Immer am Mimösli gibt es Raum für musikalische Experimente. Dieses Mal dürfen «piccognito» mit einer Band das «Woodstook»-Gefühl hochleben lassen. Schrilles Pfeifen mit Elektro-Gitarre. Die Pfeiferinnen liefern auch in ihren Solostücken einen sauberen Auftritt ab. Sie lassen unter anderem mit Klängen von Jean-Michel Jarre  Waggisse zum Mond fliegen. Eine Art Geweih aus LED-Streifen leuchtet über ihren Köpfen. Als Tambouren bieten «d Rötzilisgge vo Stickstoff» hohe Trommelkunst und eine witzige schnelle Rhythmusnummer mit Plastikrohren. Sie werden vermutlich bereits blaue Flecken vom ständigen Rohre gegen die Oberschenkel schlagen haben.

Vor der Pause unterhalten die «Fuege-Fäger» mit «dem Mann im Mond», «Purple Rain» und «Satisfaction». In einer Prozession singen «D Gryysel» ihre Verse. Die vier kirchlichen Würdenträger benehmen sich aber alles andere als würdig. In ihren gepfefferten Bängg streifen sie auch mal die Gürtellinie. «S spitzig Ryssblei» lässt auch wieder die Dame aus dem «Gundeli mit ihrem Hundeli e Rundeli» drehen.

Das Mimösli ist politischer als auch schon. Allerdings gehen die meisten Pointen zu Lasten der links-grünen Seite. Doch Häbse hat das Gespür für den Humor der Leute auf der Strasse, die von der abgehobenen Politik (egal von welcher Seite) genug haben. Daher schiessen sich am Schluss nicht das Ensemble oder das Publikum auf den Mond, sondern halten fest: «Mer bliebe do!»

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